{"id":1126,"date":"2007-07-21T10:55:27","date_gmt":"2007-07-21T13:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/07\/21\/pionierin-in-einem-technischen-und-spirituellen-neuland\/"},"modified":"2010-11-05T15:53:17","modified_gmt":"2010-11-05T18:53:17","slug":"pionierin-in-einem-technischen-und-spirituellen-neuland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/07\/21\/pionierin-in-einem-technischen-und-spirituellen-neuland\/","title":{"rendered":"Pionierin in einem technischen und spirituellen Neuland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/07\/21\/pionera-de-un-territorio-tecnico-y-espiritual\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Das Goethe-Institut Buenos Aires ehrte die Film- und Theaterk\u00fcnstlerin Marielouise Alemann<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1127\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/MAR1.JPG\" alt=\"MAR1.JPG\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Diese Filme haben 20 Jahre in einer Kiste in meinem Kleiderschrank gelegen &#8211; so wie das hier.&#8221; Marielouise Alemann zupft an ihrem beige-goldenen Gewand, das ihre schmale, hochgewachsene Gestalt elegant und doch unkonventionell erscheinen l\u00e4sst. So pflegt sie aufzutreten, immer in einem ganz eigenen Stil. Das Kinn nach vorne gereckt, blicken ihre blauen Augen ohne zu blinzeln geradewegs die Kritikerin an, die noch vor Ansicht der Super-8-Filme der K\u00fcnstlerin fordert, dass diese doch restauriert werden m\u00fcssten! &#8220;Sie werden sehen, die sind noch gut in Schuss!&#8221; So wie sie selbst mit ihren 80 Jahren, die sie vor einigen Tagen gefeiert hat.<\/p>\n<p>Einen Tag nach seinem eigenen 40. Geburtstag am 17. Juli beschenkte das Goethe-Institut Buenos Aires Marielouise Alemann &#8211; eine der Pionierinnen der ersten Stunde &#8211; mit einer besonderen Hommage. Ihre Kulturarbeit f\u00fcr das Institut, das insbesondere zu Zeiten der Diktatur couragiert f\u00fcr experimentelle, avantgardistische Kunstformen eintrat, ist dabei nur ein Aspekt der facettenreichen Pers\u00f6nlichkeit Marielouises. So konzentriert sich diese feierliche und doch intim-gel\u00f6ste Veranstaltung am Mittwochabend besonders auf ihr eigenes k\u00fcnstlerisches Schaffen. Zwar k\u00f6nnen ihre journalistische T\u00e4tigkeit oder ihre Arbeit als Fotografin nicht ber\u00fccksichtigt werden, aber ihr filmisches und ihr Theater-Schaffen werden auf sehr wirkungsvolle Weise einem begeisterten Publikum nahegebracht, das von der Aktualit\u00e4t, G\u00fcltigkeit und Transzendenz dieses atemberaubenden Oeuvres mehr als \u00fcberrascht und ber\u00fchrt ist.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Meinen ersten Film habe ich 1967 gedreht, den letzten 1984 &#8211; alle mit Super 8&#8221;, f\u00fchrt Marielouise in den ersten Programmpunkt des Abends ein. 13 von ihr ausgew\u00e4hlte und von Carlos Echeverr\u00eda gekonnt montierte Ausschnitte ihrer Filme werden dem Publikum in einer etwa 30 Minuten dauernden Vorf\u00fchrung gezeigt. &#8220;Leider konnten wir aus technischen Gr\u00fcnden nicht die Originalmusik der Filme hinterlegen&#8221;, erkl\u00e4rt die Cineastin. Die Musik von Pink Floyd, mit der dieser \u00dcberblick \u00fcber ihr filmisches Schaffen hier vertont ist, ist dennoch sehr wirkungsvoll.