{"id":13619,"date":"2012-11-12T07:09:37","date_gmt":"2012-11-12T10:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13619"},"modified":"2012-11-11T13:19:45","modified_gmt":"2012-11-11T16:19:45","slug":"uber-faulheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/11\/12\/uber-faulheit\/","title":{"rendered":"\u00dcber Faulheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sind wir auf dem Weg in die Hirnlosigkeit?<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Hirn11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Hirn11.jpg\" alt=\"\" title=\"Hirn11\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignright size-full wp-image-13622\" \/><\/a>Die Faulheit ist eine gro\u00dfe evolution\u00e4re Errungenschaft. Faulheit ist der umgangssprachliche Ausdruck f\u00fcr effiziente Energienutzung. Ein Grasfresser auf einer saftigen Wiese, der st\u00e4ndig umherrennt, um eine noch saftigere zu finden, verbraucht mehr Energie als er aufnimmt und f\u00e4llt vom Fleisch. Gleiches gilt f\u00fcr ein Raubtier, das jedem potenziellen Beutetier nachjagt, statt sich auf die langsamen, kranken und alten zu konzentrieren. Im Kampf ums Dasein haben Energiesparer Vorteile gegen\u00fcber Verschwendern.<\/p>\n<p>Allerdings reicht Faulheit allein f\u00fcr den Erfolg nicht aus. Bei D\u00fcrre m\u00fcssen die Grasfresser weit wandern, um etwas Fressbares zu finden, und sie m\u00fcssen wissen, wohin. Und die Raubtiere m\u00fcssen ihnen folgen, neue Taktiken f\u00fcr die Jagd entwickeln oder sich von Rehen auf M\u00e4use umstellen. Die Erg\u00e4nzung der Faulheit ist Kreativit\u00e4t, Leistungsbereitschaft, Erfahrung. Man kann auch Intelligenz dazu sagen. Deshalb sind junge Tiere nicht faul. Wenn sie nicht schlafen oder fressen, tollen sie herum, spielen, ringen. Sie \u00fcben K\u00f6rper und Hirn in Fertigkeiten, die sie sp\u00e4ter in Zeiten widriger Lebensumst\u00e4nde brauchen werden.<\/p>\n<p>Wenn Intelligenz die m\u00fchsam einge\u00fcbte zeitweilige \u00dcberwindung von Faulheit ist, dann zeugt die Abwesenheit solcher \u00dcberwindung notwendigerweise von \u2013 Dummheit. Dumme Tiere \u00fcberleben nicht. Sie verhungern oder werden gefressen.<\/p>\n<p>Wir Menschen sind Meister in der Umgehung oder Verringerung widriger Lebensumst\u00e4nde. Wenn es kalt ist, bekleiden wir uns und machen Feuer. Wenn es regnet, gehen wir unters Dach. Um nicht m\u00fchsam wilde K\u00f6rner und Knollen zu suchen oder einen Braten zu erjagen, haben wir Ackerbau und Viehzucht erfunden. Reitpferd und Ochsenpflug verdanken wir Faulpelzen. Leute, welche die Arbeit lieben, h\u00e4tten fortgefahren, zu laufen und mit dem Grabstock zu schwitzen. Seit Zug, Auto und Waschmaschine k\u00f6nnten wir uns im Grunde jedes k\u00f6rperliche Training ersparen. Wir \u00fcberleben auch so; ein Triumph der k\u00f6rperlichen Faulheit.<\/p>\n<p>Dass es uns trotzdem noch gibt, haben wir unserem Hirntraining zu verdanken. All die Vorrichtungen und Methoden, die unsere Muskeln entlasten, sind Ergebnisse scharfer Beobachtung, konzentrierten Nachdenkens und einer langen Kette von Versuchen und Misserfolgen. Es versteht sich von selbst, dass dieses Hirntraining bei Erfindern, Entwicklern, Produzenten, Verteilern erheblich intensiver war und ist als beim Rest von uns.<\/p>\n<p>Immerhin waren die Produkte und Methoden zur Lebenserleichterung bisher so unvollkommen, dass es f\u00fcr unser Normalhirn noch allerlei zu leisten gab. Manche der Produkte waren zu teuer, manche der Methoden zu kompliziert, um ihren Nutzen zu rechtfertigen. Oft war etwas zu reparieren oder zur Reparatur zu tragen. Viele Arbeits- und Lebensbereiche waren nicht systematisiert oder automatisiert, so dass man, wenn man intelligent war, seinem Hirn eigene L\u00f6sungen abringen musste. Das klappte, wenn das Hirn trainiert, also nicht von Faulheit infiziert war.<\/p>\n<p>Neuerdings jedoch befreit uns die Technik t\u00e4glich von neuen Anforderungen ans Hirn. Artefakte werden nicht mehr repariert, sondern ausgetauscht. Auswahl und Einkauf erfolgen online. Am Arbeitsplatz sind wir der M\u00fche enthoben, Probleme zu analysieren und zu l\u00f6sen. Wir brauchen nur noch im System die passende vorgefertigte L\u00f6sung zu suchen und auszudrucken. In den USA verkehren bereits Autos, die ohne Fahrer auskommen (oder mit einem, der mit dem Beifahrer Karten spielt und Bier trinkt). Die Elektronikindustrie zeigt stolz den Zukunftshaushalt, in dem man einem Sensor m\u00fcndlich den Auftrag erteilt, die Temperatur zu ver\u00e4ndern, diese oder jene Leuchte an- oder auszuschalten oder dem Roboter zu befehlen, die K\u00fcche zu wischen. Spielen findet immer seltener im Garten, auf der Stra\u00dfe oder am Bach statt, sondern an der Spielkonsole.<\/p>\n<p>Wir bilden uns ein, intelligent zu sein, wenn wir die Handhabung des neuesten iPhones schnell begreifen. Dabei vergessen wir, dass dies nur eine winzige Fortentwicklung unserer jahrealten Routine im Umgang mit elektronischen Spielzeugen ist. Darauf sollten wir uns genau so wenig einbilden wie ein auf der faulen Haut liegender Hund es darf, der den neuen Postboten genauso anbellt wie dessen Vorg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Wir bekommen immer weniger gelehrt, noch werden wir angehalten zu lernen, wie mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen sei. Unser Hirntraining beschr\u00e4nkt sich zunehmend darauf, wie jene immer neuen, von Anderen vorgesehenen, Probleml\u00f6sungen umzusetzen sind. In der Entwicklung unserer Intelligenz sind wir derart auf vorgegebene technische Dinge fokussiert, dass wir den wesentlichen Ver\u00e4nderungen in unserer Umwelt, die unser k\u00fcnftiges Leben und das unserer Nachkommen betreffen, kaum noch Aufmerksamkeit schenken. Die Politik verstehen wir nicht mehr oder verachten sie. Bev\u00f6lkerungsexplosion, Klimawandel und Artensterben empfinden wir als bedrohlich, halten uns jedoch f\u00fcr au\u00dferstande, etwas zur Besserung beizutragen.<\/p>\n<p>Das Symbol der k\u00f6rperlichen Faulheit ist die verbreitete Fettleibigkeit. Wollen wir wirklich, dass es demn\u00e4chst durch das Symbol der massiven Magerhirnigkeit erg\u00e4nzt wird?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind wir auf dem Weg in die Hirnlosigkeit? Von Friedbert W. 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