{"id":10497,"date":"2012-02-21T19:02:52","date_gmt":"2012-02-21T22:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10497"},"modified":"2012-02-25T14:39:13","modified_gmt":"2012-02-25T17:39:13","slug":"der-schwarm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/02\/21\/der-schwarm\/","title":{"rendered":"Der Schwarm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn der Herdentrieb die Vernunft unterl\u00e4uft<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/schwarm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/schwarm.jpg\" alt=\"\" title=\"schwarm\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-10523\" \/><\/a>Lange war es ein R\u00e4tsel, welche Verhaltensregeln oder Mechanismen es bewirken, dass Hunderte, Tausende von Individuen in Fisch- oder Vogelschw\u00e4rmen pl\u00f6tzliche Richtungswechsel ausf\u00fchren, als ob der Schwarm ein einziger Organismus w\u00e4re. Die Biologen haben eine recht einfache Antwort auf diese Frage gefunden: Die Evolution hat die Tiere darauf geeicht, ohne jede \u00dcberlegung jedem Individuum an der Peripherie des Schwarms zu folgen, das von der allgemeinen Richtung abweicht. Dieses Tier muss als erstes eine Nahrungsquelle entdeckt haben \u2013 die es auszubeuten gilt &#8211; oder einen Fressfeind \u2013 dem man entfliehen muss. Es ist im Interesse aller Tiere des Schwarms, diesem Ausrei\u00dfer zu folgen. Heringe und Stare besitzen durchaus die F\u00e4higkeit, selbst\u00e4ndig Nahrung zu suchen und vor Feinden zu fliehen. Aber wenn sie sich im Schwarm befinden, agieren sie wie Schwarmtiere. Man hat die Schwarmtheorie bewiesen, indem man einem Fischchen sein Gehirnchen wegoperierte. Es schwamm sinn- und ziellos umher. Und alle anderen folgten ihm.<\/p>\n<p>Der Mensch ist kein Schwarmtier. Aber wir wissen inzwischen, dass in unserem Zwischenhirn immer noch Programme aktiv sind, die dort vor einigen Hundert Millionen Jahren von fernen Vorfahren eingelagert wurden. Unser Gro\u00dfhirn ist in der Lage, solche Programme abzuschalten oder zu \u00fcberspielen. Wenn wir es gebrauchen.<\/p>\n<p>Tun wir das denn nicht immer? Sind nicht alle unsere Entscheidungen und Handlungen vom Gro\u00dfhirn eingegeben? Dumme Fragen, sagt der Leser, als ob wir nicht unl\u00e4ngst die Wichtigkeit der &#8220;emotionalen Intelligenz&#8221; entdeckt h\u00e4tten! Schon richtig, aber gerade hat uns die Analyse der Finanzkrise wieder gezeigt, wie unser Herdentrieb die Vernunft unterlaufen kann.<\/p>\n<p>Ja, Herdentrieb. Wenn die Freunde, Nachbarn, Idole das neue elektronische Spielzeug haben wollen, wollen wir es auch. Wenn jene den neuen Star bewundern, wird er auch f\u00fcr uns zum Idol. Obwohl wir eigentlich die N\u00fctzlichkeit des Spielzeugs oder die musikalischen Qualit\u00e4ten des S\u00e4ngers gar nicht untersucht haben. Das Zwischenhirn hat f\u00fcr uns entschieden.<\/p>\n<p>Und wenn wir Teil einer Masse sind, welche, auf einem Platz versammelt oder vor dem Radiosender oder vor dem Fernseher den feurigen Reden eines charismatischen Artgenossen lauscht, dann kann uns der Herdentrieb ganz leicht zu Schwarmverhalten verleiten. Der oder die Redner\/in begeistert uns, rei\u00dft uns mit, so unvern\u00fcnftig, l\u00fcgnerisch, dumm und gef\u00e4hrlich auch immer seine\/ihre Parolen sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Wir folgen ihm\/ihr wie einem gehirnoperierten Fischlein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Herdentrieb die Vernunft unterl\u00e4uft Von Friedbert W. B\u00f6hm Lange war es ein R\u00e4tsel, welche Verhaltensregeln oder Mechanismen es bewirken, dass Hunderte, Tausende von Individuen in Fisch- oder Vogelschw\u00e4rmen pl\u00f6tzliche Richtungswechsel ausf\u00fchren, als ob der Schwarm ein einziger Organismus w\u00e4re. 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