{"id":10079,"date":"2012-01-14T11:31:22","date_gmt":"2012-01-14T14:31:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10079"},"modified":"2012-01-14T11:31:22","modified_gmt":"2012-01-14T14:31:22","slug":"ein-abend-mit-der-pachamama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/01\/14\/ein-abend-mit-der-pachamama\/","title":{"rendered":"Ein Abend mit der Pachamama"},"content":{"rendered":"<p><strong>Festival der &#8220;Jornadas de Paz y Dignidad&#8221; im Theater SHA<\/p>\n<p><em>Von Mirka Borchardt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/arbolito.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/arbolito.jpg\" alt=\"\" title=\"arbolito\" width=\"250\" height=\"248\" class=\"alignright size-full wp-image-10081\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/arbolito.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/arbolito-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Vorne auf der B\u00fchne steht eine Frau in indigener Tracht, sie singt, nein, sie betet im Singsang, begleitet von Trommelschl\u00e4gen: &#8220;Zuerst singe ich f\u00fcr die Erde, dann singe ich f\u00fcr meinen Vater im Himmel, dann f\u00fcr meinen Bruder, das Wasser, dann f\u00fcr meinen Bruder, die Luft&#8230;&#8221; Huch, frage ich mich, in was f\u00fcr einer Esoterik-Veranstaltung bin ich denn hier gelandet?<\/p>\n<p>Der Name dieser Veranstaltung freilich weist schon die Richtung: &#8220;Festival de Jornadas de Paz y Dignidad&#8221;, &#8220;Festival der Tage des Friedens und der W\u00fcrde2. Es geht um die Einigkeit der V\u00f6lker Amerikas, um die Prophezeiungen der Vorfahren, namentlich des Adlers und des Kondors, und um das Wasser, das lebenspendende Element. Das kann man den Reden, die am Mittwochabend im Saal des Theaters SHA gehalten werden, entnehmen. Viel mehr allerdings auch nicht. Vielleicht ist es mein deutscher Anspruch, vielleicht bin ich zu gew\u00f6hnt daran, dass alles einen Zweck verfolgen muss, jedenfalls wundere ich mich sehr: Keine konkreten Forderungen, keine Aufrufe an die Politik, keine zum Geldsammeln. Stattdessen vage Aussagen: &#8220;Die Prophezeiung sagt, die Zeit der Einigkeit sei gekommen.&#8221; &#8211; &#8220;Wir m\u00fcssen unsere Mutter Erde sch\u00fctzen.&#8221; &#8220;Pachamama&#8221; ist das Wort, das heute Abend am h\u00e4ufigsten fallen wird.<\/p>\n<p>Die &#8220;Jornadas de Paz y Dignidad&#8221; wurden von der nichtstaatlichen Organisation &#8220;Fuego Sagrado de Itzachilatlan&#8221; ins Leben gerufen, einer Vereinigung, die sich f\u00fcr indigene Rechte und f\u00fcr den Naturschutz einsetzt und mittlerweile in zehn verschiedenen L\u00e4ndern existiert. 1992 rief sie zu einer Gegenveranstaltung zu den Feiern zum 500-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Entdeckung Amerikas auf: ein Lauf durch ganz Amerika. Von Alaska im Norden und Argentinien und Chile im S\u00fcden gleichzeitig starteten die L\u00e4ufer, um sich bei den Pyramiden von Teotihuacan in Mexiko zu treffen und die Riten der indigenen Ureinwohner und die Einigkeit der V\u00f6lker zu feiern. Alle vier Jahre wird der Lauf wiederholt, mit unterschiedlichen Routen. Dieses Jahr f\u00fchrt sie blo\u00df in eine Richtung: Am 1. Dezember starteten die L\u00e4ufer in Mexiko, am 21. M\u00e4rz werden sie in Chile ankommen.<!--more--><\/p>\n<p>Zu Ehren der L\u00e4ufer, und vermutlich zu deren finanzieller Unterst\u00fctzung &#8211; wobei letzteres nicht gesagt wird, das w\u00e4re zu viel des Zweckdenkens &#8211; wird das Festival in Buenos Aires gefeiert. Nicht nur mit Reden und Gebeten, sondern vor allem mit Musik. Nach dem Eingangsgebet f\u00fcllt sich die B\u00fchne mit zw\u00f6lf Frauen und M\u00e4nnern mit Panfl\u00f6ten und Trommeln, &#8220;Kaypachamanta&#8221; nennen sie sich. Ein wenig dissonant, aber deswegen nicht weniger mitrei\u00dfend ist ihre Musik. Langsam kommt das Publikum in Schwung: Meist junge Menschen, aber auch kleine Kinder und ein paar durchaus seri\u00f6s wirkende \u00e4ltere Damen und Herren wippen im Takt auf ihren Theatersesseln.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Band &#8220;Arbolito&#8221; wippen die ersten im Stehen vor ihren Sitzen. Ein Gemisch aus argentinischer, bolivianischer und uruguayischer Folklore spielen die f\u00fcnf Musiker, und zwar gar nicht schlecht. Auch hier fehlt die Mutter Erde nat\u00fcrlich nicht: &#8220;Pachamama, Mutter Erde, Mutter aller Farben, Mutter aller Liebe&#8221;, singen sie, ein paar Zuschauer kennen offensichtlich den Text, im Raum vor der B\u00fchne tanzen fr\u00f6hlich ein paar dreadbelockte Menschen. Schade, dass das hier in einem Theatersaal und nicht in einer Konzerthalle oder unter freiem Himmel stattfindet, denke ich.<\/p>\n<p>Dann der H\u00f6hepunkt des Abends: Die Band &#8220;Karamelo Santo&#8221;, eine \u00fcber die Grenzen Lateinamerikas hinaus bekannte Band, Cumbia im Rockformat. Nun ist es mit dem Wippen auf den Sitzen vorbei, die Menschen str\u00f6men vor die B\u00fchne, bis nach hinten f\u00fcllen sich die G\u00e4nge an den Seiten des Saals, die Kinder werden auf die Schultern gehoben, das Publikum singt lauthals mit, in der Mitte vor der B\u00fchne wird im Takt gesprungen. Es braucht keine Konzerthalle.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich kommt mir auch das Gerede von Einigkeit und Energie gar nicht mehr so abgedroschen vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festival der &#8220;Jornadas de Paz y Dignidad&#8221; im Theater SHA Von Mirka Borchardt Vorne auf der B\u00fchne steht eine Frau in indigener Tracht, sie singt, nein, sie betet im Singsang, begleitet von Trommelschl\u00e4gen: &#8220;Zuerst singe ich f\u00fcr die Erde, dann singe ich f\u00fcr meinen Vater im Himmel, dann f\u00fcr meinen Bruder, das Wasser, dann f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10079","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10079","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10079"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10079\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10082,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10079\/revisions\/10082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}