{"id":1425,"date":"2008-04-19T17:48:46","date_gmt":"2008-04-19T20:48:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/04\/19\/kulturelles-grossereignis\/"},"modified":"2008-04-28T15:58:28","modified_gmt":"2008-04-28T18:58:28","slug":"kulturelles-grossereignis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/04\/19\/kulturelles-grossereignis\/","title":{"rendered":"34. Internationale Buchmesse von Buenos Aires"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das kulturelle Gro\u00dfereignis wird am Donnerstag er\u00f6ffnet &#8211; Besuch von Ilija Trojanow<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1443\" alt=Ilija21.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/Ilija21.jpg\" align=left hspace=5 \/>Am Donnerstag, dem 24. April, wird die 34. Internationale Buchmesse von Buenos Aires offiziell er\u00f6ffnet. Das von der Fundaci\u00f3n El Libro veranstaltete kulturelle Gro\u00dfereignis beginnt mit branchenbezogenen Aktivit\u00e4ten bereits am 21.4. und setzt sich bis zum 12.5. fort. Die Buchmesse belegt die gesamten 45.500 m2 des Messezentrums La Rural.<\/p>\n<p>F\u00fcrs Publikum ist die Messe ab 24.4. von 14-22 Uhr (So-Do) bzw. 14-23 Uhr (Fr und Sa) ge\u00f6ffnet. Am 30.4., vor dem Feiertag des 1. Mai, ist die Messe von 14-02 Uhr ge\u00f6ffnet. Ab 21 Uhr ist in dieser \u201cNacht f\u00fcr die Stadt\u201d der Eintritt frei. Sonst kostet der Eintritt an Wochentagen 8, am Wochenende und an Feiertagen 10 Pesos und ist f\u00fcr unter 12-j\u00e4hrige, von einem Erwachsenen begleitete Kinder sowie Mo-Fr f\u00fcr Rentner, Studenten und Dozenten gratis (au\u00dfer 1.5.). \u00dcber die zahlreichen Angebote kann man sich auf der <a href=\"http:\/\/www.el-libro.org.ar\/\">Webseite der Buchmesse<\/a> informieren.<\/p>\n<p>Der in Deutschland lebende Schriftsteller Ilija Trojanow stellt im Rahmen der Buchmesse seinen neuen Roman &#8220;Der Weltensammler&#8221; (Tusquets, 2008) vor. Die Buchpr\u00e4sentation wird gemeinschaftlich vom Goethe-Institut Buenos Aires, dem Verlag Tusquets, der Frankfurter Buchmesse sowie der Deutschen Botschaft organisiert.<\/p>\n<p>Am Sonntag, dem 27. April, um 18 Uhr, liest Ilija Trojanow im Victoria Ocampo-Saal des Ausstellungsgel\u00e4ndes Fragmente aus &#8220;Der Weltensammler&#8221; und diskutiert anschlie\u00dfend mit Gabriela Massuh und Alejandro Tantani\u00e1n. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Spanisch statt. Der Eintritt zum Saal ist frei, aber es muss der Eintritt beim Betreten des Messegel\u00e4ndes bezahlt werden.<\/p>\n<p>Am Mittwoch, dem 30. April, um 18 Uhr. findet im Jos\u00e9 Hern\u00e1ndez-Saal des Ausstellungsgel\u00e4ndes im Rahmen des &#8220;Tags der L\u00e4nder&#8221; die Veranstaltung &#8220;Les passeurs de fronti\u00e8res\/Grenzen\u00fcberschreiter&#8221; statt, bei der sich Autoren, die in der Sprache ihres Adoptionslandes schreiben, pr\u00e4sentieren. Hier wird Ilija Trojanow in einen Dialog mit Vassilis Alexakis (Frankreich) treten. Das Gespr\u00e4ch findet mit der Unterst\u00fctzung der Deutschen Botschaft und der Buchmesse Frankfurt statt. Der Eintritt zum Saal ist frei, aber es muss der Eintritt beim Betreten des Messegel\u00e4ndes bezahlt werden.<\/p>\n<p>Am Freitag, dem 2. Mai, um 19.30 Uhr, wird dann zum Abschluss des Besuchs im Goethe-Institut, Av. Corrientes 319, der Dokumentarfilm &#8220;Vorw\u00e4rts und nie vergessen. Ballade \u00fcber bulgarische Helden&#8221; (2007, 45 Min.) von Ilija Trojanow vorgef\u00fchrt. Im Anschluss wird es ein \u00f6ffentliches Interview mit Trojanow und dem Journalisten Hinde Pomeraniec geben (mit \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p>Ilija Trojanow z\u00e4hlt derzeit zu den interessantesten deutschen Schriftstellern der mittleren Generation.<!