{"id":11220,"date":"2012-04-24T22:31:30","date_gmt":"2012-04-25T01:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=11220"},"modified":"2012-04-28T22:33:47","modified_gmt":"2012-04-29T01:33:47","slug":"zwolf-tage-filmfieber-eine-bafici-bilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/04\/24\/zwolf-tage-filmfieber-eine-bafici-bilanz\/","title":{"rendered":"Zw\u00f6lf Tage Filmfieber &#8211; eine Bafici-Bilanz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Besonderheiten, Kuriosit\u00e4ten und Gewinner der 14. Ausgabe des Festivals des Unabh\u00e4ngigen Films<\/p>\n<p><em>Von Mirka Borchardt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bafici22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bafici22.jpg\" alt=\"\" title=\"bafici22\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-11222\" \/><\/a>Die Kinosessel sind leer, langsam verschwindet der Geruch von Popcorn aus der Nase. Die vierzehnte Ausgabe des Unabh\u00e4ngigen Filmfestivals von Buenos Aires ist vorbei. W\u00e4hrend die Cinephilen mit nostalgischen Gef\u00fchlen wieder an ihre tagt\u00e4gliche Arbeit zur\u00fcckkehren, h\u00e4lt die Euphorie der Organisatoren noch an: Wieder haben sie sich selbst \u00fcbertroffen. Mit 230.000 verkauften Eintrittskarten, zuz\u00fcglich zu den Akkreditierungen und den kostenlosen Veranstaltungen nahmen insgesamt ungef\u00e4hr 350.000 Menschen am Bafici teil, 15 Prozent mehr als im letzten Jahr. 1012 Filmvorf\u00fchrungen gab es, 449 Filme, 2000 nationale und internationale geladene G\u00e4ste, 18 Preise und sieben besondere Erw\u00e4hnungen.<\/p>\n<p>Abseits der Zahlen fand das Baficito, die Sondervorf\u00fchrungen f\u00fcr Kinder, die zum vierten Mal Teil des Festivals waren, einmal wieder gro\u00dfen Anklang &#8211; nicht nur unter Kindern. Riesigen Zuspruch besonders von jungen Filmfans fanden die erstmaligen Vorf\u00fchrungen im Fulldome-Format in der futuristischen Kuppel des Planetariums. Die Fokusreihen r\u00fcckten f\u00fcnfzehn Cineasten internationalen Formats in den Mittelpunkt, darunter den Engl\u00e4nder Grant Gee, der durch seine Arbeiten mit Radiohead weltweit bekannt wurde: den Schweden Thomas Alfredson, bekannt f\u00fcr &#8220;Let the Right One In&#8221; (2010), den finnischen Kritiker und Regisseur Peter von Bagh und die Br\u00fcder David und Nathan Zellner.<\/p>\n<p>Interessant waren auch die internationalen Kooperationen, zum Beispiel mit der Viennale, die anl\u00e4sslich ihres 50. Geburtstags f\u00fcnf internationale Filmfestivals weltweit ausw\u00e4hlte, um mit f\u00fcnf signifikanten Filmen aus den f\u00fcnf Jahrzehnten des Wiener Filmfestivals zu feiern; die neunte Ausgabe des &#8220;Buenos Aires Lab&#8221; (BAL), das Forum f\u00fcr junge Filmschaffende, die ihre ersten Schritte auf kinematographischem Terrain tun und noch keine Produktionsm\u00f6glichkeiten haben; oder die Sektion &#8220;Work in progress&#8221; (WIP) f\u00fcr Filme, die noch in Entwicklung sind, bei der dieses Jahr zum ersten Mal Filmemacher aus ganz Lateinamerika eingeladen waren.<!--more--><\/p>\n<p>Im Rahmen der Sektion &#8220;Trayectoria&#8221;, die wie jedes Jahr die neuesten Werke junger, international renommierter Regisseure zeigt, wurde unter anderem &#8220;Barbara&#8221; von Christian Petzold gezeigt. Dann gab es noch Vorf\u00fchrungen verschollen geglaubter restaurierter Filme, wie &#8220;India&#8221; (Argentinien 1960) des Altmeisters Armando Bo oder &#8220;Reise zum Mond&#8221; von George M\u00e9li\u00e8s (Frankreich 1902), unterlegt mit Musik des franz\u00f6sischen Elektro-Duos Air. Kostenlose Veranstaltungen unter freiem Himmel lockten ins Amphitheater des Parque Centenario, gezeigt wurde u.a. Roger Sargents Film \u00fcber die britische Band &#8220;The Libertines&#8221; (2011), mit dem Live-Auftritt des begeistert bejubelten Carl Barat, dem ehemaligen Co-Kopf der Band.