{"id":13841,"date":"2012-12-02T12:18:17","date_gmt":"2012-12-02T15:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13841"},"modified":"2012-12-02T12:18:17","modified_gmt":"2012-12-02T15:18:17","slug":"multitasking-im-17-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/12\/02\/multitasking-im-17-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Multitasking im 17. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gro\u00dfe Rubens-Schau im Wuppertaler Von der Heydt-Museum<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens1.jpg\" alt=\"\" title=\"rubens1\" width=\"500\" height=\"388\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13859\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens1-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nW\u00e4hrend er ausnahmsweise einmal nicht auf Reisen war und in seinem Antwerpener Atelier voller Inbrunst und Hingabe an einem Gem\u00e4lde arbeitete, lie\u00df sich Peter Paul Rubens von einem Assistenten aus Tacitus vorlesen. Einem anderen Assistenten diktierte er gleichzeitig einen Brief, und ganz nebenbei hatte er auch noch die Zeit und Mu\u00dfe, einem Besucher Rede und Antwort zu stehen. Von dieser ganz erstaunlichen Mehrfachbegabung berichtet jedenfalls ein zeitgen\u00f6ssischer d\u00e4nischer Arzt, der das Gl\u00fcck hatte, das wohl wichtigste Malergenie des 17. Jahrhunderts h\u00f6chstpers\u00f6nlich erleben zu d\u00fcrfen, in seinen Briefen.<\/p>\n<p>Dass der 1577 im s\u00fcdwestf\u00e4lischen Siegen geborene Peter Paul Rubens weit mehr war als der Maler \u00fcppiger, barocker Frauengestalten und verkl\u00e4render Heiligendarstellungen, stellt jetzt eine opulent ausgestattete Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum unter Beweis. Anhand von rund 40 eigenh\u00e4ndigen Rubens-Werken, die um zahlreiche Arbeiten aus der Werkstatt und dem k\u00fcnstlerischen Umfeld des Antwerpener Meisters erg\u00e4nzt werden, wagt die Schau die These, dass Rubens, w\u00e4re er nicht durch seine Malerei ber\u00fchmt geworden, auch als Diplomat im Dienste verschiedener europ\u00e4ischer Herrscherh\u00e4user zu Ruhm und Ehre gekommen w\u00e4re. Neben vielen gro\u00dfformatigen Gem\u00e4lden sind in der von Gerhard Finckh und Nicole Hartje-Grave kuratierten Schau auch Arbeiten auf Papier, Tapisserien, B\u00fccher und Briefe zu sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens22.jpg\" alt=\"\" title=\"rubens22\" width=\"250\" height=\"322\" class=\"alignright size-full wp-image-13863\" \/><\/a>Sein Vater, ein angesehener Antwerpener Jurist, hatte seine Heimatstadt einst unter dramatischen Umst\u00e4nden verlassen m\u00fcssen. Ihm wurde vorgeworfen, Calvinist zu sein. Ein Verdacht, der nie ganz aufgekl\u00e4rt werden konnte. Peter Paul Rubens selbst, der nach dem Tod des Vaters im Alter von 22 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern aus dem deutschen Exil nach Antwerpen zur\u00fcckgekehrt war, entwickelte sich dort geradezu zu einem Propagandisten der bildgewaltigen katholischen Gegenreformation. In den gro\u00dfen europ\u00e4ischen K\u00f6nigsfamilien, im katholischen Klerus, aber auch in den Patriziern, Z\u00fcnften, Gilden und Ratsherren seiner Heimatstadt Antwerpen fand er finanzkr\u00e4ftige Abnehmer, die es ihm erm\u00f6glichten, einen florierenden Atelierbetrieb mit bis zu 100 Mitarbeitern zu unterhalten.