{"id":11162,"date":"2012-04-18T21:20:12","date_gmt":"2012-04-19T00:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=11162"},"modified":"2012-04-28T23:24:58","modified_gmt":"2012-04-29T02:24:58","slug":"die-korner-auf-engem-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/04\/18\/die-korner-auf-engem-raum\/","title":{"rendered":"Bafici: K\u00f6rner auf engem Raum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Filmfestival wartet mit einer gro\u00dfen Auswahl an unabh\u00e4ngigen Filmen auf<\/p>\n<p><em>Von Mirka Borchardt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/laparteautomatica.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/laparteautomatica.jpg\" alt=\"\" title=\"laparteautomatica\" width=\"500\" height=\"280\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11167\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/laparteautomatica.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/laparteautomatica-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDer Katalog ist eine Herausforderung. Fast 500 Seiten dick, mit knapp 350 Spielfilmen plus Kurzfilmwettbewerb plus Fokusreihen plus Open-Air-Vorstellungen und 360 Grad-Filmprojektionen. Eine Auswahl zu treffen scheint schier unm\u00f6glich. Auch die Namen der Regisseure sind keine Anhaltspunkte; nicht umsonst ist das <a href=\"http:\/\/www.bafici.gob.ar\/home12\/web\/es\/index.html\">Bafici<\/a> international bekannt f\u00fcr seine besonders experimentellen und unabh\u00e4ngigen Filme und die vielen auch unbekannten Filmemacher, denen hier ein Forum geboten wird. In diesen elf Tagen des Filmfiebers bleibt dem Zuschauer also nichts anderes \u00fcbrig, als sich mit dem Gef\u00fchl abzufinden, st\u00e4ndig etwas zu verpassen. Das geh\u00f6rt dazu. Doch auch blinde H\u00fchner \u2013 in diesem Fall die Zuschauer \u2013 finden K\u00f6rner, und zwar desto h\u00e4ufiger, je mehr K\u00f6rner es auf engem Raum gibt.<\/p>\n<p>Da ist zum Beispiel, stellvertretend f\u00fcr das internationale Angebot, &#8220;The Day He Arrives&#8221; von Hong Sang-Soo. Der Regisseur aus S\u00fcdkorea l\u00e4sst sein Alter Ego nach mehreren Jahren der filmischen Unt\u00e4tigkeit nach Seoul zur\u00fcckkehren. Er trifft Menschen, darunter eine alte Liebe und einen alten Freund und ein paar junge Filmstudenten. Sie reden, rauchen und trinken, ansonsten passiert eigentlich nicht viel. Und dennoch \u2013 mag es an der Siebziger-Jahre-\u00c4sthetik der Schwarz-Wei\u00df-Bilder liegen oder an den flie\u00dfenden Dialogen, die Kluges vom Leben erz\u00e4hlen \u2013, dennoch h\u00e4lt der Film einen permanenten Spannungsbogen, der den Zuschauer hineinsaugt in eine Welt, die der Wirklichkeit ein paar Zentimeter entr\u00fcckt zu sein scheint.<\/p>\n<p>Da ist das Erstlingswerk des jungen Argentiniers Ivo Aichenbaum, &#8220;La parte autom\u00e1tica&#8221;, ein sehr pers\u00f6nliches Reisetagebuch von einem Besuch in Israel, bei seinem Vater. Die Auseinandersetzung mit der j\u00fcdischen Diaspora, dem Holocaust, der Militarisierung Israels und der Religion sind genauso Teil der Reise wie der Vaterkonflikt des Ich-Erz\u00e4hlers und eine Beinahe-Liebesgeschichte in Gie\u00dfen. Doch so willk\u00fcrlich zusammengew\u00fcrfelt das scheint, so konsistent ist es in Wahrheit: Es gibt einen Zusammenhang, der immer klarer wird, je n\u00e4her Ivo seinem Ziel der &#8220;Auss\u00f6hnung, Akzeptanz und Emanzipation&#8221; kommt: Alles das ist seine eigene Geschichte, alles das trifft zusammen in seiner eigenen Person. Der Film wurde in die Wettbewerbssektion &#8220;Zukunft&#8221; aufgenommen: F\u00fcr die Auswahlkommission ist er wegweisend f\u00fcr das k\u00fcnftige Kino, das die M\u00f6glichkeiten des Digitalfilms nutzen wird, um mit der klassischen Filmsprache zu brechen.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich sind da noch die deutschen Filme. Christian Petzolds &#8220;Barbara&#8221;, der den Silbernen B\u00e4ren f\u00fcr die beste Regie gewann, und Werner Herzog ausladendes Werk \u00fcber H\u00e4ftlinge in den Todestrakten US-amerikanischer Gef\u00e4ngnisse (&#8220;Death Row&#8221;) waren fast komplett ausverkauft. &#8220;Barbara&#8221; erz\u00e4hlt die Geschichte einer jungen \u00c4rztin aus der DDR, die wegen eines Ausreiseantrags von der Berliner Charit\u00e9  strafversetzt wird in die tiefste Provinz. Obwohl die Konstellation der Charaktere \u2013 ihr Kollege ist jung, b\u00e4rtig und gutaussehend \u2013 den Fortgang der Geschichte schon fr\u00fch erahnen l\u00e4sst, rutscht Petzold zu keiner Zeit in den naheliegenden Kitsch ab. Einzig zu bedauern ist, dass die spanische Untertitelung die b\u00fcrokratisch-entmenschlichte DDR-Sprache nicht wiedergibt, genauso wenig wie das distanzierte &#8220;Sie&#8221; zwischen den beiden Protagonisten.<\/p>\n<p>Werner Herzogs &#8220;Death Row&#8221;, basierend auf Interviews mit den zum Tode Verurteilten, schafft es wundersamerweise, den Zuschauer nicht zu erschlagen. Obwohl Herzog genau die Fragen stellt, die ans Mark gehen: Wie f\u00fchlt sich ein Mensch im Angesicht des sicheren Todes? Wie f\u00fchlt sich ein M\u00f6rder im Angesicht seiner Taten? Wie f\u00fchlt sich ein Zuschauer im Angesicht eines M\u00f6rders? Das liegt vor allem am Herzog&#8217;schen Dokumentarstil, und an seinen punktgenauen Fragen, die die Inhaftierten zum Reden bringen.<\/p>\n<p>Noch bis Sonntag kann man sich ins Festivalgeschehen st\u00fcrzen, Informationen gibt es auf der <a href=\"http:\/\/www.bafici.gob.ar\/home12\/web\/es\/index.html\">Webseite des Festivals<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nIvo Aichenbaums &#8220;La parte autom\u00e1tica&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Filmfestival wartet mit einer gro\u00dfen Auswahl an unabh\u00e4ngigen Filmen auf Von Mirka Borchardt Der Katalog ist eine Herausforderung. Fast 500 Seiten dick, mit knapp 350 Spielfilmen plus Kurzfilmwettbewerb plus Fokusreihen plus Open-Air-Vorstellungen und 360 Grad-Filmprojektionen. Eine Auswahl zu treffen scheint schier unm\u00f6glich. 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