{"id":13462,"date":"2012-11-02T10:39:22","date_gmt":"2012-11-02T13:39:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13462"},"modified":"2012-11-03T14:47:00","modified_gmt":"2012-11-03T17:47:00","slug":"schone-neue-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/11\/02\/schone-neue-welt\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Neue Welt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beh\u00f6rdengang in Argentinien gleicht einem Ausflug nach Absurdistan<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/buenos_aires.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/buenos_aires.jpg\" alt=\"\" title=\"Argentinier stehen vor Bank Schlange\" width=\"250\" height=\"125\" class=\"alignright size-full wp-image-13465\" \/><\/a>In den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts schien sie in Argentinien ankommen zu wollen. \u00dcber seinen PC konnte man pl\u00f6tzlich auch mit der Bank verkehren. Dauerauftr\u00e4ge wurden m\u00f6glich. Statt alle zwei Monate \u2013 oder jeden \u2013 mit der Rechnung f\u00fcr Strom, Gas, Wasser, Telefon, Immobiliensteuer usw. zur n\u00e4chsten Zahlstelle zu pilgern, Schlange zu stehen, einen missmutigen Beamten unterw\u00fcrfig um Annahme der Zahlung zu bitten, dr\u00fcckte ich auf ein paar Tasten und die Dauerauftr\u00e4ge waren online erteilt. Hosanna!<\/p>\n<p>Vor etwa einem Jahr kam eine neue Rechnung f\u00fcr Immobiliensteuer der Provinz Buenos Aires dazu. Ich dr\u00fcckte ein paar Tasten und hielt die Sache f\u00fcr erledigt. Doch die Rechnungen beharrten darauf, bar bezahlt zu werden. Hatte vielleicht jemand auf der Online gesessen?<\/p>\n<p>Ich versuchte es mit der Hotline, die, wie die h\u00e4ufigen Prospekte meiner Bank, immer wieder versichern, unverz\u00fcglich jegliches Problem zu l\u00f6sen. Als die Hotline irgendwann etwas weniger hei\u00df, also frei war, sagte mir eine nette Dame, mein Dauerauftrag sei entgegengenommen und unter Nummer sowieso registriert. Allerdings w\u00fcrde es ein oder zwei Monate dauern, bis er funktionierte.<\/p>\n<p>Nach drei Monaten kroch ich wieder durch die Hotline, wie lange das noch dauern w\u00fcrde. \u2013 Kannitverstan, nichts registriert. Eine neue Dame gab mir eine neue Registriernummer.<\/p>\n<p>Weitere drei Monate sp\u00e4ter und aller digitalen Medien m\u00fcde, schickte ich der Bank einen altmodischen Einschreibebrief mit dem geschilderten Sachverhalt. Diesmal musste ich nur einige Wochen warten, bis ein netter Herr mir telefonisch mitteilte, dass mein Dauerauftrag von der Steuerbeh\u00f6rde nicht akzeptiert worden sei.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rde ist eine halbe Stunde von meiner Wohnung entfernt, gr\u00fcne Welle vorausgesetzt. Ich hatte die Steuerrechnung, meinen Personalausweis und die Kontobezeichnung bei mir. Und die CBU?, wurde ich gefragt. CBU ist die Identifikationsnummer jedes Kontos im Finanzsystem. Sie hat 22 Stellen und ich wusste sie nicht auswendig.<\/p>\n<p>Bei meinem n\u00e4chsten Besuch im Steueramt hatte ich die CBU sauber aufgeschrieben und dreimal gepr\u00fcft. Aber doch nicht so!, h\u00f6rte ich, Sie m\u00fcssen einen ordentlichen schriftlichen Antrag einreichen und Fotokopie Ihres Personalausweises beif\u00fcgen!<\/p>\n<p>Solch einen ordentlichen und vollst\u00e4ndigen Brief wie den, den ich bei meinem dritten Besuch vorlegte, hatte das Amt gewiss noch nicht gesehen. Es fehlt aber die CBU! Siegessicher wies mein Finger auf die Nummer mit den 22 Stellen. Aber Nein! Die Nummer muss auf einem Formular der Bank eingereicht werden, mit deren Stempel und Unterschrift! Nun wurde mir endlich ein Zettel \u00fcberreicht, auf dem alle Vorbedingungen f\u00fcr die Entgegennahme eines Dauerauftragsgesuchs spezifiziert waren.<\/p>\n<p>Meine Bank \u2013 eine private, internationale &#8211; liegt in der City, eine dreiviertel Autostunde entfernt (manchmal kann es auch eineinhalb Stunden dauern). Sie hat aber eine Filiale in meiner N\u00e4he, nur 10 Minuten Fu\u00dfweg. Dort m\u00fcsste es eigentlich auch einen Stempel und eine Unterschrift geben, dachte ich.<\/p>\n<p>Ja gewiss, wurde mir gesagt, aber nur f\u00fcr die Kunden dieser Filiale.<\/p>\n<p>Etwas unwirsch geworden, sandte ich ein Mail an die Hauptstelle der Bank. Dies hatte zur Folge, dass die Filiale bei meinem n\u00e4chsten Besuch Stempel und Unterschrift riskierte.<\/p>\n<p>Nun hatte ich alle Unterlagen zusammen. Nach einer Dreiviertelstunde Wartezeit lieferte ich diese bei meinem vierten Besuch im Amt ab und bat um einen Empfangsstempel auf meinem Anschreiben. Nicht so schnell!, wurde mir gesagt. In h\u00f6chstens einer weiteren halben Stunde hatte der Beamte alle Dauerauftragsdaten ins System eingegeben. Er druckte sie aus und lie\u00df mich die Verantwortung f\u00fcr die Richtigkeit durch unterschriftliche Best\u00e4tigung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Und nun hoffe ich, bald wieder in der Sch\u00f6nen Neuen Welt anzukommen. Hosanna!<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDauerauftrag, was ist das denn? Die meisten argentinischen Rentner m\u00fcssen jeden Monatsanfang bei der Bank Schlange stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beh\u00f6rdengang in Argentinien gleicht einem Ausflug nach Absurdistan Von Friedbert W. B\u00f6hm In den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts schien sie in Argentinien ankommen zu wollen. \u00dcber seinen PC konnte man pl\u00f6tzlich auch mit der Bank verkehren. Dauerauftr\u00e4ge wurden m\u00f6glich. 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