{"id":14157,"date":"2012-12-29T18:44:32","date_gmt":"2012-12-29T21:44:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=14157"},"modified":"2013-01-14T10:36:34","modified_gmt":"2013-01-14T13:36:34","slug":"zwischen-einzeller-und-universum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2012\/12\/29\/zwischen-einzeller-und-universum\/","title":{"rendered":"Zwischen Einzeller und Universum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg wagt eine Neubewertung des chilenischen Malers Matta<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta7.jpg\" alt=\"\" title=\"matta7\" width=\"500\" height=\"286\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14160\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta7.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta7-300x171.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nSeine Bilder sind raumgreifend in vielerlei Hinsicht. Zum einen bevorzugte Matta fast durchweg das gro\u00dfe, ja das ganz gro\u00dfe Format. Seine Gem\u00e4lde sind mit Breiten von bis zu sieben Metern so gro\u00df, dass sie nur als aufgerollte Leinw\u00e4nde von einem Ort zum anderen transportiert werden k\u00f6nnen. Zum anderen aber konstituieren sich auf seinen Bildern Raumsichten, die weit \u00fcber die gewohnten Dimensionen eines konventionellen Landschaftsgem\u00e4ldes hinausreichen. Matta entwirft ins Unendliche ausgedehnte R\u00e4ume, die die Bildwelten des Elektronenmikroskops mit denen des Weltraumteleskops verbinden. Vom Einzeller bis zum Universum, vereint er die unterschiedlichsten Wirklichkeitsebenen auf einer Leinwand, zus\u00e4tzlich angereichert mit phantastischen und surrealen Elementen, technischen Apparaturen und Andeutungen menschlicher Figuren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta22.jpg\" alt=\"\" title=\"matta22\" width=\"250\" height=\"193\" class=\"alignright size-full wp-image-14165\" \/><\/a>Explodierende Raumk\u00f6rper, durch den Kosmos driftende W\u00e4nde, Decken und B\u00f6den, bizarre Flugger\u00e4te neben Ampullen, Retorten, Robotern und \u00fcberdimensionalen Nervenzellen. Das alles vor schlammig nebul\u00f6sen Hintergr\u00fcnden, die immer wieder von grellen, signalartigen Farbexplosionen durchsto\u00dfen werden. Mattas Bilder sind ebenso phantastisch wie apokalyptisch, ebenso vision\u00e4r wie desillusionierend. Die konkreten Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der Konzentrationslager scheinen da ebenso durch wie diffuse Horrorszenarien einer zuk\u00fcnftigen Welt, in der Mensch und Technik, Individuum und Maschine zu hybriden Mischwesen verschmelzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta11.jpg\" alt=\"\" title=\"matta11\" width=\"250\" height=\"212\" class=\"alignleft size-full wp-image-14162\" \/><\/a>Der 1911 in Santiago de Chile geborene Maler, der seit seinem Umzug nach Paris mit 22 Jahren bis zu seinem Tod 2002 in Italien zum nomadisierenden Exilanten und Kosmopoliten wurde, nahm insgesamt dreimal an der documenta teil. Er stellte im New Yorker Museum of Modern Art ebenso aus wie auf der Biennale von Venedig. Sein Leben spielte sich zwischen Paris, New York und Rom ab. L\u00e4ngere Aufenthalte in Mexiko und Havanna kamen hinzu. Nach Chile ist der stets politisch links engagierte K\u00fcnstler nach dem Milit\u00e4rputsch 1973 nicht mehr zur\u00fcckgekehrt. Die von Naturgewalten geformten, \u00fcberaus vielf\u00e4ltigen Landschaften seines s\u00fcdamerikanischen Heimatlandes zwischen W\u00fcsten und Hochgebirge, Gletschern und Geysiren jedoch finden in seinen surrealen Panoramen ganz eindeutig ihren Niederschlag.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta5.jpg\" alt=\"\" title=\"matta5\" width=\"500\" height=\"210\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14166\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta5.