{"id":1341,"date":"2008-01-07T08:04:00","date_gmt":"2008-01-07T11:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/01\/07\/ein-stuck-geschichte-wird-wiederbelebt\/"},"modified":"2008-01-18T13:25:44","modified_gmt":"2008-01-18T16:25:44","slug":"ein-stuck-geschichte-wird-wiederbelebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/01\/07\/ein-stuck-geschichte-wird-wiederbelebt\/","title":{"rendered":"Ein St\u00fcck Geschichte wird wiederbelebt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Replik von Pl\u00fcschows Silberkondor in der Bucht von Ushuaia<\/p>\n<p><em>Von Anette Koch<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1340\" alt=plu4.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/plu4.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der 8-j\u00e4hrige Mart\u00edn Lorenz und seine Schulkameraden sa\u00dfen im Unterricht in der Schule von Ushuaia, als sie am 3. Dezember des Jahres 1928 auf einmal ein lautes Brummen st\u00f6rte. Sie rannten zur Bucht, wo die \u00fcbrigen Bewohner Ushuaias bereits versammelt waren. Auch die 6-j\u00e4hrige Tata Fique ist dabei. Sie erinnert sich heute, dass ihre Mutter ihr einen Blumenstrau\u00df in die Hand gedr\u00fcckt hat, den sie Gunther Pl\u00fcschow, dem Helden der Luftfahrt, demjenigen, der als erster mit einem Flugzeug Ushuaia erreicht, geben soll. Und, dass sie ihren Augen kaum trauen, als ein silbernes Flugzeug am Himmel erscheint. Das Doppeldeckerflugzeug umrundet die Bucht in einer gro\u00dfen Schleife und landet schlie\u00dflich, w\u00e4hrend die Kameras der anwesenden Fotografen das Ereignis festhalten, nur wenige Meter vom Sitz des heutigen Aeroclubs Ushuaia entfernt.<\/p>\n<p>Der Aeroclub leitet nun, knapp 80 Jahre sp\u00e4ter, ein Projekt, das dem ersten Menschen, der Feuerland und Patagonien \u00fcberflog und filmte, ein Denkmal setzen soll. Bei dem gemeinsam mit dem Pl\u00fcschowexperten und -biographen Roberto Litvachkes geplanten Vorhaben handelt es sich um die 1:1-Konstruktion einer Replik des Doppeldeckerflugzeugs der Heinkel HD24, genannt Silbervogel. Die Replik wird von Experten der C\u00e1tedra Aeronautica der staatlichen Universit\u00e4t von La Plata angefertigt. Die Glasfaserkonstruktion soll am 3.12.2008, zum 80. Jahrestag der Ankunft, eingeweiht und als Meilenstein der argentinischen Geschichte in der Bucht von Ushuaia aufgestellt werden.<\/p>\n<p>Pl\u00fcschows Ankunft war n\u00e4mlich nicht nur ein Ereignis, weil viele der Bewohner Ushuaias 1928 zum ersten Mal ein Flugzeug zu Gesicht bekamen, sondern sie initiierte auch den Anschluss Ushuaias an den Kontinent. Die Versorgung mit Medikamenten und Nahrungsmitteln des Fin del Mundo wird seither vor allem durch Flugzeuge gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1337\" alt=Plu1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/Plu1.jpg\" \/><\/p>\n<p>Ein Flug im Jahr 1928 war mit den technologischen Voraussetzungen in Anbetracht der klimatischen Begebenheiten ein waghalsiges Unternehmen. Auch wenn Pl\u00fcschow bereits als Pionier in der deutschen Kolonie Tsingtau w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs und als Pilot f\u00fcr die Firma Luftpost &#8211; die heutige Lufthansa &#8211; reichlich Flugerfahrung gesammelt hatte und die Firma Heinkel nach jahrelangen Verhandlungen nebem dem Flugzeug auch gleich ihren Mechaniker Ernst Dreblow zur Verf\u00fcgung gestellt hatte: Die damaligen technischen Kenntnisse und M\u00f6glichkeiten bleiben aus heutiger Sicht sehr begrenzt. Umso erstaunlicher sind die Expeditionen Pl\u00fcschows, deren Bildmaterial die Basis f\u00fcr heutige Kenntnisse \u00fcber Patagonien liefern.