{"id":10956,"date":"2012-03-23T19:59:12","date_gmt":"2012-03-23T22:59:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=10956"},"modified":"2012-03-23T21:06:19","modified_gmt":"2012-03-24T00:06:19","slug":"knapp-daneben-ist-auch-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/03\/23\/knapp-daneben-ist-auch-vorbei\/","title":{"rendered":"Knapp daneben ist auch vorbei"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;El hombre rebobinado&#8221; von Margarita Bali<\/p>\n<p><em>Von Karlotta Bahnsen<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hombrerebobinado11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hombrerebobinado11.jpg\" alt=\"\" title=\"hombrerebobinado11\" width=\"500\" height=\"358\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10957\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hombrerebobinado11.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hombrerebobinado11-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nVon au\u00dfen sieht man der Sala Loft seine Theateraktivit\u00e4t nicht unbedingt an. Bin ich hier richtig? Ich klingle. 1\u00b07 und mir wird ge\u00f6ffnet. Fahrstuhl in den ersten Stock. Alles ist sehr intim, es gibt Wein in Plastikbechern und Knabberzeug, von dem mir nichts angeboten wird. Das \u00f6ffentliche Ereignis Theater in einen privaten Wohnraum zu verlegen, l\u00e4sst pl\u00f6tzlich alle mit dem Ereignis verbundenen Codes obsolet werden. Eine Grenze verschiebt sich mit leisem Knirschen. Es entsteht Spannung. Was geh\u00f6rt zum St\u00fcck, was nicht? Und irgendwie hat es seinen Reiz, dass Teile des Wohnraums erkennbar bleiben und der Raum an sich nicht &#8220;n\u00fcchtern&#8221; ist. Man weist uns Pl\u00e4tze in der ersten der zwei Stuhlreihen zu. Alles passt so gerade eben in die Wohnk\u00fcche von etwa 30 Quadratmetern. Auf den wei\u00dfen Teppich vor unseren F\u00fc\u00dfen werden gerade wabernde blaue Quallen projiziert. Als einzige B\u00fchnenelemente gibt es ein wei\u00dfes Sofa und eine Art schr\u00e4gen Tisch.<\/p>\n<p>Margarita Bali konzipierte ihr Tanz-Theaterst\u00fcck mit Videoprojektionen, die mit Hilfe von nicht weniger als acht Projektoren die W\u00e4nde, Boden und B\u00fchnen-Elemente zum Leben erwecken sollen. Mit den Projektionen entsteht die M\u00f6glichkeit, nicht-linear die Geschichte eines Mannes (Sandro Nunziata) zu erz\u00e4hlen, der eine spezielle Vorliebe f\u00fcr Bilderrahmen besitzt und anscheinend einen f\u00fcr sein Alter recht unkonventionellen Lebensstil pflegt, nicht so richtig wei\u00df, was er eigentlich will und sich deshalb mit seinen Frauen in die Haare kriegt. Sandro Nunziata ist dabei als einziger Darsteller auch real auf der B\u00fchne pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Die Idee, mit heterogenem Videomaterial nicht-chronologisch eine Geschichte zu erz\u00e4hlen und Erinnerungsr\u00e4ume sowie Gef\u00fchlszust\u00e4nde oder potenzielle Wirklichkeiten des Protagonisten in Form von Video Teil des unmittelbaren B\u00fchnengeschehens zu machen, ist zwar nicht mehr neu, aber trotzdem toll. Den Tanz als Ausdrucksform f\u00fcr die Gef\u00fchlswelt der Darsteller zu w\u00e4hlen, macht auch Sinn. Was will man aber genau erz\u00e4hlen? Warum braucht man ein wei\u00dfes Sofa auf der B\u00fchne. um darauf dasselbe Sofa zu projizieren? Das Sofa ist das Zentrum der B\u00fchne und zieht besondere Aufmerksamkeit auf sich. Hier sitzen, rein virtuell, der Mann und seine Frau und streiten sich darum, wo man die Bilderrahmen aufh\u00e4ngen k\u00f6nnte. Der Mann soll seine F\u00fc\u00dfe gef\u00e4lligst von der Couch nehmen und endlich mal einen Job suchen, der Geld ins Haus bringt, meint die Frau zwischen Geschichten \u00fcber die Kinder und ihren eigenen stressigen Alltag. Thematisch sowie sprachlich ist das so banal und klischeehaft, dass man nach dem dritten Dialog eigentlich nicht mehr zuh\u00f6ren will, das Sofa-Zentrum daf\u00fcr aber zu pr\u00e4sent ist.<!--more--><\/p>\n<p>Die Schwierigkeit, die sich in &#8220;Hombre rebobinado&#8221; stellt, ist die Verbindung von Bild mit Text und Bild ohne Text. Die sprechenden Personen haben, zumal im Zentrum der stillen Bildervielfalt platziert, eindeutig den Fokus. Die Allt\u00e4glichkeit der Unterhaltung wird so zum hell erleuchteten Mittelpunkt, w\u00e4hrend der real pr\u00e4sente Darsteller seiner Projektion hinterherhastet. Zweifellos gibt es auch poetische Momente in der Interaktion zwischen realem und virtuellem K\u00f6rper, die B\u00fchnenaktionen von Sandro Nunziata fallen allerdings durch fehlendes Licht im B\u00fchnenraum kaum auf und wirken oft unkoordiniert. Hier w\u00e4re vielleicht doch ein professioneller Theaterraum dienlich gewesen, die Wohnung ist eigentlich zu eng f\u00fcr eine Installation dieses Ausma\u00dfes.<\/p>\n<p>Musikalisch wird das St\u00fcck mit einer Mischung aus r\u00fcckw\u00e4rtsgespielten Kl\u00e4ngen, elektronischer- und Klaviermusik von Gabriel Gandin begleitet, dies aber leider erst nach der ersten H\u00e4lfte, wodurch sie nicht integrer Bestandteil des Geschehens wird und der Eindruck eines musikalischen Gesamtkonzepts fehlt. Der Klang bleibt so sp\u00e4rlich ausgesch\u00f6pftes Potenzial und l\u00e4sst die Sprache meist ohne Musik, daf\u00fcr aber teils mit schlechter Aufnahmequalit\u00e4t in der Luft h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Insgesamt bleibt das Potenzial der formalen Ideen Margarita Balis sowie das k\u00fcnstlerische Potenzial ihres anscheinend hochkar\u00e4tigen Teams hinter den Ungenauigkeiten der szenischen Umsetzung zur\u00fcck.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;El Hombre rebobinado&#8221;<\/li>\n<li>Sala Loft, Jorge Newbery 3571, 1\u00b07<\/li>\n<li>Freitags 20.30 Uhr<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nGro\u00dfe Installation in zu engem Rahmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;El hombre rebobinado&#8221; von Margarita Bali Von Karlotta Bahnsen Von au\u00dfen sieht man der Sala Loft seine Theateraktivit\u00e4t nicht unbedingt an. Bin ich hier richtig? Ich klingle. 1\u00b07 und mir wird ge\u00f6ffnet. Fahrstuhl in den ersten Stock. 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