{"id":13489,"date":"2012-11-05T15:44:39","date_gmt":"2012-11-05T18:44:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13489"},"modified":"2012-11-05T15:48:45","modified_gmt":"2012-11-05T18:48:45","slug":"abschied-der-brasil-post-nach-62-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/11\/05\/abschied-der-brasil-post-nach-62-jahren\/","title":{"rendered":"Abschied der Brasil-Post nach 62 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><em>Brasil-Post, 62. Jahrgang, Nr. 3203<\/p>\n<p>Sao Paulo, 28. September 2012<\/em><\/p>\n<p><strong>Alles hat seine Zeit: Unsere Brasil-Post &#8211; nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df<\/p>\n<p><em>Von Ursula Dormien<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/brasil_post.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/brasil_post.jpg\" alt=\"\" title=\"brasil_post\" width=\"500\" height=\"98\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13492\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/brasil_post.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/brasil_post-300x58.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nAlle Dinge haben ihre Lebenszeit. Nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen haben eines Tages ein Ende. Es ist ein Gesetz, dem sich niemand entziehen kann. Auch eine Zeitung ist dem unterworfen. Was einst mit gro\u00dfer M\u00fche aufgebaut wurde. sich \u00fcber Jahrzehnte &#8211; seiner Aufgabe bewu\u00dft &#8211; bew\u00e4hrte, kann morgen schon nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df sein.<\/p>\n<p>Zwischen diesem Gestern und Heute liegt oft ein Menschenleben, \u00fcberzeugt seine Aufgabe pflichtgetreu erf\u00fcllt zu haben, sich jedoch nun gen\u00f6tigt sieht, sich dem hehren Gesetz &#8220;Werden und Vergehen&#8221; zu beugen.<\/p>\n<p>62 Jahre besteht die Brasil-Post. 52 Jahre habe ich, zuerst als Redakteurin und dann als Herausgeberin &#8211; davon die letzten 22 Jahre mit tatkr\u00e4ftiger Hilfe meines Sohnes Klaus-Dieter, der 1992 eine Modernisierung der Zeitung mit allem Drum und Dran finanzierte bzw. durchf\u00fchrte &#8211; unsere Brasil-Post getreu der bei der Gr\u00fcndung gesetzten Zielsetzung, allen Schwierigkeiten trotzend und letztendlich oftmals mit substantieller Unterst\u00fctzung wahrer Freunde, dem Leserkreis erhalten.<\/p>\n<p>Trotz gelegentlicher Kritik &#8211; &#8220;allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann&#8221; &#8211; bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df unsere Zeitung eine wertvolle, objektive Informationsquelle, ein beachtlicher Multiplikator war, geachtet und gesch\u00e4tzt wurde und viel Freude bereitete; das brachten im Laufe der Jahrzehnte unz\u00e4hlige Zuschriften wiederholt zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Weltweit ist eine Zeitung, die eine Minderheit anspricht, nur mit Idealismus am Leben zu erhalten. Einmal m\u00fcssen Herausgeber und Mitarbeiter sich mit der Aufgabe, der Zielsetzung des Kulturtr\u00e4gers zutiefst verbunden f\u00fchlen und f\u00fcr ihren gro\u00dfen Einsatz mit einem bescheidenen Honorar &#8211; gerade ihren Lebensunterhalt garantierend &#8211; zufrieden sein. Und zweitens, um alle anfallenden Ausgaben wie Verwaltungs-, Redaktions-, Dmck- und Vertriebsspesen sowie die beachtlichen gesetzlich festgelegten Geb\u00fchren aufzubringen, sind Gleichgesinnte, Sponsoren vonn\u00f6ten, Unternehmer, die die Zeitung als Sprachrohr, Bindeglied und Kulturtr\u00e4ger sowie Br\u00fccke zu Deutschland ansehen, sch\u00e4tzen und es ihnen ein wichtiges Anliegen ist, den Fortbestand derselben zu erm\u00f6glichen. Somit das Verm\u00e4chtnis der Einwanderer ehrend: &#8220;Was du ererbt von deinen V\u00e4tern hast, erhalt&#8217; es, um es zu besitzen&#8221; (frei nach Goethe aus &#8220;Faust&#8221;).<!--more--><\/p>\n<p>Es ist eine unleugbare Tatsache: Die Einwanderer aus dem deutschen Sprachraum Europas des 19.