{"id":1196,"date":"2007-09-15T12:20:58","date_gmt":"2007-09-15T15:20:58","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/09\/15\/gott-die-welt-und-die-vergangenheit\/"},"modified":"2007-09-14T12:21:52","modified_gmt":"2007-09-14T15:21:52","slug":"gott-die-welt-und-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2007\/09\/15\/gott-die-welt-und-die-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Gott, die Welt und die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>J\u00fcdische Kultur und Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Polens Beitrag zum VI. Internationalen Theaterfestival von Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Christina Liebl<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1195\" alt=Polonia.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/Polonia.jpg\" \/><br \/>\n<em>Eine Braut auf Abwegen &#8211; von einem Dybbuk besessen, ver\u00e4ndert sich die junge Frau.<\/em><\/div>\n<p>Der polnische Beitrag des VI. Internationalen Theaterfestivals mit dem Titel \u201eThe Dybbuk\u201c pr\u00e4sentierte eine unsentimentale, aber dennoch ber\u00fchrende Besch\u00e4ftigung mit dem Judentum und dem Holocaust. Gezeigt wurde die Darbietung im Theater San Mart\u00edn in der ersten Festivalwoche. Der Theaterkompanie TR Warszawa gelingt es in dem St\u00fcck, sowohl Komik als auch ernste und religi\u00f6s-philosophische Aspekte zu vereinen.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eDybbuk\u201c bezeichnet in der j\u00fcdischen Kultur eine Seele, die sich nach ihrem Tod von ihren S\u00fcnden befreien will oder Gerechtigkeit fordert und zu diesem Zweck den K\u00f6rper eines Angeh\u00f6rigen in Besitz nimmt.<\/p>\n<p>Die Basis des St\u00fccks bilden drei die Darbietung gliedernde Texte. Den Anfang machen sieben kurze Geschichten, die sich mit Br\u00e4uchen, Glaubensweisheiten und Lebenserfahrung besch\u00e4ftigen. Zumeist heiter und lehrreich, geben sie einen Einblick in die j\u00fcdische Gedankenwelt.<\/p>\n<p>Der zweite Teil beruht auf einer umgeschriebenen und gek\u00fcrzten Fassung von \u201eDybbuk\u201c, einem Werk von Szymon Anski. Darin wird die Braut kurz vor der Hochzeit von der Seele ihres verstorbenen Geliebten besessen, der sich aus dem Jenseits am Brautvater r\u00e4cht, der seine Tochter aus Geldgr\u00fcnden mit einem Anderen verheiratet. Doch mit dieser einfachen Geschichte vermittelt das St\u00fcck auch Informationen \u00fcber Kabbala und j\u00fcdische Theologie. Gleichzeitig klingen auch Tod und Gedenken der Verstorbenen an.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet die ebenfalls \u201eDybbuk\u201c genannte Erz\u00e4hlung der Autorin Hanna Krall. In diesem Teil wird der Holocaust klar angesprochen. Der nach dem Krieg in Frankreich geborene Sohn eines j\u00fcdischen Polen f\u00fchlt sich von der Seele seines Bruders besessen, der dem Holocaust zum Opfer gefallen ist. Damit erh\u00e4lt der Begriff Dybbuk eine neue Bedeutung: Es r\u00fcckt die Erinnerung in den Vordergrund. Eine Erinnerung, von der sich die Menschen nicht befreien k\u00f6nnen und wollen. In zwei Figuren werden verschiedene Umgehensweisen mit eben dieser Vergangenheit gezeigt, ohne eine Wertung vorzunehmen: Dem Gr\u00fcbeln \u00fcber Fragen, auf die keine Antworten zu finden sind und die so f\u00fcr den Menschen schmerzlich werden, steht das Akzeptieren und Mit-Gelassenheit-Ertragen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Das Ensemble \u00fcberzeugte durch seine authentische schauspielerische Leistung und das St\u00fcck durch die objektive Reflektion, ohne jedoch distanziert zu sein. Metaphysische Fragen, auf die es keine allgemeing\u00fcltigen Antworten gibt, werden in den Raum gestellt und regen zum Nachdenken an.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Plus von \u201eThe Dybbuk\u201c ist der heitere Ton, der vor allem den Anfang und das Ende kennzeichnet und eine positive M\u00f6glichkeit andeutet, wie beispielsweise ein so tragisches Thema wie der Holocaust in der Erinnerung bew\u00e4ltigt werden kann.<\/p>\n<p><em>Erschienen im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 15.09.07.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcdische Kultur und Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Polens Beitrag zum VI. Internationalen Theaterfestival von Buenos Aires Von Christina Liebl Eine Braut auf Abwegen &#8211; von einem Dybbuk besessen, ver\u00e4ndert sich die junge Frau. Der polnische Beitrag des VI. 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