{"id":13994,"date":"2013-01-08T12:37:48","date_gmt":"2013-01-08T15:37:48","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=13994"},"modified":"2013-01-09T13:36:53","modified_gmt":"2013-01-09T16:36:53","slug":"von-fehmarn-in-die-pampa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/01\/08\/von-fehmarn-in-die-pampa\/","title":{"rendered":"Von Fehmarn in die Pampa"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die argentinische K\u00fcnstlerin Mar\u00eda Elena Mackeprang und ihre Vorfahren<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang1.jpg\" alt=\"\" title=\"mackeprang1\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14083\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nStarke Blaut\u00f6ne: Meer, K\u00fcste, weiter Horizont, dazu noch einige Boote. Die Bilder k\u00f6nnten eigentlich die Ostseeinsel Fehmarn darstellen, denke ich, der ich mehrere Jahre als Lokalredakteur beim Fehmarnschen Tageblatt gearbeitet habe. Ich bin auf der <a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/11\/05\/jung-und-frech-2\/\">Kunstmesse EGGO<\/a> im Kulturzentrum Recoleta von Buenos Aires, wo rund 300 argentinische K\u00fcnstler an die 1000 Werke pr\u00e4sentieren. Ich schlendere durch den Ausstellungsraum einer K\u00fcnstlergruppe aus der Kleinstadt Coronel Su\u00e1rez im S\u00fcden der Provinz Buenos Aires, als die erw\u00e4hnten Exponate, die mich so sehr an meine Heimatregion an der Ostsee erinnern, meinen Blick fesseln.<\/p>\n<p>Ich traue meinen Augen kaum, als ich auf der Infotafel neben den Bildern auch noch einen Namen lese, der wie nur wenige andere mit Fehmarn verbunden wird: Mackeprang, Mar\u00eda Elena Mackeprang, so hei\u00dft die Malerin, von der die maritimen Pinselstriche stammen. Wie kann das sein? Schlie\u00dflich sind die Ostseeinsel und die Kleinstadt Coronel Su\u00e1rez im S\u00fcden der Provinz Buenos Aires bestimmt 12.000 Kilometer voneinander entfernt. Wie gro\u00df kann der Zufall sein? Viele Verbindungslinien h\u00e4tte man ja eigentlich nicht erwarten d\u00fcrfen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, die Frage zu kl\u00e4ren, wie der klassische Fehmarn-Name Mackeprang in die argentinische Pampa gekommen ist. Letzteres ist \u00fcbrigens nicht abwertend gemeint, sondern bezeichnet die Grassteppe am R\u00edo de la Plata.<\/p>\n<p>Der Kontakt ist relativ leicht hergestellt. Auf der Kunstmesse erhalte ich von der K\u00fcnstlergruppe &#8220;Isidoro Espacio de Arte&#8221; die n\u00f6tigen Daten. Und gleich in der ersten E-Mail best\u00e4tigt Mar\u00eda Elena meine Ahnung: Ihre Vorfahren stammen urspr\u00fcnglich von Fehmarn. Das ist f\u00fcr mich spannend genug. Ich beschlie\u00dfe, mit dem Nachtbus von Buenos Aires ins 450 Kilometer entfernte Coronel Su\u00e1rez zu fahren, eine Kleinstadt mit rund 40.000 Einwohnern, bekannt f\u00fcr seine exzellenten Polo-Spieler und mehrere Kolonien von Wolgadeutschen &#8211; aber das sind andere Geschichten.<\/p>\n<p>Die Gegend ist von der Landwirtschaft gepr\u00e4gt. Flaches Weide- und Ackerland, weit hinten im Westen erhebt sich am Horizont die Bergsilhouette der Sierra de la Ventana. Der Ort selber ist wie viele andere St\u00e4dte in Argentinien schachbrettartig angelegt. Im Zentrum ein gro\u00dfer park\u00e4hnlicher Platz, an dem sich auch die wichtigsten Geb\u00e4ude wie Kirche, Rathaus und Gesch\u00e4fte befinden.