- und 20. Jahrhunderts haben mit ihrem unerm\u00fcdlichen Flei\u00df, ihrer unvorstellbaren Opferbereitschaft und ihrem unersch\u00fctterlichen Durchhalteverm\u00f6gen entscheidend zum Aufbau und Fortschritt ihrer neuen Heimat beigetragen. Anerkannt ob ihres tatkr\u00e4ftigen, erfolgreichen Einsatzes, hochgesch\u00e4tzt ob ihrer Charaktereigenschaften wie Flei\u00df, Pflichtgef\u00fchl und Zuverl\u00e4ssigkeit, schufen diese Pioniere hier eine solide Plattform. eine Vertrauensbasis, die sp\u00e4teren Generationen, den im 20. lahrhundert und sp\u00e4ter hier angesiedelten Investoren aus der Bundesrepublik Deutschland zugute kamen.<\/p>\n<p>Brasilien achtet und sch\u00e4tzt deutsche Wertarbeit, und hiesige Niederlassungen deutscher Unternehmen waren und sind willkommen. Beeindruckend die Tatsache: Sao Paulo ist mit \u00fcber 900 Unternehmen aus der Bundesrepublik der gr\u00f6\u00dfte Industriepol au\u00dferhalb Deutschlands.<\/p>\n<p>Auch die im 19. und Anfang des 20. lahrhunderts von Einwanderern und deren Nachkommen gegr\u00fcndeten Unternehmen &#8211; besonders in den S\u00fcdstaaten &#8211; leisteten und leisten einen beachtlichen Beitrag zur brasilianischen Wirtschaftsentwicklung.<\/p>\n<p>Nach obigen Ausf\u00fchrungen m\u00f6chte man meinen, eine in Sao Paulo herausgegebene \u00fcberregionale deutschsprachige Zeitung, die \u00fcber die deutschsprechende Gemeinschaft, sei es auf wirtschaftlichem, kulturellem oder sozialem Sektor informiert, berichtet, also die Funktion eines beachtlichen Bindeglieds und Multiplikators aus\u00fcbt, sei erw\u00fcnscht, w\u00e4re anerkannt, und somit finanziell gef\u00f6rdert. Weit gefehlt!<\/p>\n<p>In den 62 Jahren der Existenz unserer Brasil-Post gab es nat\u00fcrlich auch Engp\u00e4sse, u.a. machte die Inflation uns schwer zu schaffen. Doch dank der Unterst\u00fctzung deutscher und deutschst\u00e4mmiger Pers\u00f6nlichkeiten, meistens Unternehmer, wurde der Fortbestand unserer Zeitung gew\u00e4hrleistet. Erw\u00e4hnt seien dabei auch unsere unerm\u00fcdlichen freien Mitarbeiter, Vertreter und treuen Leser. Das Verst\u00e4ndnis Letzterer war unbedingt mitentscheidend, als im Januar 1991 durch den &#8220;Plano Color&#8221; alle Geldeinlagen &#8211; darunter auch die bereits deponierten Abonnementsgeb\u00fchren &#8211; &#8220;eingefroren&#8221; wurden.<br \/>\nJedoch, seit Gr\u00fcndung der Brasil-Post ist \u00fcber ein halbes Jahrhundert vergangen, und die Zeit hat sich sehr ver\u00e4ndert, wird im allgemeinen und auf allen Ebenen von materiell ausgerichteter Denkungsart gepr\u00e4gt. Auch fand und findet ein Generationswechsel statt. Die meisten Pers\u00f6nlichkeiten, die Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts von der Wichtigkeit eines deutschen Kulturtr\u00e4gers \u00fcberzeugt waren und das in jeder Weise unter Beweis stellten, deckt l\u00e4ngst der gr\u00fcne Rasen.<\/p>\n<p>Die heutige Generation der Manager &#8211; Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel &#8211; hat kaum eine emotionelle Bindung zum deutschen Kulturgut, kein Interesse durch Anzeigenschaltung &#8211; das finanzielle R\u00fcckgrat jeder Zeitung &#8211; einen Kulturtr\u00e4ger zu f\u00f6rdern. Anzeigen bedeuten f\u00fcr sie Werbung f\u00fcr die Produkte des Unternehmens und Werbung mu\u00df Erfolg ausweisen, den Firmen materiellen Gewinn einbringen. Bei Anzeigenschaltung in einem Kulturtr\u00e4ger wird zwar die Firma pr\u00e4sentiert, bringt aber kaum materiellen Gewinn. Also, F\u00f6rderung eines Kulturtr\u00e4gers ist nicht mehr interessant und nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Diese Tatsache machte sich in den letzten drei Jahren verst\u00e4rkt bemerkbar. Nur Sonderausgaben wie z.B. &#8220;Wirtschaftstage&#8221; konnten eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl yon Anzeigen erzielen.<\/p>\n<p>Mit dem finanziellen Erl\u00f6s der Sonderausgaben und einer zus\u00e4tzlichen &#8220;Finanzspritze&#8221; aus dem &#8220;Sparstrumpf&#8221; der Farnilie Dormien kamen wir bisher &#8220;um die Runde&#8221;.