{"id":123,"date":"2005-06-12T00:15:15","date_gmt":"2005-06-12T03:15:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/12\/findet-der-der-sucht\/"},"modified":"2012-12-15T16:23:30","modified_gmt":"2012-12-15T19:23:30","slug":"findet-der-der-sucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/12\/findet-der-der-sucht\/","title":{"rendered":"Findet der, der sucht?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/06\/12\/libre-albedrio-o-nada-mas-que-perder\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Der argentinische K\u00fcnstler Jos\u00e9 Luis Anzizar bei der Berliner Ausstellung \u201eDer Freie Wille\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<table align=left>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/Azafata1.jpg\" alt=\"\" \/><br \/>\n<em>Projektentwurf f\u00fcr \u201e11.9-9.11\u201c.<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p><a href=\"http:\/\/www.anzizar.com.ar\/\">Jos\u00e9 Luis Anzizar<\/a> war 26, als er im Jahr 1988 zum ersten Mal nach Europa flog. Die Reise ging nach Holland, zur Hochzeit eines Freundes. Neben ihm sa\u00df ein junger Mann, der trotz der Hitze im Flieger seine Jacke die ganze Zeit \u00fcber anbehielt. Es war das Ende der Alfons\u00edn-\u00c4ra, und viele Argentinier verlie\u00dfen ihr krisengesch\u00fctteltes, hyperinflation\u00e4res Land. \u201eMir wurde pl\u00f6tzlich bewusst, dass der Mann wahrscheinlich sein ganzes Geld am K\u00f6rper trug\u201c, erinnert sich Jos\u00e9 Luis. \u201eOb das jetzt 100 oder 1000 Dollar waren, spielt keine Rolle. Ich f\u00fchlte mich pl\u00f6tzlich schlecht, weil ich zu einer Hochzeit unterwegs war, zu meinem eigenen Vergn\u00fcgen, aus meiner eigenen Entscheidung heraus. Es gab so viele andere, die keine Wahl hatten.\u201c<\/p>\n<p>Auch nach der Krise vom Dezember 2001 verlie\u00dfen wieder tausende Argentinier ihre Heimat, um in den USA oder Europa ihr Gl\u00fcck zu versuchen. \u201eUnd was ist dann, wenn man einmal auf der anderen Seite ist? Findet man wirklich das vor, was man erwartet oder erhofft hatte? Hat die Realit\u00e4t etwas mit dem vom Marketing verkauften Image zu tun?\u201c fragt sich Jos\u00e9 Luis.<\/p>\n<p>An die Geschichte des Mannes mit der Jacke musste Jos\u00e9 Luis Anzizar denken, als er sich mit einem Projekt um die Teilnahme an dem internationalen <a href=\"http:\/\/www.mais-de.de\/index_2.html\">Ausstellungsprojekt \u201eDer Freie Wille\u201c<\/a> bem\u00fchte. \u201e11.9-9.11\u201c hei\u00dft seine Arbeit, mit der er ausgew\u00e4hlt wurde, zusammen mit 19 anderen K\u00fcnstlern bzw. K\u00fcnstlergruppen seine Vorstellungen und Visionen zum Thema \u201eDer Freie Wille\u201c im unterirdischen Bunker auf dem ehemaligen Todesstreifen Berlin Treptow zu zeigen.<\/p>\n<p>Da diese besondere Schau zeitgen\u00f6ssischer Kunst anl\u00e4sslich der 20-Jahres-Feiern der sogenannten Glasnost stattfinden &#8211; das \u201eTauwetter\u201c, das der politischen Wende von 1989 vorausging &#8211; wird die Ausstellung am 15. Juni im Beisein von Michail Gorbatschow er\u00f6ffnet.<!--more--><\/p>\n<p>Am 9.11.1989 fiel die Berliner Mauer, der Kalte Krieg war beendet, Ost und West begannen sich anzun\u00e4hern. Ob aber diejenigen, die mit ihrem mutigen friedlichen Protest die Wende erreicht hatten, die Freiheit vorfanden, die sie ertr\u00e4umt hatten, ist fraglich. Konsumg\u00fcter und Versprechungen von \u201ebl\u00fchenden Landschaften\u201c waren ein schlechter Ersatz in der Ellbogen-Realit\u00e4t der westlichen Welt.<\/p>\n<p>Am 11.9.2001 (9\/11 f\u00fcr die Amerikaner) wurde das World Trade Center von Selbstmordattent\u00e4tern zerst\u00f6rt, es gab tausende Opfer. Der Schock \u00fcber die eigene Verletzlichkeit f\u00fchrte neben einer fragw\u00fcrdigen pr\u00e4ventiven Au\u00dfenpolitik der USA auch zu einer dramatischen Versch\u00e4rfung der Sicherheitsvorkehrungen und Einreiseregelungen. Auch das Visa-Waiver-Programm, das es vielen Argentiniern erm\u00f6glicht hatte, (illegal) in die USA einzureisen, wurde abgeschafft.