{"id":1094,"date":"2007-06-30T13:55:27","date_gmt":"2007-06-30T16:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/06\/30\/theaterprojekt-la-yunta-am-instituto-ballester\/"},"modified":"2007-06-30T13:55:27","modified_gmt":"2007-06-30T16:55:27","slug":"theaterprojekt-la-yunta-am-instituto-ballester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/06\/30\/theaterprojekt-la-yunta-am-instituto-ballester\/","title":{"rendered":"Theaterprojekt &#8220;La Yunta&#8221; am Instituto Ballester"},"content":{"rendered":"<p><strong>La Yunta zeigt den \u201cRevisor\u201d von Gogol<\/p>\n<p><em>Von Christina Liebl<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1096\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/yunta.JPG\" alt=\"yunta.JPG\" \/><br \/>\n<em>Mit ausgepr\u00e4gter Mimik und Gestik gelang es den Schaupielern, den Klassiker wirklich in ein Clownst\u00fcck zu verwandeln.<br \/>\nFoto: Christina Liebl<\/em><\/div>\n<p>Die Theatergruppe La Yunta zeigt im Instituto Ballester \u201e\u00a1Araca el inspector!\u201c, eine Adaptation des Klassikers des russischen Autors Gogol. Das im Original in einem Dorf des 19. Jahrhunderts in Russland angesiedelte St\u00fcck wird in dieser Inszenierung auf die argentinische Gegenwart \u00fcbertragen. Als weitere Zuspitzung spielt sich die Handlung in einem Zirkus ab und wird von Clowns aufgef\u00fchrt. Mit Humor werden so Korruption und Fehlorganisation ironisiert, um den Zuschauer dazu anzuregen, dar\u00fcber nachzudenken, wie das Land sein soll, in dem er leben m\u00f6chte. Um f\u00fcr die passende Zirkusatmosph\u00e4re zu sorgen, spielte das Orchester des Instituto Ballester unter der Leitung von Federico Popoff auf.<\/p>\n<p>Der Beginn des St\u00fccks versetzt den Zuschauer in eine Gemeindeversammlung der f\u00fchrenden Personen des Dorfes, bei der offen Bestechlichkeit und Missst\u00e4nde zu Tage treten. Die Neuigkeit eines zu erwartenden Inspektors versetzt die Mitglieder in Aufregung. Einen beliebigen Fremden und seinen Begleiter halten sie f\u00fcr den gef\u00fcrchteten Beamten und beginnen, ihn zu hofieren und mit Geldgeschenken f\u00fcr die Probleme des Dorfes blind zu machen. Die Dorfbewohner gehen schlie\u00dflich dazu \u00fcber, sich gegenseitig bei dem vermeintlichen Offiziellen zu denunzieren. Dieser spielt die Farce mit und schreibt einen Brief an einen befreundeten Journalisten, welcher eine ironische Beschreibung der Bev\u00f6lkerung liefert. Der Schwindel wird aufgedeckt, als der Postbeamte eben diesen Brief \u00f6ffnet und entdeckt, dass es sich um eine Verwechslung handelt. Durch den Inhalt des Schreibens wird den Dorfbewohnern \u00f6ffentlich ihr Fehlverhalten vorgehalten.<\/p>\n<p>Deutlich zu erkennen waren die Spielfreude und das Engagement, das ein jeder der zahlreichen Schaupieler &#8211; Sch\u00fcler, Ex-Sch\u00fcler, Lehrer und Eltern des Instituto Ballester &#8211; an den Tag legte. Mit ausgepr\u00e4gter Mimik und Gestik gelang es ihnen, den Klassiker wirklich in ein Clownst\u00fcck zu verwandeln. Dennoch blieb die ernste Botschaft dahinter stets deutlich sichtbar und sorgte f\u00fcr einen Denkansto\u00df.<\/p>\n<p><em>Eine letzte Gelegenheit, das St\u00fcck zu sehen, bietet sich an diesem Wochenende; am Samstag, den 30. Juni, um 20 Uhr, und am Sonntag, dem 1. Juli, um 19.30 Uhr, im Instituto Ballester, San Mart\u00edn 444, Villa Ballester.<\/em><\/p>\n<p>Vor einer der Vorstellungen nahm sich der bekannte Schauspieler und Theaterregisseur Carlos Kaspar die Zeit, einige Fragen zum St\u00fcck, zu \u201cseiner\u201d Theatergruppe La Yunta und zu seinem Beruf zu beantworten.<!--more--><\/p>\n<p><strong><em>Wieso haben Sie genau dieses St\u00fcck ausgew\u00e4hlt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, es hat sehr viel mit der argentinischen Realit\u00e4t zu tun, auch wenn \u201cDer Revisor\u201d ein Klassiker ist. Ich denke, Korruption gibt es \u00fcberall. Es ist eine Krankheit, an der alle L\u00e4nder der Welt leiden, aber hier, in Argentinien, ist es etwas schlimmer. Ich habe im Originalst\u00fcck von Gogol deutlich die argentinische Realit\u00e4t wiedererkannt. Das habe ich im St\u00fcck adaptiert, so dass alles sich in einem kleinen Dorf in Argentinien abspielt. <\/p>\n<p><strong><em>Was bedeutet das St\u00fcck also f\u00fcr Sie? Ist es ein Spiegel Ihrer Heimat?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, dass alles, was man tun kann, um seine Mitb\u00fcrger ein bisschen zur Reflektion zu bringen, gut und n\u00f6tig ist. So habe ich mir mit diesem St\u00fcck vorgenommen, zuerst \u00fcber unsere Realit\u00e4t zu lachen, aber auch das Publikum dazu zu bringen, dar\u00fcber nachzudenken. Wir k\u00f6nnen die Dinge \u00e4ndern und bessern. Ich denke, durch den Humor einer Kom\u00f6die kann man n\u00e4her an die Leute herankommen als durch Trag\u00f6dien. Und Ironie ist vielleicht eine bessere Waffe, um die Leute zum Nachdenken zu bringen. <\/p>\n<p><strong><em>Hat das Ihre Inszenierung beeinflusst?