{"id":10023,"date":"2012-01-07T20:17:58","date_gmt":"2012-01-07T23:17:58","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10023"},"modified":"2012-01-20T21:36:43","modified_gmt":"2012-01-21T00:36:43","slug":"eine-stadt-erwacht-zum-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/01\/07\/eine-stadt-erwacht-zum-leben\/","title":{"rendered":"Eine Stadt erwacht zum Leben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Omar Panosettis Ausstellung &#8220;Territorio&#8221; im Centro Cultural Borges<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/sentimientos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/sentimientos.jpg\" alt=\"\" title=\"sentimientos\" width=\"500\" height=\"157\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10042\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/sentimientos.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/sentimientos-300x94.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nViel\u00e4ugige, verschachtelte Hochh\u00e4user, aus denen seitlich Geb\u00e4udeteile wie Nasen herauswachsen, Fabrikanlagen, aus deren Schornsteinen schwarzer Rauch in den Himmel steigt &#8211; die monumentalen Geb\u00e4udekomplexe, die in den Werken des argentinischen K\u00fcnstlers Omar Panosetti allgegenw\u00e4rtig sind, sind auf beeindruckende Weise d\u00fcster und bedrohlich &#8211; und zugleich wirken sie wie drollige und r\u00fchrende Steinchen in Baukl\u00f6tzchenwelten. Das liegt an dem Umfeld, in das ihr Sch\u00f6pfer Pano &#8211; so nennt sich der 1960 geborene K\u00fcnstler selbst &#8211; sie gestellt hat. In dem Werk &#8220;La Divisi\u00f3n de Poder&#8221; (Die Aufteilung der Macht) beispielsweise stehen die H\u00e4userschluchten wie in so vielen Bildern Panosettis auf einem Berg, nur ist der in diesem Fall der Kopf eines Monsters. Links und rechts von den H\u00e4usern stehen sich zwei gro\u00dfe Hunde gegen\u00fcber, von denen einer im Begriff ist, einen der nasenartigen Geb\u00e4udefl\u00fcgel abzubei\u00dfen. Oder vielleicht will er die H\u00e4user festhalten, denn sie scheinen \u00fcber die Stirn des Monsters nach unten abzust\u00fcrzen. Ein Schriftband zieht sich unterhalb der H\u00e4user \u00fcber den Monsterkopf, der Titel des Werks in Gro\u00dfbuchstaben und verkehrt herum geschrieben. Auch dieses Element findet sich in vielen der verspielt-ironischen, aber immer sozialen Z\u00fcndstoff und kritische Betrachtungen enthaltenden Werke Omar Panosettis.<\/p>\n<p>Wer k\u00e4mpft hier um die Macht? Karikaturistisch sind die Hunde mit weiblichen bzw. m\u00e4nnlichen Geschlechtsmerkmalen ausgestattet &#8211; ist es ein Kampf der M\u00e4nner gegen die Frauen? Stellen die H\u00e4user Institutionen der (staatlichen) Macht dar, die solide Fundamente zu haben scheinen, die jedoch von dem zwielichtigen Grund, auf dem sie gebaut sind, verschlungen zu werden drohen?<!--more--><\/p>\n<p>Die Ausstellung &#8220;Territorio&#8221; l\u00e4dt zum Verweilen ein &#8211; nicht nur wegen der Qualit\u00e4t der Kunstwerke. Panosettis Schau ist die 51. im Rahmen der Reihe &#8220;La l\u00ednea piensa&#8221; (Die denkende Linie), die die ber\u00fchmten argentinischen K\u00fcnstler Luis Felipe No\u00e9 und Eduardo Stup\u00eda im Centro Cultural Borges betreuen. Sie wird den ganzen Sommer bis Ende Februar im Foyer-Bereich des Centro Cultural Borges, bevor man mit der Rolltreppe nach oben f\u00e4hrt, gratis zu sehen sein. Eine klimatisierte Oase an hei\u00dfen Tagen, wurde der exzellent beleuchtete Rundgang durch Panosettis Werk von Stup\u00eda pers\u00f6nlich gestaltet. Man sp\u00fcrt, dass dieser Panos Werke liebt: Die Ausstellungsmontage ist noch mal ein Kunstwerk f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>\u00c4ltere und neuere Werke treten an manchen W\u00e4nden in einen Dialog, einige Bilder hat der K\u00fcnstler auf Anregung Stup\u00edas einfach an die Wand gezeichnet &#8211; fl\u00fcchtige Kunst, die nach Ende der Ausstellung \u00fcbermalt wird. Die auf gro\u00dfen Foamboardplatten &#8211; ein neues Lieblingsmaterial Panosettis &#8211; gefertigten Werke sind an die Wand genagelt, einige Bl\u00e4tter sind aus Zeichenbl\u00f6cken einfach ausgerissen, was der Schau einen spontanen, erfrischend &#8220;un-perfekten&#8221; Charme gibt. Und das passt einfach gut zu Panosettis Oeuvre.