<\/p>\n<p>Doch in diesem Jahr verschlechterte sich unsere finanzielle Situation besorgniserregend. Meine gro\u00dfeHoffnung war unsere Sonderausgabe anl\u00e4\u00dflich der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage in Frankfurt. Leider, leider ein totaler Fehlschlag. Von rund 30 angeschriebenen und angesprochenen Unternehmen war das Resultat kl\u00e4glich, gerade sechs Anzeigen. Das langte kaum, um die zus\u00e4tzlichen Spesen &#8211; u.a. h\u00f6here Auflage, Versand und Verteilung der Brasil-Post in Frankfurt &#8211; zu decken.<\/p>\n<p>Was nun&#8230; Ich klagte meine Sorgen Generalkonsul Matthias von Kummer und war erfreut, da\u00df er unsere Brasil-Post sch\u00e4tzt und ihren Fortbestand bejaht. Doch schnelle Hilfe tat Not. Generalkonsul von Kummer, der uns seitens der Bundesrepublik Deutschland keine finanzielle Hilfe vermitteln kann &#8211; Vorschriften, Richtlinien der deutschen Au\u00dfenpolitik &#8211; setzte sich f\u00fcr uns ein, machte sich zu unserem F\u00fcrsprecher bei der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer (AHK), jedoch ohne Erfolg!<\/p>\n<p>Dank der Bem\u00fchungen des Generalkonsuls und Rolf Wiegel, Pr\u00e4sident des Club Transatlantico, fand sich eine Pers\u00f6nlichkeit, die ab 2013 &#8211; dem deutschen Jahr &#8211; mit Investoren eine neue, zeitgem\u00e4\u00dfe Brasil-Post herausgeben will,<\/p>\n<p>Die Zeitung, weiterhin \u00fcberregional, wird dem neuen Zeitalter, dem 21. Jahrhundert, angepa\u00dft werden. Modern, redaktionell brisanter, neues Layout, Farbdruck, kurz gesagt, eben zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem zweisprachig, um eine zus\u00e4tzliche Zielgruppe von Lesern und Inserenten zu erfassen. Bei k\u00fcnftigen Inserenten sol1 sich der Schwerpunkt auf Firmen konzentrieren, die mit ihrer Anzeigenschaltung eine effektive Werbung ihrer Produkte anstreben und somit den erwarteten Erfolg erzielen.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen dieses neuen Projekts laufen, jedoch der Start der neuen Brasil-Post soll erst 2013 erfolgen. Und bis dahin&#8230;?<\/p>\n<p>Der drastische R\u00fcckgang der Anzeigenauftr\u00e4ge deckt bei weitem nicht die monatlich anfallenden Spesen. Und obwohl eine Stillegung des Verlags, der Firma Editora Brasil-Post, die gesetzliche Abfindung der Angestellten &#8211; teils 20 Jahre und l\u00e4nger &#8211; einen horrenden Betrag erfordert, haben wir uns dazu durchgerungen bzw. entschlossen. Privat h\u00e4tten wir die per Gesetz erforderlichen Betr\u00e4ge nicht aufbringen k\u00f6nnen. Darlehen bei der Bank infolge des Zinssatzes sind untragbar. Doch, Gott sei es gedankt, wir haben noch wahre Freunde, die uns zur Seite stehen!<\/p>\n<p>So erscheint heute die letzte von mir ausgearbeitete Ausgabe der Brasil-Post. Unsere treuen Abonnenten bitte ich um verst\u00e4ndnisvolle Nachsicht und Geduld. Im neuen Jahr wird die Brasil-Post im &#8220;neuen Gewand&#8221; wieder pr\u00e4sent sein.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich nochmals hervorheben, da\u00df mir der Entschlu\u00df, die Herausgabe unserer Brasil-Post einzustellen, unsagbar schwer gefallen ist. In unz\u00e4hligen schlaflosen N\u00e4chten \u00fcberpr\u00fcfte ich noch und noch alle bereits durchgef\u00fchrten Sparma\u00dfnahmen, sowie angestrebten Einnahmem\u00f6glichkeiten, doch die Situation war und ist aussichtslos, fordert eine dementsprechende Entscheidung.<\/p>\n<p>So bin ich nun heute gezwungen, mich zu verabschieden, in der Hoffnung und mit der Bitte, um wohlwollendes Verst\u00e4ndnis, sowie aufrichtigem Dank an alle, die in freundschaftlicher Verbundenheit unsere Brasil-Post und mich 52 Jahre begleitet haben, mir mit Rat und Tat zur Seite standen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brasil-Post, 62. Jahrgang, Nr. 3203 Sao Paulo, 28. September 2012 Alles hat seine Zeit: Unsere Brasil-Post &#8211; nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df Von Ursula Dormien Alle Dinge haben ihre Lebenszeit. Nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen haben eines Tages ein Ende. Es ist ein Gesetz, dem sich niemand entziehen kann. Auch eine Zeitung ist dem unterworfen. 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