{"id":11066,"date":"2012-04-06T13:50:06","date_gmt":"2012-04-06T16:50:06","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=11066"},"modified":"2012-04-06T13:50:06","modified_gmt":"2012-04-06T16:50:06","slug":"von-jujuy-bis-ushuaia-die-avenidas-9-de-julio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/04\/06\/von-jujuy-bis-ushuaia-die-avenidas-9-de-julio\/","title":{"rendered":"Von Jujuy bis Ushuaia &#8211; die Avenidas &#8220;9 de Julio&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die deutschen Fotografinnen Lucia Tollens und Nina Gschl\u00f6\u00dfl stellen im Teatro de la Ribera aus<\/p>\n<p><em>Von Mirka Borchardt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/9-de-Julio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/9-de-Julio.jpg\" alt=\"\" title=\"9 de Julio\" width=\"250\" height=\"375\" class=\"alignleft size-full wp-image-11068\" \/><\/a>Die Avenida 9 de Julio in Buenos Aires ist, so behaupten zumindest die Argentinier, die gr\u00f6\u00dfte Stra\u00dfe der Welt. Ob das stimmt oder blo\u00dfes Produkt der argentinischen Tendenz zur Megalomanie ist &#8211; die Stra\u00dfe fasziniert. Sie f\u00fchrt mitten durch das Zentrum der Hauptstadt, man braucht mindestens zwei Ampelphasen, um sie zu Fu\u00df zu \u00fcberqueren, und sie verbindet solche unterschiedlichen Welten wie das Teatro Col\u00f3n und das Viertel Constituci\u00f3n. Ganz Buenos Aires in einem Stra\u00dfenzug.<\/p>\n<p>Lucia Tollens und Nina Gschl\u00f6\u00dfl inspirierte die Stra\u00dfe zu einem Projekt, f\u00fcr das sie am Ende tausende von Kilometern zur\u00fccklegten, mehr als ein Dutzend St\u00e4dte besuchten und mehrere tausend Fotos aufnahmen. Die beiden sind Fotografiestudentinnen von der Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste Essen, im letzten Jahr studierten sie an der Escuela Argentina de Fotograf\u00eda in Buenos Aires. &#8220;Die 9 de Julio in Buenos Aires hat uns von Anfang an angezogen&#8221;, sagt Nina. &#8220;Deswegen haben wir angefangen, zu recherchieren und uns fiel auf, dass es fast in jeder Stadt, in jedem Dorf in Argentinien eine Stra\u00dfe oder Avenida 9 de Julio gibt.&#8221; So entstand die Idee f\u00fcr ein gemeinsames Fotoprojekt \u00fcber die Stra\u00dfen Argentiniens, die nach dem nationalen Unabh\u00e4ngigkeitstag benannt sind.<\/p>\n<p>Die beiden machten sich auf die Reise, zuerst in den S\u00fcden, von El Calafate bis nach Ushuaia, dann in den Norden: La Rioja, Salta, Jujuy. In C\u00f3rdoba fotografierten sie zwei volle Tage lang, ohne das Ende der kilometerlangen Stra\u00dfe zu erreichen. In Tucum\u00e1n fanden sie sich auf der Suche nach der &#8220;9 de Julio&#8221; pl\u00f6tzlich in einer Villa Miseria, in einem der Armenviertel wieder. In La Rioja wurde Lucia gleich von f\u00fcnf Stra\u00dfenpolizisten zu ihrer Arbeit befragt. Von ihren Erlebnissen auf der Reise k\u00f6nnten sie ein Buch schreiben.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Am spannendsten war es, die Unterschiede zu sehen, vor allem zwischen dem S\u00fcden und dem Norden&#8221;, sagt Lucia. &#8220;Speziell, was die Architektur und die Farben betrifft.&#8221; Doch geht es bei der Arbeit ganz und gar nicht darum, eine Aussage \u00fcber die Wirklichkeit zu treffen. &#8220;Es ist ein Vergleich&#8221;, sagt Nina, &#8220;aber ohne dass wir behaupten, dass die Stadt so ist, wie sie auf dem Foto erscheint. Das, was man sieht, entspricht unserem ganz subjektiven Blick.&#8221; Sie habe versucht, vor dem Fotografieren auf Null zu schalten, um nicht mit Erwartungen und Stereotypen an die Arbeit zu gehen, erg\u00e4nzt Lucia. &#8220;Was nach 15 St\u00e4dten dann irgendwann schwierig wird&#8221;, gibt sie zu.<\/p>\n<p>Der Balanceakt, einerseits nicht zu sehr auf Klischees hereinzufallen und andererseits Stereotypen nicht zu gewollt zu vermeiden, ist ihnen gelungen. Das Buch, das sie schlie\u00dflich pr\u00e4sentierten &#8211; ein erstes Ergebnis ihrer Arbeit &#8211; l\u00e4sst keine verallgemeinernden Aussagen zu. Es ist eine Zusammenstellung von Eindr\u00fccken, kein fotografischer Reisef\u00fchrer. Ohne Bildunterschriften verf\u00fchrt es nicht dazu, die St\u00e4dte erraten zu wollen, es ist kein &#8220;Abhaken&#8221;, wie Nina es treffend beschreibt.<\/p>\n<p>In ihrer Ausstellung, die momentan im EspacioFotogr\u00e1fico im Teatro de la Ribera im Stadtviertel La Boca in Buenos Aires zu sehen ist, ist das zwar anders &#8211; hier steht unter jedem Foto die Ortsangabe -, doch tut das dem Ganzen keinen Abbruch. Denn man merkt sofort: Hier geht es nicht darum, festzustellen, dass die H\u00e4user von El Calafate reicher ausschauen als die in Cafayate (Salta). Hier geht es um einen kleinen lila Fleck aus Bl\u00fctenbl\u00e4ttern vor einer gro\u00dfen Wand aus gr\u00fcner Hecke, hier geht es um Kabel, die die Bilder in geometrische Formen teilen, hier geht es um einen kleinen schwarzen Punkt (Hund) auf grauer Fl\u00e4che (Stra\u00dfe).<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Herangehensweise, die komparatistische Methode &#8211; man nehme sich ein Kriterium, das vielen verschiedenen Entit\u00e4ten gemeinsam ist und untersuche es auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede &#8211; ist hier blo\u00df ein Ger\u00fcst, ist blo\u00df Mittel, nicht Zweck. Zweck ist die &#8211; per definitionem zwecklose &#8211; Kunst. Den haben Nina und Lucia erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist noch voraussichtlich bis Ende November zu sehen im EspacioFotogr\u00e1fico des Teatro de la Ribera (Av. Pedro de Mendoza 1821, La Boca, Buenos Aires), dienstags bis sonntags 10-20 Uhr, montags 10-17 Uhr.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nJujuy oder Salta? Um diese Frage geht es nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Fotografinnen Lucia Tollens und Nina Gschl\u00f6\u00dfl stellen im Teatro de la Ribera aus Von Mirka Borchardt Die Avenida 9 de Julio in Buenos Aires ist, so behaupten zumindest die Argentinier, die gr\u00f6\u00dfte Stra\u00dfe der Welt. Ob das stimmt oder blo\u00dfes Produkt der argentinischen Tendenz zur Megalomanie ist &#8211; die Stra\u00dfe fasziniert. 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