<\/p>\n<p>Nicht weit davon entfernt befindet sich das K\u00fcnstlerhaus &#8220;Isidoro&#8221;, benannt nach Manuel Isidoro Su\u00e1rez, dem Freiheitsk\u00e4mpfer und Namensgeber der Stadt. Die Einrichtung wurde vor vier Jahren von der Malerin Sonia G\u00f3mez de Carrique ins Leben gerufen und bietet K\u00fcnstlern aus der Region Gelegenheit, ihre Werke auszustellen. Unter ihnen auch Mar\u00eda Elena Mackeprang.<\/p>\n<p>In einem Raum voller Bilder sitzt mir die 68-J\u00e4hrige bei einer Tasse Kaffee gegen\u00fcber. Voller Neugierde m\u00f6chte ich nun die Frage kl\u00e4ren, wie die Mackeprangs bis nach Argentinien gekommen sind. &#8220;Ja, es stimmt. Die Urv\u00e4ter sind von Fehmarn. Wehrhafte Leute, die schon im Mittelalter f\u00fcr die Freiheit der Insel k\u00e4mpften&#8221;, erl\u00e4utert die K\u00fcnstlerin, die einen Stammbaum ihrer Vorfahren dabei hat. Diesen hat ihr vor einigen Jahren ihr Namensvetter Michael Mackeprang, wohnhaft in Burg auf Fehmarn, zugesandt. Ein Familienforscher, der im Jahr 2000 Kontakt zu dem Familienzweig in Argentinien aufnahm.<!--more--><\/p>\n<p>Sicher ist demnach, dass sich die Familienlinie bis zu dem um 1450 in Neujellingsdorf auf Fehmarn geborenen Bauern Tewes Mackeprang zur\u00fcckverfolgen l\u00e4sst. Nicht ganz gekl\u00e4rt ist indes, weshalb sich Mar\u00eda Elenas Vorfahren im 17. Jahrhundert entschlossen, den Fehmarnbelt zu \u00fcberqueren, und in D\u00e4nemark blieben. Mit J\u00f6rgen-Johan wird um 1665 jedenfalls ein Mackeprang im d\u00e4nischen R\u00f8dby geboren. Diese Linie in D\u00e4nemark geht weiter bis Hans-J\u00f6rgen-Philip Mackeprang, der 1811 auf der d\u00e4nischen Insel M\u00f8n zur Welt kommt. Er, der Ur-Urgro\u00dfvater Mar\u00eda Elenas, sollte f\u00fcr die Familienchronik vor allem deswegen wichtig werden, weil er den Namen Mackeprang bis ans andere Ende der Welt trug.<\/p>\n<p>Die Umst\u00e4nde, die zu diesem bemerkenswerten Schritt f\u00fchrten, beschrieb sein Sohn Christian viele Jahre sp\u00e4ter: Demnach waren es vor allem die Trauer um den Tod seiner Frau und dazu schlecht gehende Gesch\u00e4fte, die Hans-J\u00f6rgen-Philip Mackeprang empf\u00e4nglich machten f\u00fcr den Vorschlag seines Freundes Johan Fugl, in Argentinien ein neues Leben anzufangen. Fugl kannte das Land in S\u00fcdamerika bereits und versuchte nun d\u00e4nische Landsleute zu gewinnen, dort eine Siedlerkolonie zu gr\u00fcnden. Er selber wollte eine M\u00fchle betreiben. 1859 stachen Fugl und 18 Gleichgesinnte in Hamburg in See, um in der Ferne ihr Gl\u00fcck zu suchen. Mackeprang nahm sechs S\u00f6hne und eine kleine Tochter mit auf die beschwerliche \u00dcberfahrt. Angekommen in Argentinien, zogen sie nach Tandil im S\u00fcden der Provinz Buenos Aires.