--more--> Urspr\u00fcnglich aus Bulgarien stammend, floh er 1971 mit seiner Familie zun\u00e4chst nach Deutschland ins politische Exil und siedelte ein Jahr sp\u00e4ter nach Kenia \u00fcber. Es folgte ein l\u00e4ngerer Aufenthalt in Nairobi, wo Trojanow eine deutsche Schule besuchte und seine Reifepr\u00fcfung abschloss. Ab 1985 studierte er in Deutschland an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen Rechtswissenschaften und Ethnologie. Er bricht sein Studium jedoch vorzeitig ab und gr\u00fcndet 1989 den Kyrill&#038;Method Verlag und den Marino Verlag, die beide auf afrikanische Literatur spezialisiert sind. Zwischen den Jahren 1999 und 2003 lebt Trojanow in Mumbai und besch\u00e4ftigt sich intensiv mit Indien. Danach lebte er in Kapstadt und seit 2007 in Mainz, wo er Stadtschreiber ist. Der Mainzer Stadtschreiberpreis geh\u00f6rt zu den renommiertesten Literaturpreisen Deutschlands. Neben zahlreichen anderen Preisen wurde Ilija Trojanow f\u00fcr seine literarischen Werke auch schon im Jahr 2000 mit dem angesehenen Adalbert von Chamisso-Preis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Neben Reiseberichten und Reportagen erscheint bereits 1996 sein erster deutscher Roman &#8220;Die Welt ist gro\u00df und die Rettung lauert \u00fcberall&#8221;, in dem er seine eigenen Erfahrungen als politischer Fl\u00fcchtling verarbeitet. Dieser Roman ist seit 1998 auch in spanischer \u00dcbersetzung erh\u00e4ltlich. Es folgen weitere, durch pers\u00f6nliche Reiseerfahrungen inspirierte literarische Werke wie &#8220;Kampfabsage&#8221; &#8211; ein Essay \u00fcber den unumg\u00e4nglichen Zusammenfluss der Kulturen &#8211; sowie Ilija Trojanows zweiter gro\u00dfer Roman &#8220;Der Weltensammler&#8221;, f\u00fcr den er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wird. Der Roman erscheint in spanischer \u00dcbersetzung im April diesen Jahres beim Tusquets Verlag.<\/p>\n<p>&#8220;Der Weltensammler&#8221; ist eine Geschichte \u00fcber die Lebensstationen des Abenteurers Richard Burton (1821-1890), ein britischer Offizier, der als einer der ersten Europ\u00e4er die Pilgerfahrt nach Mekka unternahm. Der Roman beschr\u00e4nkt sich auf drei wesentliche Entdeckungsreisen des Offiziers; Indien, Arabien und Ostafrika. Burton, eine exzentrische Pers\u00f6nlichkeit, lernte w\u00e4hrend dieser Reisen mehr als 20 Sprachen und \u00fcbersetzte Werke wie das Kama Sutra und Tausendundeine Nacht ins Englische. Als Gelehrter hatte er eine besondere Affinit\u00e4t, das Wesen fremder Kulturen zu erforschen. Er gab dabei oftmals seine eigene Identit\u00e4t nicht preis und verschaffte sich damit einen tiefen und authentischen Einblick in eine Vielzahl kultureller Fremdheiten. Gleichzeitig scheute er sich nicht, als Informant f\u00fcr die britische Armee zu fungieren.<\/p>\n<p>Ilija Trojanow, der wie sein Protagonist viele L\u00e4nder bereiste, beschreibt, wie es Burton gelingt, unerkannt in die Fremde einzutauchen. Burton verbringt seine Zeit nicht wie viele andere Offiziere auf dem Golfplatz oder in der Offiziersmesse, sondern befasst sich unnachgiebig mit der Sprache, Religion und der Philosophie eines Landes, um die Lebensgewohnheiten der Einheimischen besser zu verstehen. In Arabien macht er sich mit dem Koran vertraut und sodann als vorgegebener Muslim auf den Weg nach Mekka. Die britischen Beh\u00f6rden erfahren erst sp\u00e4ter aus seinen Reiseberichten von dem abenteuerlichen Unterfangen. Seine letzte gro\u00dfe Station ist Zentralafrika, wo er sich auf die Suche nach den Quellen des Nils begibt. Diese Reise kostet ihn aufgrund der gro\u00dfen Strapazen und einer Malaria-Erkrankung fast das Leben.