<\/p>\n<p>Eine blau gekleidete Frau steht in einem Wald, sie ist mit langen, wei\u00dfen Stricken gefesselt. Mit gezielten Bewegungen befreit sie sich. &#8220;Autobiogr\u00e1fico 2&#8221; von 1975 ist ein 6-min\u00fctiger Farb- und Stummfilm mit Marielouise in der Hauptrolle. Das Sich-Befreien oder der Versuch, hochzukommen und immer wieder abzurutschen, sind auch Themen anderer ihrer experimentellen Kurzfilme. Die technische Pr\u00e4zision ist f\u00fcr das Medium, in dem Marielouise gefilmt hat, erstaunlich. Ihre Werke sind Kunstfilme, die von dem lebendigen Kontrast zwischen einer ruhigen Kameraf\u00fchrung mit \u00fcberraschenden Einblendungen von Bildern, die ein Thema symbolisch unterstreichen sollen (wie etwa ein K\u00e4fig voller H\u00fchner) und dem st\u00e4ndigen Wechsel von narrativen mit surrealistischen Elementen gepr\u00e4gt sind. In Nahaufnahmen sind besonders H\u00e4nde (Gestik), F\u00fc\u00dfe (Stehen und Fortbewegung) und Augen (Blicke) bedeutungsvolle Elemente.<\/p>\n<p>Marielouises Filme haben nichts von ihrer Aktualit\u00e4t und Modernit\u00e4t verloren. Im Gegenteil, sie sind ihrer Zeit immer noch weit voraus. Man hat den Eindruck, dass &#8220;das hier echt ist&#8221;, wohingegen viele K\u00fcnstler, Filmemacher und andere Kreative, die in einer Zeit des kommerziellen M\u00fclls versuchen, wieder einen authentischen k\u00fcnstlerischen Ausdruck zu finden, nur nachzuahmen versuchen, was K\u00fcnstler wie Marielouise Alemann vor Jahren meisterhaft vorgelebt haben.<\/p>\n<p>Zu Beginn des zweiten Programmpunktes, ein ebenfalls ca. 30-min\u00fctiger Einblick in das Theaterschaffen Marielouises, hat sie eine \u00dcberraschung parat: Der Schauspieler Jos\u00e9 Glauco, der vor 20 Jahren Protagonist ihrer Butoh-Performances war, kommt nach vorne zu ihr. Fast mit Tr\u00e4nen in der Stimme bedankt er sich bei Marielouise. In den folgenden vier Ausschnitten aus Marielouises Theaterarbeit kann man seine hervorragende Tanzkunst und ph\u00e4nomenale Konzentrationsf\u00e4higkeit bewundern.<\/p>\n<p>Butoh, der japanische Tanz der Hoffnung, ist der ideale Ausdruck f\u00fcr Marielouises Ideenwelt. Der Kampf zwischen unsterblicher Seele und sterblichem K\u00f6rper wird in dem langsamen, meditativen Tanz ausgedr\u00fcckt, in dem sich der T\u00e4nzer ohne Unterbrechung fortbewegt, als Symbol f\u00fcr die (Lebens-)Reise, auf der der Mensch sich befindet, und die st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen, denen er unterworfen ist.<\/p>\n<p>Die mit Originalmusik unterlegte und von Carlos Echeverr\u00eda geschnittene Zusammenfassung der Theaterst\u00fccke &#8220;Unuk&#8221; (1988), &#8220;El retorno del \u00e1ngel&#8221; (1981), &#8220;Chakras&#8221; (1982) und &#8220;Esperanto&#8221; (1995) beeindruckte die Zuschauer fast noch st\u00e4rker als die Filme; sie spendeten lange anhaltenden Applaus.<\/p>\n<p>Der voll besetzte Saal leert sich in Richtung Foyer. Freunde und Familie wie die ber\u00fchmte Tochter Katja Alemann stehen bei einem Umtrunk zusammen. Illustre G\u00e4ste wie die K\u00fcnstler Marta Minuj\u00edn, Rosemarie Allers oder Carlos Trilnick, der zu Beginn des Abends Marielouise Alemann als Vorreiterin der Videokunst gew\u00fcrdigt hatte, ziehen Blitzlichter auf sich. Marielouise ist von Fans umringt, von denen einige gerade erst die Zwanzig \u00fcberschritten haben. Sie wirkt etwas m\u00fcde, aber gl\u00fccklich. Der Abend, die wohlverdiente Ehrung dieser herausragenden Pers\u00f6nlichkeit des argentinischen Kulturlebens, war ein voller Erfolg.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1128\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/MAR2.JPG\" alt=\"MAR2.JPG\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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