{"id":11180,"date":"2012-04-19T15:17:31","date_gmt":"2012-04-19T18:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=11180"},"modified":"2012-04-21T15:47:48","modified_gmt":"2012-04-21T18:47:48","slug":"florian-cossen-in-buenos-aires","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/04\/19\/florian-cossen-in-buenos-aires\/","title":{"rendered":"Florian Cossen in Buenos Aires"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der deutsche Jungregisseur und einige seiner argentinischen Schauspieler waren bei einer Vorf\u00fchrung von &#8220;Das Lied in mir&#8221; in der Deutschen Botschaft pers\u00f6nlich anwesend<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/das_lied_in_mir.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/das_lied_in_mir.jpg\" alt=\"\" title=\"das_lied_in_mir\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11182\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/das_lied_in_mir.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/das_lied_in_mir-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nFlorian Cossen in town! Das <a href=\"http:\/\/www.buenos-aires.diplo.de\/Vertretung\/buenosaires\/de\/Das__Lied__in__mir__Seite.html\">Kulturreferat der Deutschen Botschaft von Buenos Aires nutzte die Anwesenheit des deutschen Jungregisseurs in der argentinischen Hauptstadt, um am Dienstagabend dessen Erfolgsfilm &#8220;Das Lied in mir&#8221; (2010) vorzuf\u00fchren.<\/a> Nicht nur Cossen selbst beantwortete am Ende Fragen, sondern auch einige der argentinischen Stars seines Films. Im Publikum sa\u00dfen vor allem viele junge Lehrer der deutschen Schulen der Hauptstadt und aus dem Gro\u00dfraum Buenos Aires, einige Schulleiter und andere kulturell interessierte Angeh\u00f6rige der deutschen Gemeinschaft in Argentinien. &#8220;Das Lied in mir&#8221; hatte auch beim letzten Deutschen Kinofestival von Buenos Aires 2011 gro\u00dfen Anklang gefunden. Damals konnte Florian Cossen nicht pers\u00f6nlich anreisen, da er gerade Vater geworden war.<\/p>\n<p>&#8220;Das Lied in mir&#8221; hat in Argentinien bisher keinen kommerziellen Verleiher gefunden &#8211; darum drehte sich auch die erste der vielen interessierten Publikumsfragen am Ende der Vostellung -, was angesichts seiner Thematik eigentlich kaum nachvollziehbar ist. Geht es doch bei dem auf wahren Begebenheiten beruhenden Streifen um das sensible Portr\u00e4t eines Kindes von w\u00e4hrend der letzten argentinischen Milit\u00e4rdiktatur &#8220;verschwundenen&#8221;, d.h. ermordeten Eltern, das erst knapp 30 Jahre sp\u00e4ter mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sein ganzes bisheriges Leben auf einer L\u00fcge beruhte. Also um ein Kapitel j\u00fcngster argentinischer Geschichte, das sich gerade im Prozess der Aufarbeitung befindet.<\/p>\n<p>Maria, dargestellt von der bekannten deutschen Schauspielerin Jessica Schwarz, ist Ende 20 und auf der Durchreise durch Buenos Aires mit dem Ziel Santiago de Chile. Als sie im Transitbereich des Flughafens Ezeiza auf den Anschlussflug wartet, h\u00f6rt sie, wie eine Mutter ihrem Baby ein Schlaflied vorsingt &#8211; wohlgemerkt auf Spanisch, einer Sprache, die Maria nicht beherrscht. Dieses Lied ruft eine derart emotionale Reaktion in ihr hervor, dass sie &#8211; v\u00f6llig verwirrt und \u00fcberw\u00e4ltigt &#8211; kurzerhand ihren Flug unterbricht und in Buenos Aires bleibt.<\/p>\n<p>Auch der Zuschauer ist verwirrt und wundert sich um so mehr, als Jessicas Vater Anton (Michael Gwisdek) der ja nun nicht mehr gar so jungen Frau sofort hinterherfliegt und vor Ort versucht, sie zur m\u00f6glichst schnellen Umkehr bzw. Weiterreise zu bewegen. Aber Maria will nicht, sie will wissen, was sie so bewegt hat, koste es, was es wolle. Und sie wird einen hohen Preis zahlen, denn nach und nach kommt ans Licht, wer sie wirklich ist: Sie wurde in Buenos AIres geboren, und ihre Eltern &#8220;verschwanden&#8221;, als sie drei Jahre alt war. Wie aber kam sie nach Deutschland, wo sie bei Anton und seiner mittlerweile verstorbenen Frau aufwuchs? Maria scheut sich nicht, auch dieser Frage bis zur letzten Konsequenz nachzugehen.