{"id":13741,"date":"2012-11-23T22:26:03","date_gmt":"2012-11-24T01:26:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13741"},"modified":"2012-11-25T13:27:00","modified_gmt":"2012-11-25T16:27:00","slug":"kultur-sternstunde-im-colon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/11\/23\/kultur-sternstunde-im-colon\/","title":{"rendered":"Kultur-Sternstunde im Col\u00f3n"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Mauricio Kagels &#8220;Zwei-Mann-Orchester&#8221; wurde der Bicentenario-Saal im 3. Untergeschoss des Teatro Col\u00f3n in Buenos Aires eingeweiht<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/kagel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/kagel.jpg\" alt=\"\" title=\"kagel\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13743\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/kagel.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/kagel-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDer 2009 in K\u00f6ln verstorbene argentinische Komponist Mauricio Kagel schrieb \u00fcber sein Werk &#8220;Zwei-Mann-Orchester&#8221; (1971\/1973): &#8220;Im Verlauf der Proben wurde erst in erschreckender Weise deutlich, wie abnorm und zugleich vertraut ein Mensch wirken kann, der musikalische Flie\u00dfband-Aktionen darzustellen hat. Vielleicht ist ein solcher Eindruck eine Vorahnung. Denn dieses St\u00fcck ist schlie\u00dflich einer Institution gewidmet, die in Gefahr steht, auszusterben: dem Orchester.&#8221;<\/p>\n<p>Dieses Meisterwerk der Musikgeschichte feierte am vergangenen Wochenende dank der Organisation des Goethe-Instituts Buenos Aires im Rahmen des von Mart\u00edn Bauer koordinierten &#8220;Zyklus Zeitgen\u00f6ssischer Musik&#8221; im Bicentenario-Saal des Teatro Col\u00f3n seine Lateinamerikapremiere. Drei Vorstellungen waren vorgesehen in dem mit dem &#8220;Zwei-Mann-Orchester&#8221; eingeweihten neuen Saal f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik, am Samstagnachmittag wurde noch kurzfristig eine Sondervorstellung programmiert, so gro\u00df war die Nachfrage. Im Publikum waren alle Altersgruppen vertreten &#8211; von 8 bis 80.<\/p>\n<p>Wer das Werk der beiden Super-Instrumentalisten Wilhelm Bruck und Matthias W\u00fcrsch gesehen hat, wird es sicher als eine Sternstunde sowohl als Musik- wie als Theatererlebnis in seiner geistigen Schatztruhe abspeichern.<\/p>\n<p>Schon der B\u00fchnenaufbau des Werkes ist ein Kunstwerk (Mauricio Kagels Frau, die Bildhauerin Ursula Burghardt, war ma\u00dfgeblich daran beteiligt). Es sind zwei &#8220;Schaltzentralen&#8221; rechts und links mit jeweils einem Hocker in der Mitte, auf dem die Musiker sitzen und von wo aus sie mit H\u00e4nden, F\u00fc\u00dfen, Z\u00e4hnen, Kopf und R\u00fccken Instrumente, Maschinen oder Werkzeuge zum Klingen bringen. Mit anderen klangerzeugenden Elementen sind sie \u00fcber Gurte, mit Seilen, Stricken oder Schl\u00e4uchen verbunden. Die T\u00f6ne entlocken sie den Klangk\u00f6rpern auf die scheinbar schwierigste Art &#8211; so nimmt Wilhelm Bruck etwa das Tambourin in den Mund, so dass das Trommelfell nach au\u00dfen zeigt, dann bewegt er mit dem Fu\u00df einen langen Schlegel, und schl\u00e4gt dann den mit dem Tambourin bewaffneten Kopf gegen den Schlegel.<\/p>\n<p>Fast will man lachen, aber die Musiker agieren mit einem solch heiligen Ernst und solch \u00fcbermenschlichem K\u00f6rpereinsatz, dass deutlich wird, dass das hier nicht &#8220;zum Spa\u00df&#8221; geschieht, dass es eher eine Art Untergangsmusik ist, oder wie Kagel es beschrieb, eine Hommage an eine aussterbende Institution.<\/p>\n<p>Unm\u00f6glich, dieses wundersame Orchesterwerk zu beschreiben, in dem die Musiker zu stummen Maschinen werden, die an den Klangk\u00f6rpern ziehen, sie schlagen, pr\u00fcgeln, hauen, streicheln, Sand auf sie sch\u00fctten, sie \u00fcber andere Gegenst\u00e4nde zerren, um ihnen T\u00f6ne zu entlocken, sie verbiegen, und so ein Rascheln, Klingeln, Pochen, Rauschen, Gluckern, Pusten und Prusten erzeugen, aus dem sich nur dann und wann etwas &#8220;Erkennbares&#8221; herauskristallisiert wie eine Sirene, ein Zug, oder Zitate aus der Musikgeschichte.<\/p>\n<p>Auff\u00fchrungen sind noch am 29. und 30.11. sowie 1.12. im Centro Cultural Parque de Espa\u00f1a (Rosario) und am 8., 9. und 10.12. im Centro Cultural General Paz (C\u00f3rdoba). Infos auf der <a href=\"http:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/bue\/esindex.htm?wt_sc=buenosaires\">Webseite des Goethe-Instituts Buenos Aires<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nMauricio Kagel, &#8220;Zwei-Mann-Orchester&#8221;. Basler Fassung 2011. Spieler: Wilhelm Bruck und Matthias W\u00fcrsch.<br \/>\n(Foto: Ute Schendel\/Paul Sacher Stiftung)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Mauricio Kagels &#8220;Zwei-Mann-Orchester&#8221; wurde der Bicentenario-Saal im 3. 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