<\/p>\n<p>Im internationalen Wettbewerb siegte der Film &#8220;Policeman&#8221; vom israelischen Filmemacher Nadav Lapid. Er zeigt zwei Seiten derselben Medaille eines Landes, in dem staatliche Gewalt eine historische Gr\u00f6\u00dfe darstellt: Den m\u00e4nnlichen Chauvinismus der staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte genauso wie die Unreife und Arroganz sogenannter Revolution\u00e4re, die die Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern wollen, ohne genau zu wissen, wie das Endprodukt aussehen soll. Nadav Lapid, ein bisher eher wenig bekanntes Gesicht, wurde au\u00dferdem als bester Regisseur ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Im argentinischen Wettbewerb gewann &#8220;Papirosen&#8221; (2011), der zweite Langfilm von Gast\u00f3n Solnicki. Mit alten Videoaufnahmen von Familienfeiern erz\u00e4hlt er die Geschichte seiner Familie, ohne dabei blo\u00df famili\u00e4re Anekdoten zu reproduzieren &#8211; stattdessen erz\u00e4hlt der Film etwas Abstrakteres \u00fcber den Kosmos Familie: die unsichtbaren F\u00e4den, die Familienmitglieder miteinander verstricken, die Machtspiele, Gef\u00fchle, Widerspr\u00fcche; der Bedeutungswandel der Vaterschaft \u00fcber die Generationen hinweg. Er zeigt, wie Gewohnheiten, Rituale und Familiengeschichten die Einheit &#8216;Familie&#8217; in eine eigene Welt verwandeln.<\/p>\n<p>In der Sektion &#8220;Kino der Zukunft&#8221; (Cine del Futuro) gewann schlie\u00dflich der portugiesische Film &#8220;\u00c9 na Terra n\u00e3o \u00e9 na Lua&#8221; (\u00fcbersetzt etwa: &#8220;Es ist die Erde, nicht der Mond&#8221;) von Gon\u00e7alo Tocha, eine Art Reise-Tagebuch \u00fcber die portugiesische Insel Corvo, die kleinste Insel der Azoren. Mitten im Atlantischen Ozean gelegen, ist sie weit genug vom Festland entfernt, um den Kontakt zur modernen Welt zu verlieren. Tocha erz\u00e4hlt in 15 Kapiteln Geschichten und Anekdoten aus 500 Jahren Zivilisation, zeigt die engen Verbindungen, die sich zwischen den Einwohnern und den Besuchern ergeben, mit einer filmischen Unkonventionalit\u00e4t und Freiheit, die die Jury als zukunftsweisend f\u00fcr das Kino von Morgen sieht.<\/p>\n<p>In seinem Gru\u00dfwort im offiziellen Katalog der Bafici schreibt Sergio Wolf, langj\u00e4hriger k\u00fcnstlerischer Leiter des Festivals: &#8220;Anstatt \u00fcber die Qualit\u00e4t der Filme an sich zu sprechen, ist es entscheidender, dankbar f\u00fcr das Vertrauen so vieler Produzenten und Regisseure zu sein.&#8221; Das Bafici hat mehr Einsendungen als jemals zuvor bekommen, und es stimmt: Es etabliert sich immer mehr, auch auf internationalem Niveau, w\u00e4hrend es gleichzeitig eine Chance f\u00fcr unabh\u00e4ngige Filmemacher darstellt, die sie woanders nicht bekommen. Das ist eine gute Sache, die allerdings auch Schattenseiten hat: Mit dem Ziel des &#8220;immer mehr&#8221; &#8211; mehr Filme, mehr Vielfalt, mehr Nebenveranstaltungen &#8211; blockiert sich ein Festival, wird unsch\u00e4rfer, verliert an Konturen. Es sind schlichtweg zu viele Filme, und mit dem noblen Ansinnen, m\u00f6glichst vielen jungen Talenten eine Chance zu geben, scheint die Auswahl irgendwann wahllos.<\/p>\n<p>Die Selektion des diesj\u00e4hrigen Bafici glich einem italienischen Risotto, und der Zuschauer einem Esser mit verbundenen Augen: Wenn er Gl\u00fcck hatte, fischte er eine Meeresfrucht heraus, mit weniger Gl\u00fcck blo\u00df ein schn\u00f6des Reiskorn. Weniger ist manchmal mehr. Trotzdem: Als Forum f\u00fcr den Unabh\u00e4ngigen Film kann das Bafici nicht hoch genug gelobt werden. Schade nur, dass, wie die Veranstalter ganz richtig schreiben, der Unabh\u00e4ngige Film nun wieder ein Jahr warten muss, bis er erneut auf der Kulturagenda der Hauptstadt steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonderheiten, Kuriosit\u00e4ten und Gewinner der 14. Ausgabe des Festivals des Unabh\u00e4ngigen Films Von Mirka Borchardt Die Kinosessel sind leer, langsam verschwindet der Geruch von Popcorn aus der Nase. Die vierzehnte Ausgabe des Unabh\u00e4ngigen Filmfestivals von Buenos Aires ist vorbei. 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