{"id":10628,"date":"2012-03-03T13:01:51","date_gmt":"2012-03-03T16:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10628"},"modified":"2012-03-04T12:55:26","modified_gmt":"2012-03-04T15:55:26","slug":"gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/03\/03\/gestalten\/","title":{"rendered":"Gestalten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jeder kann etwas erschaffen<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/bonsai.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/bonsai.jpg\" alt=\"\" title=\"bonsai\" width=\"250\" height=\"163\" class=\"alignright size-full wp-image-10637\" \/><\/a>Das Verb &#8220;gestalten&#8221; ist gleichbedeutend mit &#8220;schaffen&#8221;, &#8220;Form geben&#8221;. Das bedeutet mehr als &#8220;machen&#8221;. Gott hat die Welt nicht gemacht, er hat sie erschaffen. Gestalten bedeutet, Nichts in Etwas zu verwandeln.<\/p>\n<p>Bis vor nicht langer Zeit war der Wert des Schaffens, Gestaltens, Gemeingut in der Westlichen Welt. Erfinder, Ingenieure, kluge Handwerker, produktive Unternehmer, Komponisten, Literaten, weitsichtige Politiker und Diplomaten, K\u00fcnstler, Forscher, Wissenschaftler und kreative Kaufleute besa\u00dfen den Respekt der Gesellschaft. Sie brachten ihr Neues, Fortschritt, Wohlstand und Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Und nicht nur die Gesellschaft bereicherten sie. F\u00fcr die Gestalter selbst war in erster Linie die Befriedigung \u00fcber das gelungene Werk, die gesellschaftliche Anerkennung, Belohnung f\u00fcr den Erfolg. Und nicht etwa nur das verdiente Geld.<\/p>\n<p>Allerdings begann irgendwann in den Vereinigten Staaten eine folgenschwere Verwechslung Raum zu greifen: Geld wurde Synonym f\u00fcr Anerkennung und notwendige Voraussetzung f\u00fcr Befriedigung. Die erste Frage an einen neuen Bekannten nach der Vorstellung war nun &#8220;and how much do you make?&#8221;. Wer nicht viel &#8220;machte&#8221;, galt nicht mehr viel. Es kam nicht mehr darauf an, aus Nichts Etwas zu machen, sondern Geld.<\/p>\n<p>Inzwischen ist der &#8220;Macher&#8221; auch im Rest der Welt zum Idol geworden. Gewiss, es gibt immer noch sehr viele kreative Menschen, die N\u00fctzliches, Sch\u00f6nes, Vergn\u00fcgliches schaffen, aber unsere Bewunderung gilt in erster Linie denjenigen, welche dies zu Geld machen. Manager, Marketingprofis, Makler, Investoren, Banker, Berater, Anw\u00e4lte eignen sich kreative Ideen und Projekte an \u2013 das Etwas -, um daraus Geld zu machen \u2013 Nichts. Und wir Konsumenten feiern diese Leute, indem wir aus Etwas \u2013 immer kurzlebigeren G\u00fctern \u2013 Schlimmeres als Nichts machen: Abfall. Es st\u00f6\u00dft uns \u00fcberhaupt nicht mehr auf, zu lesen, dass das Sozialprodukt \u2013 die Summe aller Leistungen der Gemeinschaft \u2013 zu 70 % aus Konsum besteht. Ein &#8220;Produkt&#8221;, das urspr\u00fcnglich so etwas wie ein m\u00fchsam gef\u00f6rdertes Material oder gewissenhaft gefertigtes Werkst\u00fcck gewesen war, ist zu einer nebelhaft-verd\u00e4chtigen, statistischen Gr\u00f6\u00dfe geworden.<\/p>\n<p>Gestalten als Lebensinhalt ist heute ein Privileg weniger Gl\u00fccklicher. Wir Anderen sitzen an einem Flie\u00dfband, einem Zeichen- oder Schreibtisch, einem Computer und versuchen, das uns von der arbeitsteiligen Gesellschaft zugewiesene Tausendstel einer Maschine, eines Geb\u00e4udes, Projekts, Romans, einer Umsatzvorgabe oder Forschungsaufgabe zu optimieren. Vom fertigen Werk erfahren wir bestenfalls aus der Zeitung. Schafft das Befriedigung? Selbst wenn wir f\u00fcr unser Tausendstel gut bezahlt worden sind? Vermindert es unseren Frust, wenn wir bef\u00f6rdert werden, unsere Gestaltungsm\u00f6glichkeit etwa von einem Tausendstel auf ein Hundertstel steigt?<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hat uns die Geld-ist-Alles-Gesellschaft in der Regel noch nicht so im Griff, dass wir nicht noch \u00fcber einige Freizeit verf\u00fcgen k\u00f6nnten \u2013 manchmal sogar recht viel davon. Wie w\u00e4re es, wenn wir sie weniger dem Konsum und mehr der Gestaltung widmen w\u00fcrden? Jeder kann gestalten: eine raffinierte Mahlzeit, wenn es nicht ein ganzer Garten sein kann, ein Bonsai, eine eigene Meinung \u00fcber ein weitum oberfl\u00e4chlich kommentiertes Thema, eine Vogeltr\u00e4nke, ein Kleidungsst\u00fcck, einen Bilderrahmen, einen sch\u00f6nen Brief, eine Gespr\u00e4chsrunde.<\/p>\n<p>Man muss nur anfangen damit. Am Besten als Kind. Am Befriedigendsten und Verdienstvollsten ist das Gestalten von Kindern zu Gestaltern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder kann etwas erschaffen Von Friedbert W. B\u00f6hm Das Verb &#8220;gestalten&#8221; ist gleichbedeutend mit &#8220;schaffen&#8221;, &#8220;Form geben&#8221;. Das bedeutet mehr als &#8220;machen&#8221;. Gott hat die Welt nicht gemacht, er hat sie erschaffen. Gestalten bedeutet, Nichts in Etwas zu verwandeln. Bis vor nicht langer Zeit war der Wert des Schaffens, Gestaltens, Gemeingut in der Westlichen Welt. 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