<\/p>\n<p>Trotz aller k\u00fcnstlerischen und wirtschaftlichen Erfolge: Peter Paul Rubens lebte in bewegten und kriegerischen Zeiten. Sein Privileg, als europaweit anerkannter K\u00fcnstler zwischen den verfeindeten Herrscherh\u00e4usern verkehren zu k\u00f6nnen, betrachtete er als Verpflichtung, sich f\u00fcr den Frieden in Europa einzusetzen. Dass seine Malerei dabei nicht als blo\u00df illustrierendes sondern als selbstbewusst argumentierendes Medium nonverbaler Kommunikation diente, unterstreicht die Wuppertaler Schau anhand zahlreicher Beispiele. Antike und alttestamentarisch unterf\u00fctterte Allegorien auf Krieg und Frieden lieferten den Betrachtern seiner Zeit Anschauungsmaterial und Argumentionshilfen &#8211; auch zum Verst\u00e4ndnis und zur Aufl\u00f6sung aktuell bestehender Konflikte. So zum Beispiel das aus dem Budapester Sz\u00e9pm\u00fcv\u00e9szeti M\u00fazeum stammende Gem\u00e4lde &#8220;Mucius Scaevola vor Porsenna&#8221; von 1626-28. Vor der Erz\u00e4hlfolie einer Episode aus der r\u00f6mischen Geschichte zeigt Rubens, zu welchem menschlichen Unrecht irregeleiteter Zorn f\u00fchren kann. Dieses und sieben weitere Gem\u00e4lde im Gep\u00e4ck, gelang es Rubens, den spanischen K\u00f6nig Philipp IV. davon zu \u00fcberzeugen, f\u00fcr ihn Friedensverhandlungen mit seinem englischen Widerpart, K\u00f6nig Karl I., f\u00fchren zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens33.jpg\" alt=\"\" title=\"rubens33\" width=\"250\" height=\"310\" class=\"alignleft size-full wp-image-13861\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens33.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/rubens33-241x300.jpg 241w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Die Wuppertaler Ausstellung, die ihre Materialf\u00fclle nicht zuletzt der derzeitigen Renovierung und mehrj\u00e4hrigen Schlie\u00dfung des Antwerpener Museums voor Schone Kunsten verdankt, beschr\u00e4nkt sich jedoch nicht nur auf Rubens\u2019 bisher untersch\u00e4tzte diplomatische Qualit\u00e4ten. In insgesamt acht biografisch untermauerten Themenkreisen wird unter anderem untersucht, wie Rubens den Bilderhunger seiner ganz unterschiedlichen Auftraggeber, n\u00e4mlich Kirche, Hochadel und verm\u00f6gendes B\u00fcrgertum, einerseits bediente, andererseits aber stets darauf achtete, seine eigene humanistische Weltanschauung nicht zu verleugnen &#8211; und sei es in Form kleinster Nebenerz\u00e4hlungen, die nur wenige zeitgen\u00f6ssische Insider \u00fcberhaupt dechiffrieren konnten.<\/p>\n<p>Der Tatsache, dass Rubens\u2019 barocke Meisterwerke von heutigen Zeitgenossen nur noch bis zu einem gewissen Grade gelesen und verstanden werden k\u00f6nnen, tr\u00e4gt die Wuppertaler Schau Rechnung, indem sie sowohl in den erl\u00e4uternden Saaltexten als auch im wissenschaftlich hervorragend erarbeiteten Katalog das historische und geistesgeschichtliche Umfeld seiner Malerei ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert. Rubens selbst war es leider nicht verg\u00f6nnt, den von ihm so herbeigesehnten europ\u00e4ischen Frieden noch zu erleben. Acht Jahre vor dem Westf\u00e4lischen Friedensschluss 1648 in M\u00fcnster stirbt er, von Gicht gel\u00e4hmt und nur 62 Jahre alt, 1640 in seinem Haus in Antwerpen.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Peter Paul Rubens<\/li>\n<li>Ort: Von der Heydt-Museum, Wuppertal<\/li>\n<li>Zeit: bis 28.2.2013<\/li>\n<li>Katalog: 368 S., 25 Euro<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.rubens-ausstellung.de\/\">Webseite der Ausstellung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/vdh.netgate1.net\/\">Webseite des Museums<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Peter Paul Rubens, &#8220;Wildschweinjagd&#8221;, um 1615\/16. Foto: Marseilles, Mus\u00e9e des Beaux-Arts.<\/p>\n<p>Peter Paul Rubens, &#8220;Der hl. Franziskus empf\u00e4ngt das Jesukind aus den H\u00e4nden der Madonna&#8221;, \u00d6l auf Leinwand, 234 x 184 cm. Lille, Palais des Beaux-Arts.<\/p>\n<p>Peter Paul Rubens, &#8220;Venus und Amor&#8221;, um 1615. Madrid, Museo Thyssen-Bornemisza.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfe Rubens-Schau im Wuppertaler Von der Heydt-Museum Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas W\u00e4hrend er ausnahmsweise einmal nicht auf Reisen war und in seinem Antwerpener Atelier voller Inbrunst und Hingabe an einem Gem\u00e4lde arbeitete, lie\u00df sich Peter Paul Rubens von einem Assistenten aus Tacitus vorlesen. 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