{"id":12201,"date":"2012-08-15T13:36:33","date_gmt":"2012-08-15T16:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=12201"},"modified":"2012-08-15T13:38:21","modified_gmt":"2012-08-15T16:38:21","slug":"kritische-betrachtungen-zu-gesellschaft-und-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/08\/15\/kritische-betrachtungen-zu-gesellschaft-und-politik\/","title":{"rendered":"Kritische Betrachtungen zu Gesellschaft und Politik"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Pop, realismos y pol\u00edtica: Brasil &#8211; Argentina 1960&#8221; in der Fundaci\u00f3n Proa<\/p>\n<p><em>Von Philip Norten<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Ferrari11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Ferrari11.jpg\" alt=\"\" title=\"Ferrari11\" width=\"250\" height=\"363\" class=\"alignleft size-full wp-image-12203\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Ferrari11.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Ferrari11-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Mit &#8220;Pop, realismos y pol\u00edtica&#8221; widmet die <a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Fundaci\u00f3n Proa<\/a> nach &#8220;Im\u00e1n: Nueva York&#8221; und &#8220;SAP: Sistemas Acciones y Procesos&#8221; erneut eine Ausstellung den 1960er Jahren. Auf diese Forschungsarbeit aufbauend soll die von Paulo Herkenhoff und Adriana Rosenberg konzipierte Ausstellung die Kunst in Brasilien und Argentinien zu dieser Zeit untersuchen. Dazu haben die Kuratoren Herkenhoff und Rodrigo Alonso in vier S\u00e4len Werke von 58 K\u00fcnstlern versammelt.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Themen und Ideen der Ausstellung werden schon im ersten Raum deutlich: Le\u00f3n Ferrari (*1920) kombiniert in &#8220;La civilizaci\u00f3n occidental y cristiana&#8221; von 1965 das Modell eines US-amerikanischen Kampfjets mit einem Kruzifix. Dabei wird deutlich, wie die K\u00fcnstler dieser Zeit Symbole und Zeichen der Alltagswelt \u00fcbernehmen, um gesellschaftliche und politische Fragen zu diskutieren, in diesem Fall die Macht der USA und der katholischen Kirche in Lateinamerika.<\/p>\n<p>Bildkultur und Politik sind auch zentrale Themen im Werk von Roberto Jacoby, dessen Installation &#8220;Un guerrillero no muere para que se lo cuelge en la pared&#8221; im selben Raum zu sehen ist. Der Titel der Arbeit weist schon auf die Probleme des Kurators hin, diesen Druck Jacobys nicht an die Wand zu h\u00e4ngen, eigentliches Anliegen des K\u00fcnstlers ist es jedoch, durch die provokante These des Titels den Bilderkult um Che Guevara (der sp\u00e4ter noch in der Ausstellung zu sehen sein wird) kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Im gro\u00dfen zweiten Saal der Fundaci\u00e1n wird anhand von zahlreichen Gem\u00e4lden die Weiterentwicklung dieses Mediums dargestellt. Dominierte in den 1950er Jahren die konkrete Kunst mit einer aseptischen Form von abstrakter Malerei, lassen sich nun diametral entgegengesetzte Tendenzen beobachten: Die gezeigten Gem\u00e4lde sind wieder gegenst\u00e4ndlich, h\u00e4ufig werden aktuelle Themen dargestellt (bei einigen Werken durch Collagetechnik). Auch die \u00c4sthetik der Gem\u00e4lde \u00e4ndert sich radikal: durch einen oft extrem gestischen Duktus wirken viele Werke &#8211; wie beispielsweise &#8220;Submundo&#8221; von R\u00f3mulo Macci\u00f3 (*1931) &#8211; aggressiv. Auch durch die Farb- und Materialwahl &#8211; viele K\u00fcnstler verwenden grelle Farben, andere arbeiten mit Stoffen &#8211; wird das gewohnte \u00e4sthetische Empfinden der Besucher gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der anschlie\u00dfende Saal ist Werken gewidmet, die in einem stark politisierten Kontext zu verstehen sind. Die 60er Jahre waren sowohl in Argentinien als auch in Brasilien von politischen Unruhen