{"id":10860,"date":"2012-03-16T20:48:37","date_gmt":"2012-03-16T23:48:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10860"},"modified":"2012-03-17T13:28:01","modified_gmt":"2012-03-17T16:28:01","slug":"krachende-konsumkritik-im-schrillen-streichelzoo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/03\/16\/krachende-konsumkritik-im-schrillen-streichelzoo\/","title":{"rendered":"Krachende Konsumkritik im schrillen Streichelzoo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Emilio Garc\u00eda Wehbi inszeniert Rodrigo Garc\u00edas Chaosuniversum des sinnlosen Massenkonsums<\/p>\n<p><em>Von Karlotta Bahnsen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/prefiero.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/prefiero.jpg\" alt=\"\" title=\"prefiero\" width=\"464\" height=\"220\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10890\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/prefiero.jpg 464w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/prefiero-300x142.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/a><br \/>\nSoll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch (&#8220;Prefiero que me quite el sue\u00f1o Goya a que lo haga cualquier hijo de puta&#8221;) sagt sich ein entnervter Familienvater und macht sich auf zu einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Reise.<\/p>\n<p>Ein menschengro\u00dfer Gorilla sitzt schwer atmend auf einem riesigen B\u00fccherstapel, der B\u00fchnenraum ist mit Kunstrasen ausgelegt, es gibt einen ausgestopften Hirsch, ein lebendes Huhn im Vogelk\u00e4fig neben einem Laufband Marke Fitnessstudio und einem alten Fernseher, \u00fcber den Tierbilder flimmern. An die Wand projiziert steht der Prolog: Prinzipien f\u00fcr zynische Ethik. Dazu h\u00f6rt man Tierstimmen. Die B\u00fchne gleicht einer Installation. Der Affe beginnt in sein Headset zu sprechen: Er, besagter Familienvater, hat beschlossen, seine gesamten Ersparnisse f\u00fcr eine Reise nach Madrid auf den Kopf zu hauen. Der Plan beinhaltet einen Einbruch in den Prado zur ungest\u00f6rten Kontemplation des Sp\u00e4twerks Francisco Goyas. Die Kinder unseres Protagonisten sind gegen diese Verschwendung der ohnehin j\u00e4mmerlichen Ersparnisse ihres Vaters und stimmen f\u00fcr einen Besuch von Disneyland, da sie als Kreaturen der postmodernen Gesellschaft nach eigenen Angaben sowieso kein Interesse an geschichtlich tradierten Kulturg\u00fctern mehr haben. Aber der Plan steht. Man fliegt nach Madrid und steigt mit einem Rucksack voller Kokain und Pflastersteinen in ein Taxi, wo man sich von Peter Sloterdijk den Sinn der menschlichen Existenz erkl\u00e4ren lassen will.<\/p>\n<p>Emilio Garc\u00eda Wehbi inszeniert das St\u00fcck als schrille interdisziplin\u00e4re Ein-Mann-Show, welche die extrem physische Theatersprache von Rodrigo Garc\u00eda mit der visuellen Versiertheit des Regisseurs verbindet. Beeindruckend ist die Einfachheit der Effekte, mit denen er weitere Charaktere Teil des St\u00fccks werden l\u00e4sst. So entstehen die beiden Kinder lediglich durch einen Audioeffekt, der die Stimme erh\u00f6ht und polyphon klingen l\u00e4sst. Formal wird die Handlung von akustischen Signalen gegliedert, die den Darsteller dazu zwingen, auf das Laufband zu springen und so schnell als m\u00f6glich zu laufen. Blo\u00df nicht stehenbleiben, immer am Ball und st\u00e4ndig in Bewegung bleiben, um der g\u00e4hnenden inneren Leere wenigstens zeitweilig zu entkommen. Dazu werden passend Werbespr\u00fcche projiziert. &#8220;Have it your way!&#8221; Das ersch\u00f6pft. Garc\u00eda Wehbi schwitzt und keucht, seine Stimme h\u00f6rt sich von Mal zu Mal atemloser an, und die Struktur f\u00fchrt eine Beschleunigung des St\u00fcckes herbei.<\/p>\n<p>Die performativen Mittel, die eingesetzt werden, befreien das St\u00fcck eindr\u00fccklich von den Zw\u00e4ngen der Repr\u00e4sentation, denn die Handlung der Geschichte wird nicht abgebildet, sie entsteht eigens durch die Nacherz\u00e4hlung ihres Protagonisten und schafft so ein lohnendes Theatererlebnis mit zahlreichen interdisziplin\u00e4ren Referenzen in einem vielschichtigen und phantasievoll gestalteten Kunstraum, der sich vom Dramentext sowohl gekonnt emanzipiert als ihn auch in seiner Komplexit\u00e4t hervorhebt.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Prefiero que me quite el sueno Goya a que lo haga cualquier hijo de puta&#8221;<\/li>\n<li>Regie, Dramaturgie und Schauspiel: Emilio Garc\u00eda Wehbi<\/li>\n<li>Text: Rodrigo Garc\u00eda<\/li>\n<li>Teatro Timbre 4, M\u00e9xico 3554<\/li>\n<li>Freitags, 23 Uhr<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emilio Garc\u00eda Wehbi inszeniert Rodrigo Garc\u00edas Chaosuniversum des sinnlosen Massenkonsums Von Karlotta Bahnsen Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch (&#8220;Prefiero que me quite el sue\u00f1o Goya a que lo haga cualquier hijo de puta&#8221;) sagt sich ein entnervter Familienvater und macht sich auf zu einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Reise. 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