<\/p>\n<p>Allein der Transport des Flugzeugs von Deutschland nach Feuerland war ein Abenteuer. Der Maschinist Seppl Schmitt, dessen Memoiren k\u00fcrzlich in Chile ver\u00f6ffentlicht wurden, berichtet, dass Pl\u00fcschow die Heinkel urspr\u00fcnglich auf seinem Expeditionsschiff, dem Segelkutter Feuerland, von B\u00fcsum nach Argentinien verschiffen wollte. Gl\u00fccklicherweise konnten ihn seine Begleiter davon abbringen. Die Feuerland w\u00e4re mit einer derartigen Last beim ersten Seegang gesunken, und mit ihr der Traum, das Ende der Welt zu erschlie\u00dfen. Das Unternehmen w\u00e4re wie auch so viele andere Patagonienexpeditionen zuvor gescheitert.<\/p>\n<p>Pl\u00fcschow verhandelte schlie\u00dflich mit Hamburg S\u00fcd. Er widmete der Spedition die letzte Seite seines aktuellen Buches, und Hamburg S\u00fcd stellte ihm das Frachtschiff Planet zur Verf\u00fcgung. So erreichte der Silbervogel 1927 in 13 Kisten verpackt Punta Arenas, wo er von den Autorit\u00e4ten der Stadt in Empfang genommen wurde. Einen Monat sp\u00e4ter war der Doppeldecker wieder aufgebaut und startklar f\u00fcr den ersten ber\u00fchmten Flug, dem in Ushuaia heute gedacht wird.<\/p>\n<p>Weitere Informationen (auf Spanisch) im <a href=\"http:\/\/ushuaia-pluschow.blogspot.com\/\">Blog von Roberto Litvachkes.<\/a><\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4sentation des Projekts in Ushuaia<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1339\" alt=plu3.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/plu3.jpg\" \/><\/p>\n<p>Am Montag, dem 17.12.07, wurde in Ushuaia das Projekt der Konstruktion der Replik des Flugzeugs von Gunther Pl\u00fcschow pr\u00e4sentiert. Zugegen waren Daniel Leguizam\u00f3n, der neue Tourismussekret\u00e4r der Gemeinde von Ushuaia, und Marcelo Murphy, der Beauftragte f\u00fcr Kultur von Ushuaia. Dar\u00fcber hinaus wohnten Mitglieder des Aeroclubs, der Marine und Bewohner Ushuaias der Veranstaltung bei.<\/p>\n<p>Rafael Fank, lokaler Unternehmer und Pr\u00e4sident des Aeroclubs, welcher selbst Sohn deutscher Pioniere ist, stellte das Projekt, welches unter anderem dank der Unterst\u00fctzung von Aerol\u00edneas Argentinas, Wintershall und London Supply realisiert werden kann, vor. Der begeisterte Pl\u00fcschow-Anh\u00e4nger enth\u00fcllte gemeinsam mit dem Hauptkoordinator des Projekts, Roberto Litvachkes, unter dem Applaus des Publikums ein Modell der nach einem Foto rekonstruierten Ankunftsszene Pl\u00fcschows in der Bucht von Ushuaia. Das Modellflugzeug und die Figuren sollten den Anwesenden einen Eindruck von der Szenerie vermitteln, die in Originalgr\u00f6\u00dfe nachgebaut werden soll. Einige der Anwesenden, Zeitzeugen und Kinder der Zeitzeugen, zeigten sich ger\u00fchrt als sie die Figuren ihrer Zeitgenossen und Eltern sahen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1338\" alt=Plu2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/01\/Plu2.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der Nachbau der Heinkel HD 24 wird von der Universit\u00e4t La Plata angefertigt und auf einer Plattform in der Bucht von Ushuaia an dem Ort schwimmen, wo Pl\u00fcschow vor knapp 80 Jahren gelandet ist. Der Tourismussekret\u00e4r verprach nicht nur seine volle Unterst\u00fctzung, sondern \u00e4u\u00dferte den Wunsch, das Projekt in den geplanten \u201cPaseo de Pioneros de Ushuaia\u201d zu integrieren. Am 3.12.2008 wird die Replik dann zum 80. Jahrestag von Pl\u00fcschows Ankunft eingeweiht.<\/p>\n<p><em>Erschienen im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 05.01.08.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Replik von Pl\u00fcschows Silberkondor in der Bucht von Ushuaia Von Anette Koch Der 8-j\u00e4hrige Mart\u00edn Lorenz und seine Schulkameraden sa\u00dfen im Unterricht in der Schule von Ushuaia, als sie am 3. Dezember des Jahres 1928 auf einmal ein lautes Brummen st\u00f6rte. Sie rannten zur Bucht, wo die \u00fcbrigen Bewohner Ushuaias bereits versammelt waren. 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