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ja, auch. Die Idee hat auch mit der argentinischen Theatergeschichte zu tun. Anfang des 20. Jahrhunderts in Argentinien gab es den Circo Criollo, einen Zirkus, in dem au\u00dfer einer Zirkusshow auch ein Theaterst\u00fcck vorgef\u00fchrt wurde. Die Idee vom Zirkus und dass sich das St\u00fcck in einem Zirkus abspielt, habe ich sehr interessant gefunden. Denn eigentlich sind wir alle Clowns, die wir in so einem wahnsinnigen Land leben, wo die Korruption \u00fcberhand genommen hat. Und dieses Jahr, wo Wahlen anstehen, ist ein guter Moment, um diesen Zirkus zu zeigen. Unsere Realit\u00e4t als Zirkus vorzuf\u00fchren, von Clowns gezeigt und reflektiert. <\/p>\n<p><strong><em>Wie war die Zusammenarbeit mit den Schauspielern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Yunta ist ein p\u00e4dagogisches Projekt. Wir sind schon seit f\u00fcnf Jahren am Instituto Ballester. Es ist eine Gruppe von \u00e4lteren Sch\u00fclern, Ex-Sch\u00fclern und Lehrern. Erstens gibt es diesen sozialen Aspekt der Gemeinschaft, das Theater bringt die Leute zusammen und sie lernen sich kennen. Unsere Schule ist gro\u00df und die Gemeinde ebenfalls, da ist es wirklich wichtig, die Leute zusammenzubringen und wenn\u2019s nur durchs Theater ist. Zweitens ist es ein kulturelles Projekt: Wir wollen nicht nur argentinische Autoren zeigen, sondern auch Aspekte der deutschen Kultur weitergeben. Wir haben beispielsweise den Faust von Goethe und Mahagony von Brecht gespielt. N\u00e4chstes Jahr wollen wir schauen, dass sich auch der bilinguale Aspekt entwickelt, etwa, dass Lieder in deutscher Sprache gesungen werden.<\/p>\n<p>Ich arbeite mit der Yunta, weil mir die Arbeit mit den Leuten gef\u00e4llt und weil ich diese Schule wirklich ins Herz geschlossen habe. Die Vorbereitungen waren wirklich sehr anstrengend, weil jeder von etwas anderem lebt und alle sich Zeit nehmen m\u00fcssen, um zu proben und zu \u00fcben. Aber die Yunta ist f\u00fcr mich ein Platz, wo ich mich wohl f\u00fchle, wo ich wirklich das Beste von mir geben und mit anderen Leuten teilen kann. Die Yunta ist wie eine Familie, wir wachsen zusammen. Und jeder nimmt die Sache sehr ernst. Wir am\u00fcsieren uns auch, aber es wird mit viel Respekt gearbeitet.<\/p>\n<p><strong><em>Ist es f\u00fcr Sie ein besonderer Reiz, mit Laienschauspielern zusammenzuarbeiten?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es eine Herausforderung, das Beste hervorzubringen, das jeder an schaupielerischem Talent besitzt, und manche der jungen Sch\u00fcler machen dann weiter. Ich war auch an der Steinerschule t\u00e4tig und hatte dort eine \u00e4hnliche Theatergruppe. Davon sind einige heute professionelle Schauspieler und ber\u00fchmt. Einer ist Juan Manuel Gil Navarro. Es handelt sich darum, einen Ansto\u00df zu geben und zu sehen, was dabei herauskommt. <\/p>\n<p><strong><em>Was hat Ihnen selbst den Ansto\u00df gegeben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Mit 14 Jahren kam ich in die Theatergruppe des Instituto Ballester. Seit diesem Moment habe ich mich in das Theater verliebt und konnte das nicht mehr loswerden. Dann arbeitete ich unter anderem mit Guillermo Battaglia, mit Jaime Kogan, gr\u00fcndete verschiedene Gruppen und f\u00fchrte Regie. Das erste Mal habe ich mit 16 Jahren Regie gef\u00fchrt, in der evangelischen Gemeinde in Florida. Dann fing ich an zu lesen und das Theater genauer kennenzulernen. Ich habe dann Psychologie studiert, als Nebenaktivit\u00e4t. Aber irgendwann kommt der Moment, wo man sagen muss, das ist mein Leben und das ist meine Leidenschaft und das m\u00f6chtest du tun. Ich habe als Psychologe und Lehrer gearbeitet, aber ich habe das Schauspielern nie gelassen. Und meine Arbeit mit Laienschauspielern soll meine Leidenschaft f\u00fcr das Theater weitergeben. Es gibt immer jemanden, der w\u00e4chst, und der etwas von dieser Leidenschaft in sich aufnimmt. Deswegen macht es mir Spa\u00df, hier zu arbeiten.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1095\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Kaspar2.jpg\" alt=\"Kaspar2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Carlos Kaspar mit Mercedes Mor\u00e1n im Kinofilm &#8220;Cara de Queso&#8221;.<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Yunta zeigt den \u201cRevisor\u201d von Gogol Von Christina Liebl Mit ausgepr\u00e4gter Mimik und Gestik gelang es den Schaupielern, den Klassiker wirklich in ein Clownst\u00fcck zu verwandeln. Foto: Christina Liebl Die Theatergruppe La Yunta zeigt im Instituto Ballester \u201e\u00a1Araca el inspector!\u201c, eine Adaptation des Klassikers des russischen Autors Gogol. 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