und Repressalien der jeweiligen Milit\u00e4rdiktaturen gepr\u00e4gt, die auch die Entstehungsbedingungen von Kunst direkt beeinflussten. Die schwarze Wandfarbe des Raumes verst\u00e4rkt dabei den d\u00fcsteren Unterton der ausgestellten Arbeiten. W\u00e4hrend dabei die Fotografien des Brasilianers Evandro Teixeira (*1945) die Studentenunruhen von 1968 dokumentieren, weist Cildo Meireles (*1948) mit &#8220;Zero Dollar&#8221; spielerisch, aber zugleich ernst auf den \u00f6konomischen Kontext der politischen Probleme hin. In seinem Gem\u00e4lde &#8220;Lecci\u00f3n de anatom\u00eda n\u00ba 2&#8221; portr\u00e4tiert Carlos Alonso (*1929) den toten Che Guevara im Stile Rembrandts, womit er auf die Bedeutung des Guerrilleros f\u00fcr die lateinamerikanischen K\u00fcnstler und auf die gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, die mit seinem Tod verbunden war, hinweist.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Vielfalt an k\u00fcnstlerischen Medien &#8211; Fotografie, Malerei, Installation -, die K\u00fcnstler zu dieser Zeit verwendeten, setzt sich im letzten Saal der Ausstellung fort, in dem u.a. zwei Happenings von Marta Minuj\u00edn (*1941) rekonstruiert werden. In &#8220;Cabalgata&#8221; von 1964, das live vom Fernsehen \u00fcbertragen wurde, inszenierte sie Pferde, die durch die Eimer auf ihren R\u00fccken Matratzen bemalten, Athleten, die Luftballons zum Platzen brachten, und eine Rockband in einer surrealistischen Performance. Ziel war es dabei &#8211; wie Minuj\u00edn bei einem Gespr\u00e4ch in der Ausstellung erl\u00e4uterte -, durch die Gleichzeitigkeit der Handlungen den Besucher mit dem neuen Charakter von Kunst zu konfrontieren. Die Idee vieler K\u00fcnstler war es, durch den performativen Ansatz ihrer Werke und durch neue Verbreitungsmedien wie das Fernsehen das Rezeptionsverhalten zu ver\u00e4ndern: statt stumm Gem\u00e4lde zu betrachten, sollte sich der Rezipient aktiv an der Diskussion \u00fcber Kunst beteiligen, die zudem nicht mehr an Museen oder Galerien gebunden war.<\/p>\n<p>Die Rekonstruktion dieses Happenings von Minujin anhand von Fotografien und Dokumenten macht zugleich die Problematik der Ausstellung deutlich: die Kunst dieser \u00c4ra war sehr zeitbezogen und Themen sowie \u00c4sthetik dieser Epoche erschlie\u00dfen sich stark aus dem damaligen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontext. Daher ist es nur konsequent, dass diese Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm und einem gro\u00dfen Katalog begleitet wird, die beide dabei helfen k\u00f6nnen, uns die Kunst dieser Zeit wieder n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Pop, realismos y pol\u00edtica: 58 artistas de Brasil y la Argentina&#8221; (Pop, Realismus und Politik: 58 K\u00fcnstler aus Brasilien und Argentinien). Kuratoren: Paulo Herkenhoff und Rodrigo Alonso.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Fundaci\u00f3n Proa<\/a>, Pedro de Mendoza 1929, La Boca, Buenos Aires.<\/li>\n<li>Di-So 11-19 Uhr, montags geschlossen.<\/li>\n<li>Eintritt 12 Pesos, Rentner 8 und Studenten 4 Pesos; dienstags f\u00fcr Studenten gratis.<\/li>\n<li>14.7.-Ende September.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nLe\u00f3n Ferrari, &#8220;La civilizaci\u00f3n occidental y cristiana&#8221;, 1965. Gips, Holz und \u00d6l. 200 x 120 x 60 cm. Sammlung Alicia und Le\u00f3n Ferrari, Buenos Aires.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Pop, realismos y pol\u00edtica: Brasil &#8211; Argentina 1960&#8221; in der Fundaci\u00f3n Proa Von Philip Norten Mit &#8220;Pop, realismos y pol\u00edtica&#8221; widmet die Fundaci\u00f3n Proa nach &#8220;Im\u00e1n: Nueva York&#8221; und &#8220;SAP: Sistemas Acciones y Procesos&#8221; erneut eine Ausstellung den 1960er Jahren. 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