{"id":10125,"date":"2012-01-19T12:24:51","date_gmt":"2012-01-19T15:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10125"},"modified":"2012-01-20T21:26:20","modified_gmt":"2012-01-21T00:26:20","slug":"zwei-lebensgeschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/01\/19\/zwei-lebensgeschichten\/","title":{"rendered":"Aus der Stille"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Las acacias&#8221; von Pablo Giorgelli<\/p>\n<p><em>Von Anna Weber<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/acacias.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/acacias.jpg\" alt=\"\" title=\"acacias\" width=\"250\" height=\"141\" class=\"alignright size-full wp-image-10128\" \/><\/a>Musik darf im Film niemals die Bilder st\u00fctzen, sondern muss f\u00fcr sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bed\u00fcrfen, geh\u00f6ren nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film &#8220;Las acacias&#8221; kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine.<\/p>\n<p>Aufregungslos, ganz ohne L\u00e4rm, hebt der Film seinen ersten Protagonisten Rub\u00e9n (Germ\u00e1n da Silva) aus der Stille. Rub\u00e9n ist kein Mann vieler Worte. Seit Jahren transportiert er als Lastwagenfahrer Holz von Asunci\u00f3n in Paraguay nach Buenos Aires, und da sitzt niemand auf dem Beifahrersitz, mit dem er sprechen k\u00f6nnte. Auch eine Familie hat Rub\u00e9n nicht. An den Sohn, den er seit acht Jahren nicht mehr gesehen hat, erinnert lediglich ein Foto, sorgsam aufbewahrt im Handschuhfach. Doch davon wei\u00df man zu Beginn des Films noch nichts. Man vermutet es h\u00f6chstens, wenn Rub\u00e9n in routinierter Einsamkeit im Halbdunkel einer Rastst\u00e4tte sein Mittagessen hinunterschlingt.<\/p>\n<p>An der Einsamkeit und Stille \u00e4ndert auch Jacinta (Hebe Duarte) nichts, die kurz vor der Grenze mit ihrem Baby Anah\u00ed (Nayra Calle Mamani) auf den Beifahrersitz klettert, um nach Buenos Aires zu gelangen. Es dauert Stunden, bis endlich der erste Mate angeboten wird, bis r\u00fccksichtsvoll eine Zigarette ausgedr\u00fcckt wird, um den S\u00e4ugling vom Weinen abzuhalten, bis ein L\u00e4cheln getauscht wird und ein &#8220;Gracias&#8221; in der Luft der F\u00fchrerkabine h\u00e4ngt. Und erst viele Kilometer sp\u00e4ter folgen die Worte.<!--more--><\/p>\n<p>In dem Moment, da endlich nach dem Namen gefragt wird, und die Gespr\u00e4che einsetzen, da bemerkt man, wie genial dieser Film ist. Ohne Musik, ohne Worte, ist es dem Film gelungen, Rub\u00e9ns Geschichte zu erz\u00e4hlen, bevor dieser \u00fcberhaupt den Mund ge\u00f6ffnet hat. Knappe Bildskizzen t\u00f6nen all die Geschichten an, die sp\u00e4ter aus dem Handschuhfach quellen.<\/p>\n<p>Doch nicht die Stille, sondern die Geduld ist die gro\u00dfe St\u00e4rke Giorgellis. Kilometer um Kilometer wird abgespult, Schicht um Schicht zweier Lebensgeschichten wird abgetragen. Die Vergangenheit wird nicht seziert, sondern vorsichtig ausgegraben, abgestaubt und ausgelegt. Wie bei vielen Ausgrabungen werden nicht alle Teile gefunden. Es bleiben L\u00fccken, das Puzzle ist unvollst\u00e4ndig. Der Zuschauer wird zur imaginativen Mitarbeit gezwungen und f\u00fcllt die L\u00fccken mal mit Beklemmung, mal mit leisem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Was sich auf dieser Lastwagenfahrt zwischen Fahrer- und Beifahrersitz genau abspielt, das ist schwer zu beschreiben. Die Einsamkeit zieht sich langsam in den Lastenraum zur\u00fcck und macht Platz f\u00fcr Unsagbares, f\u00fcr eine neue Stille, f\u00fcr das, wof\u00fcr die Worte fehlen. Aber als die Lasten schlie\u00dflich in Buenos Aires ankommen, ist da etwas Leises, Zerbrechliches gewachsen. Um das Wort zu wagen: Da ist Liebe.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Las acacias&#8221;, Argentinien 2011, 82 Min.<\/li>\n<li>Regie: Pablo Giorgelli<\/li>\n<li>Buch: Pablo Giorgelli, Salvador Roselli<\/li>\n<li>Mit Germ\u00e1n da Silva, Hebe Duarte, Nayra Calle Mamani<\/li>\n<li>Im Espacio INCAA Km 0 Gaumont, Av. Rivadavia 1635, Buenos Aires<\/li>\n<li>13.00, 16.45, 21.40 Uhr<\/li>\n<li>Im Rahmes des Sommerprogramms der Stadt Buenos Aires, <a href=\"http:\/\/www.airesbuenosaires.gob.ar\">&#8220;Verano en la Ciudad&#8221;<\/a>, l\u00e4uft &#8220;Las acacias&#8221; am 5.2. um 21 Uhr gratis im Autokino des Rosedal von Palermo.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Las acacias&#8221; von Pablo Giorgelli Von Anna Weber Musik darf im Film niemals die Bilder st\u00fctzen, sondern muss f\u00fcr sich alleine wirken, schrieb einst Robert Bresson. Bilder, welche der Musik als Gehhilfe bed\u00fcrfen, geh\u00f6ren nicht auf die Leinwand. Pablo Giorgellis Film &#8220;Las acacias&#8221; kommt ohne Musik aus. Und Worte braucht er eigentlich auch fast keine. 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