{"id":14761,"date":"2013-02-18T14:06:07","date_gmt":"2013-02-18T17:06:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=14761"},"modified":"2013-02-17T14:10:52","modified_gmt":"2013-02-17T17:10:52","slug":"gauchito-gil-reloaded","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/02\/18\/gauchito-gil-reloaded\/","title":{"rendered":"Gauchito Gil Reloaded"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dem argentinischen Robin Hood wird momentan im Centro Cultural Borges eine Hommage gewidmet<\/p>\n<p><em>Von Chiara Kettmeir<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Gil2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Gil2.jpg\" alt=\"\" title=\"Gil2\" width=\"500\" height=\"383\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14766\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Gil2.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Gil2-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nSie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, diese kleinen H\u00e4uschen am Stra\u00dfenrand mit ihren vielen blutroten Fahnen und B\u00e4ndern, die alle paar Kilometer die argentinische Ein\u00f6de auflockern. Erst bei einem n\u00e4heren Blick erkennt man es als Schrein, der mit verschiedenen Objekten wie Inschriften, Briefen, Blumen oder Figuren bedacht ist. Eine Figur taucht dabei immer wieder auf: ein kleiner Mann mit rotem Umhang, Schnurrbart, blauem Hemd und schwarzer Hose.<\/p>\n<p>Mit b\u00fcrgerlichem Namen Antonio Mamerto Gil N\u00fa\u00f1ez, ist &#8220;Gauchito Gil&#8221; einer der am meisten verehrten Volksheiligen Argentiniens. Der in der nordargentinischen Provinz Corrientes Geborene versteht sich nicht nur als Patron der Fernfahrer, die beim Passieren (der Alt\u00e4re) \u00fcblicherweise hupen, vielmehr ist Gauchito Gil ein Volksheld, der \u00fcber die letzten 135 Jahre Abertausende Anh\u00e4nger gefunden hat.<\/p>\n<p>Die popul\u00e4rste von verschiedenen Legenden, die sich um Gauchito Gil ranken, erz\u00e4hlt von dessen verh\u00e4ngnisvoller Liaison mit einer reichen Witwe. Um dem aufkommenden Ungemach, das aus dem Ressentiment ihrer Br\u00fcder und der Eifersucht eines \u00f6rtlichen Polizisten resultierte, zu entgehen, schloss er sich der heimischen Armee an, die in den B\u00fcrgerkrieg nach Paraguay zog.<\/p>\n<p>Diese Mission beendet, wurde er in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Colorados (Roten) gegen die Celestes (Blauen) innerhalb der eigenen Landesgrenzen eingesetzt. Es hei\u00dft, dass Gil Anh\u00e4nger der Colorados war, was auch die Farbe der roten Fahnen erkl\u00e4ren w\u00fcrde. Diesem Einsatzbefehl widersetzte er sich jedoch, da er nicht gegen seine Landsleute k\u00e4mpfen wollte. Als Deserteur floh er in die W\u00e4lder, wo er fortan als Outlaw lebte. Er begann Vieh und andere G\u00fcter von Reichen zu stehlen, um sie an die Armen zu geben, weshalb er st\u00e4ndig auf der Flucht war &#8211; so avancierte er zu einem Vork\u00e4mpfer sozialer Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlungen zufolge wurde Gauchito Gil eines Tages geschnappt und am 8. Januar 1878 dem Henker zur Vollstreckung des Todesurteils \u00fcberlassen. Kurz bevor er starb, sagte er zum Henker, dass dieser zu Hause seinen Sohn krank antreffen werde und er ihn heilen k\u00f6nne. Der Henker schenkte Gil keinen Glauben und vollstreckte das Urteil. Als er nach Hause kam, fand er seinen Sohn sterbenskrank vor. Er betete zu Gauchito Gil, und sein Sohn wurde wieder gesund. Voller Reue eilte er zum Ort der Hinrichtung zur\u00fcck, begrub dessen Leichnam, baute einen Schrein auf und gab die frohe Botschaft um den Heiligen Gil kund. Die Legende war geboren.<\/p>\n<p>Der von der katholischen Kirche als Heiliger nicht anerkannte Gauchito Gil genie\u00dft seither nicht nur den Ruf eines Volksheiligen, sondern gilt durch seine edelm\u00fctige Umverteilungen der Ressourcen und seiner Verk\u00f6rperung von Unabh\u00e4ngigkeit und Auflehnung gegen Zwang und Missst\u00e4nde als argentinischer Robin Hood.<\/p>\n<p>Zu Ehren von Gauchito Gil findet seit dem 14. Februar und bis zum 10. M\u00e4rz im Centro Cultural Borges die Ausstellung &#8220;Plegaria por el Gauchito Gil&#8221; des argentinischen K\u00fcnstlers Hugo Echarri statt. Mit seinen Bildern und Installationen bietet Echarri einen originellen Ansatz, in dem er mit der aus der Pop-Art gewachsenen Serialit\u00e4t eines Bildes spielt, das jedoch in jeder seiner Repetitionen eine Ver\u00e4nderung in sich birgt. Der K\u00fcnstler bildet mit diesem vermeintlich Identischen eine Br\u00fccke zum Ph\u00e4nomen Gauchito Gil: Die Themen Religion und Glaube werden in ihrer &#8220;institutionellen Praxis&#8221; relativiert, ihre hierarchischen Strukturen durch den Kult um Gauchito Gil durchbrochen.<\/p>\n<ul>\n<li>Centro Cultural Borges, Viamonte\/San Mart\u00edn, Buenos Aires. Mo-Sa 10-21, So und Feiertage 13-21 Uhr.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem argentinischen Robin Hood wird momentan im Centro Cultural Borges eine Hommage gewidmet Von Chiara Kettmeir Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, diese kleinen H\u00e4uschen am Stra\u00dfenrand mit ihren vielen blutroten Fahnen und B\u00e4ndern, die alle paar Kilometer die argentinische Ein\u00f6de auflockern. 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