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/panosetti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/panosetti.jpg\" alt=\"\" title=\"panosetti\" width=\"250\" height=\"250\" class=\"alignright size-full wp-image-10025\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/panosetti.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/panosetti-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>In j\u00fcngster Zeit taucht ein Golem-\u00e4hnliches, geheimnisvolles Monstrum in Panosettis Bilderwelt auf, wie in dem Werk &#8220;Matadero&#8221;, ein gutes Beispiel f\u00fcr sein Idearium. Der Matadero (Schlachthof) ist einem Bauwerk nachempfunden, das der italienische Architekt Francisco Salamone um 1910 in Azul in der Provinz Buenos Aires schuf. Panosetti bewundert die monumentalen Werke dieses Bauherrn, sie inspirieren viele seiner Zeichnungen und Gem\u00e4lde. Der Golem steht stumm neben dem Schlachthaus, zu seiner Linken befindet sich ein Berghang, vielleicht die Seite eines Vulkans, der Lava speit. Auf dem Berg stehen einige H\u00e4user mit flachen, knallroten D\u00e4chern, sie scheinen Gesichter zu haben, aus ihren &#8220;M\u00fcndern&#8221; quellen wei\u00dfliche, wasser\u00e4hnliche Font\u00e4nen. Der Himmel besteht aus ockerfarbenen Ovalen, die durch Arme oder Stra\u00dfen miteinander verbunden sind &#8211; ein Motiv, das Panosetti den australischen Aborigenes abgeschaut hat, wie er freim\u00fctig in einem Interview erz\u00e4hlt. Was das Bild bedeutet, will er nicht sagen, die Interpretation m\u00f6chte er dem Betrachter seiner Werke \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Panosettis Bilder besitzen eine ganz besondere \u00e4sthetische Kraft, denn obwohl in ihnen viel Humor mitschwingt, sind sie doch oft bedrohlich, scheinen Weckrufe zu sein oder Warnungen vor dem Untergang. Der Golem, laut Panosetti &#8220;eine Pr\u00e4senz der Nacht&#8221;, ist ein stummes Symbol f\u00fcr diese Warnung, und die Stadt, der der K\u00fcnstler Leben einhaucht, scheint sich wehren zu wollen, indem sie Arme, Ohren, Nasen, Augen und M\u00fcnder entwickelt, unbeholfene Buchstaben schreibt und auf Bergspitzen Schutz sucht, vielleicht um Bastion zu sein f\u00fcr menschliche Zivilisationen, oder um zumindest eine Illusion von Sicherheit zu vermitteln.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.mondopano.com.ar\/\">Omar Panosetti<\/a>, &#8220;Territorio&#8221;, Zeichnungen, Gem\u00e4lde<\/li>\n<li>Im Rahmen des von Luis Felipe No\u00e9 und Eduardo Stup\u00eda koordinierten Zyklus &#8220;La l\u00ednea piensa&#8221;<\/li>\n<li>Centro Cultural Borges, Viamonte\/San Mart\u00edn<\/li>\n<li>Mo-Sa 10-21, So 12-21 Uhr, Eintritt frei<\/li>\n<li>16.12.2011-Februar 2012<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Omar Panosettis Ausstellung &#8220;Territorio&#8221; im Centro Cultural Borges Von Susanne Franz Viel\u00e4ugige, verschachtelte Hochh\u00e4user, aus denen seitlich Geb\u00e4udeteile wie Nasen herauswachsen, Fabrikanlagen, aus deren Schornsteinen schwarzer Rauch in den Himmel steigt &#8211; die monumentalen Geb\u00e4udekomplexe, die in den Werken des argentinischen K\u00fcnstlers Omar Panosetti allgegenw\u00e4rtig sind, sind auf beeindruckende Weise d\u00fcster und bedrohlich &#8211; und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-10023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tipp-der-woche-recomendacion-de-la-semana"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10023"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10151,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10023\/revisions\/10151"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}