<!--more--><\/p>\n<p>Abgesehen vom schwierigen &#8220;Vater&#8221;-Tochter-Konflikt geht es auch um die Reaktion der argentinischen Familie Marias, die nach \u00fcber 25 Jahren unverhofft einen Anruf dieser jungen Frau erh\u00e4lt, die noch nicht mal Spanisch spricht. Der Nachname ihrer richtigen Mutter ist selten, so st\u00f6\u00dft sie auf deren Bruder Jorge (Carlos Portaluppi), ein dicklicher Mann Mitte 40, der bereit ist, sich mit ihr zu treffen. Im Auto sitzen sie schweigend nebeneinander, Jorge spricht kaum Englisch. Neugierig schaut er sie von der Seite an. Zu Hause angekommen, treffen sie Estela (Beatriz Spelzini), die Schwester von Jorge und Marias ermordeter Mutter Marcela, und die Oma, die schon etwas verwirrt ist und glaubt, Marcela sei nach Hause gekommen. Unglaublich, mit welcher Sensibilit\u00e4t Cossen, immerhin ein Au\u00dfenstehender, diese und die weiteren Begegnungen inszeniert hat. Und nicht zuletzt tragen auch die grandiosen Schauspielleistungen seines argentinischen Darstellerteams zur Authentizit\u00e4t und Dichte dieser Szenen bei.<\/p>\n<p>Carlos Portaluppi bedankt sich seinerseits bei Florian Cossen: &#8220;Er hat ein ganz besonderes Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und eine spezielle F\u00e4higkeit, Schauspieler zu lenken. Wir konnten uns ihm blind \u00fcberlassen. Ich selbst habe bei dem Casting mitgemacht, weil mich die Tatsache gereizt hat, dass ein junger deutscher Regisseur einen Film \u00fcber unsere Identit\u00e4t machen will &#8211; eine Identit\u00e4t, nach der wir selbst suchen.&#8221;<\/p>\n<p>Der sympathische Schauspieler ist begeistert vom Resultat: &#8220;&#8216;Das Lied in mir&#8217; basiert auf einem hervorragenden Skript, es ist ein wertvoller Film, der hier ganz sicher gut laufen w\u00fcrde. Er sollte wirklich in Argentinien gezeigt werden, denn er k\u00f6nnte hier viele K\u00f6pfe \u00f6ffnen (d.h. in etwa: viele Menschen erleuchten).&#8221;<\/p>\n<p>Auch die Schauspielerin der Schl\u00fcsselszene am Flughafen, die singende Mutter, findet, dass &#8220;Das Lied in mir&#8221; die Problematik der Kinder Verschwundener viel besser einf\u00e4ngt als viele argentinische Filme zu dem Thema.<\/p>\n<p>Die Oma, schon im Film eine der Sympathietr\u00e4gerinnen Nummer eins, hat mit wenigen Bemerkungen auch das Publikum am Dienstagabend in der Tasche. Was sie dazu meine, dass ein Deutscher einen Film \u00fcber die argentinische Identit\u00e4t gedreht habe? &#8220;Der Junge ist doch kein Deutscher, der ist ein Porte\u00f1o!&#8221;, ruft sie aus und stupst Florian an. &#8220;H\u00f6rt doch mal, wie perfekt der (R\u00edo de la Plata)-Spanisch spricht!&#8221; Das einzige, was sie bedauert: &#8220;Dass sie so viele Szenen, in denen ich drin war, herausgeschnitten haben!&#8221; Die (zum Verzeihen neigende) Reaktion der Protagonistin am Ende  des Films versteht die Argentinierin. Immerhin habe diese jahrelang die liebevolle Zuwendung dieses &#8220;Vaters&#8221; erhalten.<\/p>\n<p>Florian Cossen sagt, dass das offene Ende des Films auch darauf hindeutet, dass die wahre Arbeit Marias &#8211; stellvertretend f\u00fcr viele der wiedergefundenen Kinder &#8211; mit dem Schluss des Films erst wirklich losgehen wird. Dass einige der Mitglieder seines argentinischen Schauspielteams selbst Menschen kannten, die w\u00e4hrend der Milit\u00e4rdiktatur verschwanden, gab Cossen die M\u00f6glichkeit, auf Flashbacks oder andere Informationen \u00fcber die Milit\u00e4rdiktatur zu verzichten. &#8220;Denn das sp\u00fcrt man.&#8221; Und er res\u00fcmiert: &#8220;Ich wollte nie als Deutscher den Argentiniern ihre Geschichte erkl\u00e4ren.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nSuche nach der Identit\u00e4t: Jessica Schwarz als Maria in &#8220;Das Lied in mir&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Jungregisseur und einige seiner argentinischen Schauspieler waren bei einer Vorf\u00fchrung von &#8220;Das Lied in mir&#8221; in der Deutschen Botschaft pers\u00f6nlich anwesend Von Susanne Franz Florian Cossen in town! 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