<\/p>\n<p>Von Beginn an machten sich die Mackeprangs in \u00dcbersee einen Namen in Sachen Kultur. &#8220;Sie waren Bohemiens&#8221;, beschreibt es Mar\u00eda Elena. Bereits Hans-J\u00f6rgen-Philip wirkte als Organist in der Kirche des Ortes und bet\u00e4tigte sich als Maler und Glasbl\u00e4ser. Sein Sohn Christian folgte dem Beispiel des Vaters, was kulturelles Schaffen anbelangt. Er er\u00f6ffnete in Tandil einen Festsaal f\u00fcr die d\u00e4nische Gemeinschaft, in dem Konzerte gegeben und Theaterst\u00fccke aufgef\u00fchrt wurden. Christian Mackeprang leitete ein eigenes Orchester. Er selbst spielte Geige. Zudem malte er. Bekannt wurden vor allem seine Wandgem\u00e4lde. 1939 starb er im stolzen Alter von 98 Jahren. In Tandil erinnert heute noch eine Stra\u00dfe an Christian Mackeprang. Die k\u00fcnstlerische Ader blieb in der Familie. Christians Sohn Axel, der Gro\u00dfvater Mar\u00eda Elenas, kam zwar durch Heirat zu Landbesitz, bet\u00e4tigte sich neben der Feldarbeit aber auch als Fotograf und Musiker. Lediglich Mar\u00eda Elenas Vater Horacio arbeitete ausschlie\u00dflich in der Landwirtschaft.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/mackeprang22.jpg\" alt=\"\" title=\"mackeprang22\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignright size-full wp-image-14084\" \/><\/a>Mar\u00eda Elena selbst arbeitete als Leiterin einer Sonderschule, widmete sich nach ihrer Pensionierung dann aber voll und ganz der Malerei. Ob ihre Vorliebe f\u00fcr maritime Motive etwas mit dem Ursprung ihrer Familie im Ostseeraum zu tun hat? Gut m\u00f6glich. &#8220;Etwas davon haben die Vorfahren bestimmt an mich weitergegeben&#8221;, so die Malerin. Fest steht, dass die See ihr gef\u00e4llt und sie beim Malen inspiriert: &#8220;Das Meer habe ich wohl im Blut.&#8221; Die K\u00fcnstlerin hat drei Kinder, die den Familiennamen ihres Mannes tragen. Sie selbst entschied sich, den Namen Mackeprang beizubehalten, da sie mit diesem in Coronel Su\u00e1rez besser bekannt sei. Die k\u00fcnstlerische Tradition der Familie in Argentinien d\u00fcrfte bei der Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben.<\/p>\n<p>Dass der Name in Argentinien weiterlebt, ist auch durch die vier S\u00f6hne von Mar\u00eda Elenas Bruder Horacio gesichert, die alle Mackeprang hei\u00dfen. Einer von ihnen, Federico, betreibt in Mendoza sogar eine Brauerei, die ein Bier der Marke &#8220;Mackeprang&#8221; herstellt.<\/p>\n<p>An der Ostsee, der Heimatregion der Vorfahren, war sie noch nicht, erz\u00e4hlt Mar\u00eda Elena. Doch dies sei ein Traum, den sie hofft, eines Tages realisieren zu k\u00f6nnen. Ich selbst mache mich auf die R\u00fcckfahrt nach Buenos Aires und lasse noch einmal die ganzen Zuf\u00e4lle Revue passieren, die mich nach Coronel Su\u00e1rez gef\u00fchrt haben. Manchmal ist die Welt tats\u00e4chlich ein Dorf &#8211; und Fehmarn nicht so weit weg, wie man eigentlich annehmen sollte.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Mar\u00eda Elena Mackeprang mit einem Zeitungsartikel \u00fcber ihren Urgro\u00dfvater Christian Mackeprang. Im Hintergrund eines ihrer Bilder mit maritimen Motiven.<\/p>\n<p>Bier der Marke &#8220;Mackeprang&#8221;, das ein Neffe der Malerin in Mendoza produziert.<\/p>\n<p>(Fotos: Marcus Christoph)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die argentinische K\u00fcnstlerin Mar\u00eda Elena Mackeprang und ihre Vorfahren Von Marcus Christoph Starke Blaut\u00f6ne: Meer, K\u00fcste, weiter Horizont, dazu noch einige Boote. 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