<\/p>\n<p>Ilija Trojanow widmet sich in seinem Roman intensiv Aspekten kultureller Differenz aus unterschiedlichen Perspektiven. Er ber\u00fchrt damit eine h\u00f6chst aktuelle Thematik, wie sie derzeit in Europa exemplarisch zum Thema &#8220;Integration der islamischen Welt&#8221; stattfindet. Sein Roman bietet dazu jedoch einen extremen Umkehrschluss: es findet keine Integration statt, sondern Anverwandlung. Burton versucht mit \u00e4u\u00dferster Hingabe, sich seiner neuen Umgebung anzupassen, trotzdem versp\u00fcrt er eine nicht \u00fcberwindbare Distanz zwischen sich und den Einheimischen: &#8220;Solange er ein Fremder blieb&#8221;, \u00fcberlegt der britische Offizier, &#8220;w\u00fcrde er wenig erfahren und er w\u00fcrde ewig ein Fremder bleiben, wenn er als Fremder wahrgenommen w\u00fcrde. Es gab nur eine L\u00f6sung; sie gefiel ihm auf Anhieb: Er w\u00fcrde die Fremdheit ablegen, anstatt darauf zu warten, dass sie ihm abgenommen w\u00fcrde. Er w\u00fcrde so tun, als sei er einer von ihnen&#8221;. Damit begibt sich Burton in ein gro\u00dfes Dilemma, er erkennt sich bald selbst nicht mehr und f\u00fchlt sich verwandelt. Hier beginnt der Autor, in diesem historischen Roman die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Fiktion zu vermischen, um verschiedene perspektivische Ebenen einzuf\u00fchren. Tats\u00e4chlich hinterlie\u00df Burton bei seinem Tod im Jahr 1890 zwar diverse Aufzeichnungen, die privaten Tageb\u00fccher wurden jedoch von seiner Witwe umgehend vernichtet.<\/p>\n<p>Sieben Jahre hat Ilija Trojanow f\u00fcr seinen Roman recherchiert und sich selbst auf den Spuren Burtons auf Reisen gemacht. Damit erm\u00f6glicht er dem Leser detailliert beschriebene Eindr\u00fccke aus der Islamischen Welt, ohne dabei in Exotismus zu verfallen; es geht um Opiumhandel, die Bordelle von Karachi, orientalische Rituale, die Besessenheit des Imperialismus, Malaria, Sklavenhandel und britische Kolonialherren. Doch in erster Linie geht es in &#8220;Der Weltensammler&#8221; um den Abenteurer Burton, seine unstillbare kulturelle Neugier und vor diesem Hintergrund um den Dialog \u00fcber Ferne und Fremdheit.<\/p>\n<p>Der Dokumentarfilm &#8220;Vorw\u00e4rts und nie vergessen. Ballade \u00fcber bulgarische Helden&#8221;, den Ilija Trojanow in Zusammenarbeit mit dem deutschen Sender ZDF produzierte, wurde im Dezember 2007 erstmals ausgestrahlt. Der Film setzt sich mit den Folgen der 45 Jahre andauernden kommunistischen Diktatur in Bulgarien auseinander und beleuchtet fundamentale Fragen: &#8220;Wie k\u00f6nnen die Verantwortlichen der Verbrechen w\u00e4hrend der Diktatur zur Rechenschaft gezogen werden und mit welchen Mitteln?&#8221; Die Hauptprotagonisten in diesem Film sind ehemalige politische H\u00e4ftlinge, die sich noch einmal an die Orte begeben, in denen sie gefangengehalten und gefoltert worden sind.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Bulgariens politischer Fassade nach au\u00dfen, fanden noch bis zum Ende der siebziger Jahre schwere Repressionen gegen jegliche oppositionelle Stimmen statt. Regimegegner und Konterrevolution\u00e4re wurden in das Konzentrationslager von Belen gebracht und dort gefangengehalten. Es kamen Tausende durch die Folgen von Zwangsarbeit, Hunger und Folter um. Auch in den Gef\u00e4ngnissen von Sofia und Pasardschik fanden \u00e4hnliche Schreckenstaten statt. Heute erinnert in Bulgarien nichts mehr an die schweren Verbrechen, es gibt weder Denkmale f\u00fcr die vielen Opfer, noch werden Entsch\u00e4digungszahlungen vorgenommen oder Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Dies h\u00e4ngt insbesondere damit zusammen, dass wichtige Positionen in der Politik heute noch von den gleichen Akteuren besetzt sind, wie zu Zeiten der Diktatur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kulturelle Gro\u00dfereignis wird am Donnerstag er\u00f6ffnet &#8211; Besuch von Ilija Trojanow Am Donnerstag, dem 24. April, wird die 34. Internationale Buchmesse von Buenos Aires offiziell er\u00f6ffnet. Das von der Fundaci\u00f3n El Libro veranstaltete kulturelle Gro\u00dfereignis beginnt mit branchenbezogenen Aktivit\u00e4ten bereits am 21.4. und setzt sich bis zum 12.5. fort. 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