{"id":10858,"date":"2012-03-16T13:38:11","date_gmt":"2012-03-16T16:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10858"},"modified":"2012-03-17T13:42:21","modified_gmt":"2012-03-17T16:42:21","slug":"erkennen-erfassen-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/03\/16\/erkennen-erfassen-bewahren\/","title":{"rendered":"&#8220;Erkennen, erfassen, bewahren&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Projekt des Moses Mendelssohn Zentrums widmet sich dem deutsch-j\u00fcdischen Erbe auf der ganzen Welt<\/p>\n<p><em>Von Mirka Borchardt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/juedisches_kulturerbe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/juedisches_kulturerbe.jpg\" alt=\"\" title=\"juedisches_kulturerbe\" width=\"500\" height=\"262\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10894\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/juedisches_kulturerbe.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/juedisches_kulturerbe-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n&#8220;Warum, so fragt man sich, ist ein solches Projekt nicht schon fr\u00fcher gestartet worden?&#8221; Mit diesen Worten leitete Botschafter G\u00fcnter Rudolf Knie\u00df am Dienstag die Vorstellung eines ambitionierten globalen Projekts zum j\u00fcdischen Kulturerbe ein: German-Jewish Cultural Heritage (GJCH) hei\u00dft das Projekt, und sein Vorhaben klingt in der Tat so einleuchtend, dass die rhetorische Frage des Botschafters mehr als berechtigt scheint. Als &#8220;Spurensuche&#8221; beschreibt Dr. Elke-Vera Kotowski vom Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ), ma\u00dfgebliche Initiatorin des Projekts, dieses Vorhaben: Spuren des deutsch-j\u00fcdischen Kulturerbes weltweit sollen gesucht, gesammelt, systematisiert, zusammengefasst und einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden.<\/p>\n<p>In einer jahrhundertelangen Geschichte der Emigration deutscher Juden ist deren kulturelles Erbe in alle Welt verstreut worden &#8211; nicht nur das materielle, nicht nur Gegenst\u00e4nde des t\u00e4glichen und des religi\u00f6sen Lebens, sondern auch das immaterielle: Traditionen, Wissen, Geschichten, Gewohnheiten. H\u00e4ufig hat sich diese Kultur mit der des Aufnahmelandes vermischt, doch ist die eine nicht einfach in der anderen aufgegangen: Auch die Kultur des Aufnahmelandes ver\u00e4nderte sich durch die Neuank\u00f6mmlinge und deren mitgebrachtes Kulturgut.<\/p>\n<p>Diesen wechselseitigen Einflussnahmen nachzugehen, das ist eines der Ziele des GJHC. Ein anderes ist, die schon bestehenden zahlreichen Vereinigungen und Organisationen weltweit, die zu \u00e4hnlichen Themen arbeiten, zu vernetzen. Das Wissen, das heute schon besteht, ist nicht unerheblich, aber fragmentarisch und \u00fcber den Globus verteilt. Die Einrichtungen arbeiten unabh\u00e4ngig voneinander, teilweise wissen sie gegenseitig nicht einmal von ihrer Existenz. \u00dcber das GJCH k\u00f6nnen sie miteinander in Kontakt treten und einen Austausch beginnen, k\u00f6nnen sich mit Kollegen auf der anderen Seite des Ozeans beraten und Dokumente vom anderen Ende der Welt einsehen, das ist die Vision von Kotowski und ihren Mitarbeitern.