{"id":14401,"date":"2013-01-20T10:45:01","date_gmt":"2013-01-20T13:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=14401"},"modified":"2013-01-24T17:17:16","modified_gmt":"2013-01-24T20:17:16","slug":"mehr-als-bunte-fassaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/01\/20\/mehr-als-bunte-fassaden\/","title":{"rendered":"Mehr als bunte Fassaden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Conventillos \u2013 Ein besonderes St\u00fcck Architektur von Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Philip Norten<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo2.jpg\" alt=\"\" title=\"conventillo2\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14416\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo2.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDer Stadtteil La Boca erfreut sich seit einigen Jahren gro\u00dfer Beliebtheit bei den zahlreichen ausl\u00e4ndischen Touristen, die nach Buenos Aires kommen. Menschenmassen aus Europa, den USA und Brasilien dr\u00e4ngen sich \u00fcber den Caminito an Restaurants und Souvenirh\u00e4ndlern vorbei, so dass es schwerf\u00e4llt, die wirklichen Besonderheiten des Viertels zu erkennen.<\/p>\n<p>Zu diesen geh\u00f6rt zweifelsohne der Bautyp des Conventillo. Obwohl der Name auf den kirchlichen Bautypus des Koventes verweist, ist das Conventillo aus Buenos Aires eng mit der argentinischen Geschichte verbunden: Das Ende des 19. Jahrhunderts markierte den H\u00f6hepunkt der Immigrationswelle nach Argentinien, zwischen 1880 und 1910 kamen ca. 4 Millionen Menschen aus Europa nach Argentinien. Die urspr\u00fcngliche Intention der nationalen Regierungen war es, diese neuen B\u00fcrger auf dem Land anzusiedeln und dieses nach US-amerikanischem Vorbild zu kolonisieren. Aufgrund der fehlenden Ausbildung der Neuank\u00f6mmlinge und mangelnder Unterst\u00fctzung durch den Staat schlug dieser Plan jedoch fehl, und die gro\u00dfe Mehrheit der Immigranten blieb in Buenos Aires, wo der Bedarf nach g\u00fcnstigem Wohnraum daher stark anstieg. Da die liberalen Regierungen dieser Jahre keine aktive Stadtplanung oder Wohnungsbaupolitik betrieben, entstanden durch private Planung neue architektonische L\u00f6sungen f\u00fcr das Problem der rasch wachsenden Bev\u00f6lkerung, deren bekannteste das conventillo ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/conventillo11.jpg\" alt=\"\" title=\"conventillo11\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignright size-full wp-image-14417\" \/><\/a>Die ersten conventillos entstanden im S\u00fcden der Stadt in den Vierteln La Boca, San Telmo und Barracas. Da die Oberschicht von Buenos Aires aufgrund des Gelbfiebers von 1871 in die n\u00f6rdlichen Stadtviertel gezogen war, gab es hier Freir\u00e4ume, die von den armen Neuank\u00f6mmlingen genutzt wurden. So bestanden diese ersten conventillos aus aufgegebenen Residenzen, die ihrer neuen Funktion entsprechend umgewandelt wurden. Die um einen Hof angeordneten unterschiedlichen Wohnr\u00e4ume wurden nun an einzelne Familien vermietet, so dass in einem einzigen Haus mehrere Gro\u00dffamilien auf engstem Raum lebten. Meist waren auch die sanit\u00e4ren Bedingungen sehr problematisch, da es nur eine K\u00fcche und Toilette f\u00fcr das ganze Haus gab. Sp\u00e4ter wurde dieser Haustypus \u2013 mehrere kleine Mietwohnungen, die um einen Hof gruppiert waren \u2013 auch in Neubauten angewandt. Den Familien standen dabei oft nur Wohnr\u00e4ume von 3&#215;3 m zur Verf\u00fcgung. Trotzdem lebten zum Ende des 19. Jahrhunderts ca. 25% der Einwohner von Buenos Aires \u2013 und haupts\u00e4chlich die Immigranten aus Europa \u2013 in conventillos.<\/p>\n<p>In La Boca entstanden besonders viele dieser conventillos, da das Viertel mit seinem Hafen und der damals dort existierenden Kleinindustrie viele Arbeiter anzog. Aus Kostengr\u00fcnden wurden die conventillos aus Holz gebaut und ab 1890 zus\u00e4tzlich mit Wellblech, das besser gegen Regen sch\u00fctzt, verkleidet. Die heute bei Touristen so beliebte Farbgebung der conventillos stammt ebenfalls aus dieser Zeit, als Farbreste aus dem Hafenbetrieb zum Streichen der H\u00e4user verwendet wurden. Als Vorteil der conventillos erwies sich zudem, dass diese flexibel erweitert werden konnten, indem ein Obergeschoss hinzugef\u00fcgt wurde.<\/p>\n<p>Ab den 1910er Jahren wurden keine neuen conventillos mehr gebaut. Es waren u.a. Sozialproteste, die daf\u00fcr sorgten, dass neue Formen f\u00fcr den sozialen Wohnungsbau gefunden wurden. Heute bietet das conventillo, abseits von den bunten Fassaden, einen interessanten Einblick in die argentinische Architektur- und Sozialgeschichte. So waren die conventillos und das mit ihnen verbundene enge Zusammenleben der Immigranten verantwortlich f\u00fcr die Herausbildung einer neuen gemeinsamen Identit\u00e4t der Neuank\u00f6mmlinge aus Europa, die sich konkret z.B. in der Entwicklung des Lunfardo, des Dialekts von Buenos Aires, zeigte. Es lohnt sich also \u2013 bei gebotener Vorsicht \u2013 durch die Stra\u00dfen Lamadrid, Garibaldi oder Magallanes in La Boca zu streifen, wo sich immer noch viele Beispiele dieser besonderen historischen Bauform finden lassen.<\/p>\n<p><strong>Fotos:<\/strong><br \/>\nConventillos in La Boca.<br \/>\n(Fotograf: Juan Pablo Pekarek)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Conventillos \u2013 Ein besonderes St\u00fcck Architektur von Buenos Aires Von Philip Norten Der Stadtteil La Boca erfreut sich seit einigen Jahren gro\u00dfer Beliebtheit bei den zahlreichen ausl\u00e4ndischen Touristen, die nach Buenos Aires kommen. 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