<\/p>\n<p>Mit den Koordinaten \u201e11.9-9.11\u201c stellt Jos\u00e9 Luis Anzizar das Ost-West\/Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle dar. Vier Flugh\u00e4fen sind durch Rollbahnen miteinander verbunden: Tegel\/Westberlin und Sch\u00f6nefeld\/Ostberlin auf der West-Ost-Achse; John F. Kennedy\/NY und Ezeiza\/BA auf der Nord-S\u00fcd- (um nicht zu sagen \u201eOben-Unten-\u201c) -Achse. Die reichen westlichen Flugh\u00e4fen sind mit vielen bunten Illustrationen versehen, dagegen sind der arme Osten und S\u00fcden eher grau. In das Werk sind die unterschiedlichsten Daten zu den Flugh\u00e4fen eingearbeitet, aber auch andere Informationen wie das Bruttosozialprodukt der betreffenden L\u00e4nder, etc.<\/p>\n<table align=right>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/Azafata2.JPG\" alt=\"\" \/><br \/>\n<em>Die Stewardess Reina soll die Besucher nerven.<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Erg\u00e4nzend zu dem Werk an der Bunkerwand pr\u00e4sentiert Jos\u00e9 Luis Anzizar eine Performance: Reina, s\u00fcdamerikanisch-kitschig gekleidete Stewardess (von ihm selbst dargestellt) l\u00e4sst die Besucher Einreiseformulare ausf\u00fcllen (wobei sie Fragen wie \u201eErste oder dritte Welt?\u201c bzw. \u201eWie oft essen Sie? Einmal am Tag?\/Einmal in der Woche?\u201c beantworten sollen).<\/p>\n<p>Reina wird dar\u00fcber hinaus Demonstrationen zur Flugsicherheit geben, wobei die Atemmaske eine mit einem Gummiband befestigte Orangenh\u00e4lfte ist. Nat\u00fcrlich wird den Ausstellungsbesuchern frischer Orangensaft geboten, den Reina an ihrem wackligen Schreibtisch selbst auspresst.<\/p>\n<p>Die l\u00e4cherliche Figur der s\u00fcdl\u00e4ndischen, aufdringlichen Stewardess, die den Leuten \u201edie Einreise schwer machen soll\u201c, soll auf die Schwierigkeiten vieler Menschen hinweisen, die (umgekehrt) in die westliche Welt gelangen wollen &#8211; und dort die Erf\u00fcllung ihrer Tr\u00e4ume und das Ende ihrer Probleme erhoffen.<\/p>\n<p><em><strong>Kunst im Bunker<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Der aus dem 2. Weltkrieg stammende Bunker und Ausstellungsort von \u201eDer Freie Wille\u201c befindet sich auf dem ehemaligen \u201eTodesstreifen\u201c der Berliner Mauer, welche an dieser Stelle die Stadtteile Kreuzberg von Treptow trennte. Den Bunker durchzieht eine unterirdische Mauer, welche Fluchtversuche durch den Flutgraben\/Spree nach West-Berlin verhindern sollte.<\/p>\n<p>Die Kuratoren &#8211; Nina (*1978 in Moskau als N. Tangian) und Torsten (*1968 in Aachen) arbeiten seit 1998 unter dem Namen R\u00f6mer &#038; R\u00f6mer als deutsch-russisches K\u00fcnstlerpaar in allen ihren Projekten zusammen. 1999 riefen sie das unabh\u00e4ngige internationale Kunstprojekt MAIS ins Leben. Seitdem veranstalteten sie mehrere gro\u00dfe Ausstellungen (Bunker in K\u00f6ln und Berlin, Biennale Liverpool).<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist vom 15. Juni bis 31. Juli 2005 ge\u00f6ffnet (Bunker unter der arena Berlin, Eichenstr. 4, 12435 Berlin Treptow).<\/p>\n<p>Teilnehmende K\u00fcnstler: Addicted Spass, Elena Afanasyeva &#038; Maksim Afanayev, Jos\u00e9 Luis Anzizar, Sabine Beyerle &#038; David Reuter, Silvina Der-Meguerditchian, Extrastruggle, Freies Radio f\u00fcr Berlin, Roland Fuhrmann, Anna von Gwinner, Levin Haegele, Jason Horncastle, Ruprecht von Kaufmann &#038; Johannes Herberstein, Alexei Kostroma, Clemens Krauss, Jakob Kreutzfeldt, Xavier Krylik-Chavigny, Edgar L., Victor Libet &#038; Stefan Schemat, Martina Lunzer, Matthias Mayer aka Mo Magic, Nongrata, PRO:OHM, R\u00f6mer &#038; R\u00f6mer, Markus Sch\u00e4fer &#038; Roland Butzelar, Nadja Sch\u00f6llhammer, Dominik Schumacher, Victor Tenorio Arias &#038; Fr\u00e9d\u00e9ric Louis Fourrichon, Sergej Voronzov, Brigitte Waldach.<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 11.6.2005 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anzizar, Jos\u00e9 Luis: Installation und Performance bei der Berliner Ausstellung \u201eDer Freie Wille\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,2],"tags":[],"class_list":["post-123","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-deutsch","category-kunstler-artistas"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14020,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123\/revisions\/14020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}