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta5-300x126.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nRoberto Sebasti\u00e1n Antonio Matta Echaurren, der sich auf Anraten seines K\u00fcnstlerkollegen Salvador Dal\u00ed schlicht Matta nannte, ist in Deutschland immer noch relativ unbekannt. Das Hamburger Bucerius Kunst Forum m\u00f6chte das nun \u00e4ndern. Die als konzentrierte Retrospektive angelegte Schau &#8220;Matta. Fiktionen&#8221; versammelt rund 40, meist gro\u00dfformatige Gem\u00e4lde aus allen Schaffensphasen des K\u00fcnstlers. Um die suggestive Leuchtkraft und die r\u00e4umliche Tiefe seiner Gem\u00e4lde zu betonen, hat man sich im Bucerius Kunst Forum dazu entschlossen, Mattas Werke auf komplett schwarzen W\u00e4nden zu pr\u00e4sentieren. Au\u00dferdem wurden teils geschwungene W\u00e4nde eingebaut, die es erm\u00f6glichen, auch die Leinw\u00e4nde auf nach innen gew\u00f6lbten Keilrahmen zu pr\u00e4sentieren, was vielen Bildern eine zus\u00e4tzliche Sogkraft verleiht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta4.jpg\" alt=\"\" title=\"matta4\" width=\"500\" height=\"271\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14169\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta4.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta4-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nJedes seiner Werke sei &#8220;ein Fest, auf dem alle gl\u00fccklichen Zuf\u00e4lle versammelt sind, eine Perle, die wie ein Schneeball in allen physischen und geistigen Lichtern zugleich strahlt&#8221;, sagte Andr\u00e9 Breton, der Vordenker der Surrealisten, \u00fcber Matta. Zun\u00e4chst begeistert von der surrealistischen Gruppe aufgenommen, distanzierte sich diese sp\u00e4ter von ihm. 1948 erfolgte der Ausschluss. Matta, der immer auch das politische Weltgeschehen, das Schicksal des Menschen und neueste naturwissenschaftliche Erkenntnisse in seinen Bildern reflektierte, hatte sich in den Augen der Surrealisten wohl zu stark von den Tiefen und Untiefen des Unbewussten und der Abstraktion entfernt. Er selbst stilisierte sich fortan zum Au\u00dfenseiter. Eine Position, der er jedoch durchaus positive Aspekte abgewann: &#8220;Es gibt eine Logik des Au\u00dfenseiters, des Ausgegrenzten. Er muss andere Wege erfinden, und das dr\u00e4ngt ihn zum Abenteuer.&#8221;<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: &#8220;Matta. Fiktionen&#8221;<\/li>\n<li>Ort: Bucerius Kunst Forum, Hamburg<\/li>\n<li>Zeit: bis 6. Januar 2013. T\u00e4glich 11-19 Uhr. Do 11-21 Uhr<\/li>\n<li>Katalog: Hirmer Verlag, 196 S., 24,80 Euro in der Ausstellung<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/\">Webseite<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Ausstellungsansicht &#8220;Matta. Fiktionen&#8221;.<br \/>\n(Foto: Ulrich Perrey)<\/p>\n<p>&#8220;Th\u00e9orie de l\u2019Arbre&#8221;, 1941, Privatsammlung.<\/p>\n<p>&#8220;L\u2019Impencible&#8221;, 1957, Privatsammlung.<\/p>\n<p>&#8220;Les Plaisirs de la pr\u00e9sence&#8221;, 1984, Privatsammlung.<\/p>\n<p>Ohne Titel (Les oh! Tomobiles), um 1972, Fondazione Echaurren Salaris, Rom.<\/p>\n<p>Ausstellungsansicht &#8220;Matta. Fiktionen&#8221;.<br \/>\n(Foto: Ulrich Perrey)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta6.jpg\" alt=\"\" title=\"matta6\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14170\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta6.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/matta6-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg wagt eine Neubewertung des chilenischen Malers Matta Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas Seine Bilder sind raumgreifend in vielerlei Hinsicht. Zum einen bevorzugte Matta fast durchweg das gro\u00dfe, ja das ganz gro\u00dfe Format. 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