<\/p>\n<p>Auf der Internetseite des Projekts (siehe unten) findet man eine interaktive Weltkarte, klickt man die einzelnen L\u00e4nder an, werden alle Organisationen des jeweiligen Landes aufgelistet, die zum Thema deutsch-j\u00fcdisches Kulturerbe arbeiten. Daneben soll eine Datenbank angelegt werden, auf der Briefe, Tageb\u00fccher, Dokumente, Ausweise und andere Prim\u00e4rquellen in digitalisierter Form zu finden sein sollen. Damit sie nicht nur einer kleinen Minderheit von Wissenschaftlern zur Verf\u00fcgung stehen, sondern allen Interessierten, auch und vor allem Jugendlichen, die mit audiovisuellen Mitteln mittlerweile mehr anzufangen w\u00fcssten als mit B\u00fcchern, so Kotowski.<\/p>\n<p>Auf diese Weise will das GJHC auch einen anderen Zweck erf\u00fcllen: &#8220;H\u00e4ufig sind wahre Sch\u00e4tze auf Dachb\u00f6den oder in Kellern versteckt, und die Menschen wissen nicht, wohin damit&#8221;, sagt Kotowski. &#8220;Wir bieten ihnen eine zentrale Anlaufstelle.&#8221; Sie berichtet von einem Mann in den Vereinigten Staaten, der auf seinem Dachboden den Briefwechsel einer in Wien lebenden Frau und ihres in die Staaten ausgewanderten Sohnes fand: 20 Jahre lang, von 1926 bis 1956, schrieben sich die beiden Briefe. Nicht nur von den gro\u00dfen und kleinen Ereignissen des Alltags erf\u00e4hrt man darin, sondern auch vom Prozess der Identit\u00e4tswandlung des Sohnes, von der Mutter, die in Wien den aufkommenden Nationalsozialismus miterlebt und schlie\u00dflich selbst auswandert &#8211; und deren Identit\u00e4t als deutschsprachige J\u00fcdin damit ebenfalls arg ersch\u00fcttert wird. Diese Geschichte(n) im Kleinen zu berichten, nicht nur die Geschichte gro\u00dfer M\u00e4nner, das ist ein anderes Ziel der Wissenschaftlerin und ihres Teams.<\/p>\n<p>Noch steckt das Projekt freilich in den Kinderschuhen: Bisher sind die auf der Internetseite aufgelisteten Organisationen nur wenige, die Datenbank ist noch in Entwicklung, und auch die Ver\u00f6ffentlichung des geplanten Handbuchs mit Beitr\u00e4gen von 50 internationalen Wissenschaftlern wird noch dauern. Ein Haufen Arbeit ist das alles, aber die GJCH-Organisatoren haben allen Grund zur Hoffnung. Bei der Vorstellung des Projekts in der deutschen Botschaft in Buenos Aires am Dienstag sagten die j\u00fcdische Forschungsstiftung Fundaci\u00f3n IWO und die AMIA (Asociaci\u00f3n Mutual Israelita Argentina) spontan ihre Unterst\u00fctzung zu, so angetan waren sie von der Idee.<\/p>\n<p>Um auf die berechtigte Anfangsfrage zur\u00fcckzukommen: Warum also gab es ein solches Projekt nicht schon fr\u00fcher? Weil es, so beantwortet die Frage ein Zeitzeuge aus dem Publikum, vielleicht so lange gebraucht habe, bis sich die Exiljuden mit ihren deutschen Wurzeln h\u00e4tten auss\u00f6hnen k\u00f6nnen. Umso mehr darf man nun froh sein, dass die Zeit anscheinend reif ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen und Anfragen siehe <a href=\"http:\/\/germanjewishculturalheritage.com\/\">die Webseite des Projektes<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Projekt des Moses Mendelssohn Zentrums widmet sich dem deutsch-j\u00fcdischen Erbe auf der ganzen Welt Von Mirka Borchardt &#8220;Warum, so fragt man sich, ist ein solches Projekt nicht schon fr\u00fcher gestartet worden?&#8221; Mit diesen Worten leitete Botschafter G\u00fcnter Rudolf Knie\u00df am Dienstag die Vorstellung eines ambitionierten globalen Projekts zum j\u00fcdischen Kulturerbe ein: German-Jewish Cultural Heritage [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-10858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10858"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10895,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10858\/revisions\/10895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}