{"id":11960,"date":"2012-07-27T17:44:25","date_gmt":"2012-07-27T20:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=11960"},"modified":"2012-07-28T17:45:01","modified_gmt":"2012-07-28T20:45:01","slug":"liebe-deinen-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/07\/27\/liebe-deinen-schatten\/","title":{"rendered":"Liebe Deinen Schatten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Richard Maxwells &#8220;Showcase&#8221; \u00fcbertrifft alle Erwartungen, indem es keine erf\u00fcllt<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/showcase1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/showcase1.jpg\" alt=\"\" title=\"showcase\" width=\"500\" height=\"326\" class=\"aligncenter size-full wp-image-11964\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/showcase1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/showcase1-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nNach endlosen Minuten des Wartens in der sterilen Hotel-Lobby wird die kleine Gruppe Zuschauer &#8211; etwa 11 &#8211; von einer jungen Frau abgeholt und eilig mit dem Aufzug in den 8. Stock verfrachtet. Die Mini-Herde wird zu einer T\u00fcr getrieben, in ein Zimmer gepfercht. Es ist stockdunkel und viel zu warm. Das Cowgirl dr\u00fcckt die Leute sanft gegen die Wand und fl\u00fcstert, dort k\u00f6nnten sie stehenbleiben, oder sie weist sie an, sich auf den Boden zu setzen. Schnell ist es ganz still. Man sieht die Hand vor Augen nicht.<\/p>\n<p>Dann geht das Licht an. Auf dem Bett liegt ein nackter Mann. Er schreckt hoch, blinzelt irritiert ins Licht. Neben ihm liegt eine Person, die aussieht wie eine in schwarze T\u00fccher gewickelte Mumie. Sein Schatten.<\/p>\n<p>Das neueste Werk des US-amerikanischen Dramatikers Richard Maxwell, &#8220;Showcase&#8221;, wurde am vergangenen Wochenende im Rahmen der von der <a href=\"http:\/\/www.siemens-stiftung.org\/\">Siemens Stiftung<\/a>, der &#8220;Asociaci\u00f3n para el Teatro Latinoamericano&#8221; (THE) und dem <a href=\"http:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/bue\/ver\/es9500597v.htm\">Goethe-Institut<\/a> organisierten dritten internationalen Theater-Akademie <a href=\"http:\/\/www.panorama-sur.com.ar\/\">&#8220;Panorama Sur&#8221;<\/a>, die drei Wochen lang in Buenos Aires junge Theaterschaffende aus ganz Lateinamerika zu Workshops und Meisterklassen zusammenbringt, aufgef\u00fchrt. Maxwell war zuletzt im Jahr 2001 in Buenos Aires und wurde auf dem Internationalen Theaterfestival f\u00fcr sein Meisterwerk &#8220;House&#8221; gefeiert.<\/p>\n<p>Der nackte Mann auf dem Bett beginnt laut nachzudenken. Er ist ein Handlungsreisender und verbringt viele N\u00e4chte in solchen Hotelzimmern. Immer wieder aufs Neue muss er den Mut aufbringen, sich anzuziehen und hinauszugehen, um Gesch\u00e4fte abzuschlie\u00dfen. Heute Nacht ist es schlimmer als sonst. Er hat einen alten Freund getroffen, an dessen Geburtstag, und es lief nicht gut. Das hat ihn aus der Bahn geworfen.<\/p>\n<p>Der Schatten ist ein Schlingel, er macht nur ab und zu das, was man von einem Schatten erwarten w\u00fcrde, n\u00e4mlich dieselben Bewegungen wie der Mann &#8211; der \u00fcbrigens Jim hei\u00dft, wie der Schauspieler, der ihn verk\u00f6rpert -. Sonst macht der Schatten so ziemlich das, was ihm gerade einf\u00e4llt, er geht aufs Klo, setzt sich mit verschr\u00e4nkten Armen aufs Bett und h\u00f6rt Jim zu, fast k\u00f6nnte man meinen, gelangweilt. Am Ende \u00fcberf\u00e4llt er Jim sogar von hinten und versucht ihm die Gurgel zuzudr\u00fccken. Als w\u00e4re ihm die Liebeserkl\u00e4rung Jims (&#8220;I love you, shadow&#8221;) nicht genug gewesen.<\/p>\n<p>Jims Stimme ist hypnotisch, seine Worte sind poetisch, er spricht wie auf einer Schwelle zwischen Wachen und Tr\u00e4umen. Er redet von seinen Gepflogenheiten, wie er einen Deal abschlie\u00dft, und genauso geht er auch mit seinem kleinen Publikum vor. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kauft er es ein, durch seine Nacktheit, seine Verletzlichkeit, indem er hier und da ein paar pers\u00f6nliche Informationen einstreut (&#8220;Ich habe eine Tochter&#8221;).<\/p>\n<p>Dann entzieht er sich, wird zugekn\u00f6pft, zieht neue Schichten \u00fcber, schlie\u00dflich auch seine Kleidung (wobei sein Schatten ihn ziemlich lustlos nachahmt). Doch am Ende ist er wieder offen, als er sich auf die Ecke des Bettes sinken l\u00e4sst, als der Schatten ihn w\u00fcrgt und er anf\u00e4ngt, eine Schnulze zu singen. Damit hat er den Deal f\u00fcr heute abend in der Tasche.<\/p>\n<p>Das Publikum geht wie bet\u00e4ubt nach drau\u00dfen nach diesen 30 viel zu intimen, viel zu banalen Minuten. Maxwell \u00fcberschreitet die Grenzen des Darstellbaren im Theater und l\u00e4sst den Zuschauer voller Fragen zur\u00fcck. Und nicht nur das &#8211; pl\u00f6tzlich ertappt man sich dabei, wie man seinen Schatten aus den Augenwinkeln beobachtet. Er sollte doch nicht auf komische Ideen gekommen sein?<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Showcase&#8221; von Richard Maxwell, USA, mit den &#8220;New York City Players&#8221;: Jim Fletcher (Jim) und Robert Feldman (Der Schatten).<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Maxwells &#8220;Showcase&#8221; \u00fcbertrifft alle Erwartungen, indem es keine erf\u00fcllt Von Susanne Franz Nach endlosen Minuten des Wartens in der sterilen Hotel-Lobby wird die kleine Gruppe Zuschauer &#8211; etwa 11 &#8211; von einer jungen Frau abgeholt und eilig mit dem Aufzug in den 8. Stock verfrachtet. 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