{"id":15029,"date":"2013-03-24T14:16:29","date_gmt":"2013-03-24T17:16:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15029"},"modified":"2013-03-24T14:20:21","modified_gmt":"2013-03-24T17:20:21","slug":"die-seltenen-wahrheiten-des-martin-k","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/03\/24\/die-seltenen-wahrheiten-des-martin-k\/","title":{"rendered":"Die seltenen Wahrheiten des Martin K."},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Ausstellung &#8220;sehr gut | very good&#8221; im Hamburger Bahnhof in Berlin widmet sich dem vielseitigen Werk des fr\u00fch verstorbenen deutschen K\u00fcnstlers Martin Kippenberger<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing &#038; Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy22.jpg\" alt=\"\" title=\"kippy22\" width=\"250\" height=\"250\" class=\"alignright size-full wp-image-15059\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy22.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy22-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Berlin &#8211; &#8220;Martin, ab in die Ecke und sch\u00e4m dich&#8221;, lautet der Titel einer selbstironischen Arbeit von Martin Kippenberger aus dem Jahre 1989. Die Arbeit besteht aus einer m\u00e4nnlichen Figur, die, wie der Titel es andeutet, betreten mit dem R\u00fccken zum Raum in einer Ecke steht und in Anspielung auf eine fr\u00fche Soundarbeit von Joseph Beuys in monotonem Tonfall &#8220;Ja, Ja, Ja, Ja, Ja &#8211; Nee, Nee, Nee, Nee, Nee&#8221; vor sich hin brabbelt. Ein verkanntes Genie? Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie in Berlin, stellt den 1997 fr\u00fch verstorbenen Martin Kippenberger denn auch in eine Reihe mit Jahrhundertk\u00fcnstlern wie Picasso und Beuys. Unter dem Titel &#8220;sehr gut | very good&#8221; werden jetzt im Hamburger Bahnhof auf 3000 Quadratmeter Ausstellungsfl\u00e4che \u00fcber 300 Werke gezeigt. Die Ausstellung ist schon jetzt ein gro\u00dfer Publikumserfolg.<\/p>\n<p>&#8220;Wir sprechen bewusst nicht von einer Retrospektive&#8221;, erl\u00e4utert Kittelmann. &#8220;Das hat immer etwas sehr Formalistisches.&#8221; Kuratorin Britta Schmitz hat vielmehr Themenr\u00e4ume zusammengestellt, in denen man den Geist Kippenbergers erlebt: seine Ironie und Selbstironie, seinen Sprachwitz, seinen analytisch-kritischen Blick auf die Gesellschaft, seine Auseinandersetzung mit den Irrungen und Wirrungen bundesrepublikanischer Mainstreamkultur, seine Begeisterung f\u00fcr bestimmte Musikstr\u00f6mungen der 80er Jahre, seine Neigung zu Ausschweifung und Exzess, sein Hadern mit dem Verfall des eigenen K\u00f6rpers. &#8220;Es sind immer die seltenen Wahrheiten, die er uns versucht hat zu vermitteln&#8221;, so Udo Kittelmann. &#8220;Das ganze Werk ist von einem liberalen Geist gepr\u00e4gt.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy3.jpg\" alt=\"\" title=\"kippy3\" width=\"500\" height=\"349\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15060\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy3.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy3-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEin liberaler, aber auch widerspr\u00fcchlicher Geist, der schwer zu fassen ist, schwerlich auf nur einen Nenner zu bringen, da er sich hinter Zynismen, nihilistischen Anfl\u00fcgen, einem offen zur Schau getragenen Chauvinismus und politisch oftmals nicht unbedingt korrekten Kalauern und Provokationen verbirgt. Martin Kippenberger, 1953 in Dortmund als Sohn eines Bergwerksingenieurs geboren, war ein Gesamtk\u00fcnstler, ein Lebemann, ein Enfant terrible, Schauspieler, T\u00e4nzer, Charmeur und Null-Bock-Apologet. Als kurzzeitiger Mitbetreiber des Kreuzberger Punk- und Underground-Clubs SO36 bleibt er ebenso in Erinnerung wie als Gr\u00fcnder und Betreiber von &#8220;Kippenbergers B\u00fcro&#8221;. Damit war er Vorreiter einer konzeptuell unterf\u00fctterten k\u00fcnstlerischen Praxis des Organisierens, Delegierens und der geteilten Autorenschaft, die heute gang und g\u00e4be ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy88.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy88.jpg\" alt=\"\" title=\"kipp_ny_80.tif\" width=\"250\" height=\"299\" class=\"alignright size-full wp-image-15063\" \/><\/a>Von hier aus vernetzte er sich mit anderen K\u00fcnstlern, organisierte Ausstellungen, malte mit Hilfe seiner Assistenten stapelweise Bilder, heuerte einen Filmplakatmaler f\u00fcr die Umsetzung seiner ber\u00fchmten Serie &#8220;Lieber Maler, male mir&#8230;&#8221; an, produzierte Plakate und andere Drucksachen. Albert Oehlen, Werner B\u00fcttner, Rosemarie Trockel sowie die sp\u00e4tere Galeristin Gisela Capitain als &#8220;Sekret\u00e4rin&#8221; geh\u00f6rten bereits damals zum engeren Umfeld des umtriebigen Kunst-Entrepreneurs. Die Berliner Ausstellung versammelt nicht nur seine Gem\u00e4lde, Skulpturen und Zeichnungen, viele davon auf dem Briefpapier exklusiver Hotels, sondern auch zahlreiche Ephemera wie Plakate, Einladungskarten, Korrespondenz und Skizzen. Alles war bei Kippenberger gleichberechtigt. &#8220;Was man hier vorfindet, ist eine gro\u00dfe Entwicklung mit einem gro\u00dfen Prolog, einem starke Epilog und einem musikalischen Refrain&#8221;, so Udo Kittelmann. Eines ist an dieser Ausstellung klar ablesbar: Werk und Person durchdringen sich bei Kippenberger bis in die feinsten Ver\u00e4stelungen.<\/p>\n<p><strong>Der Ruhm kam erst nach dem Tod<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy771.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy771.jpg\" alt=\"\" title=\"kippy77\" width=\"250\" height=\"301\" class=\"alignleft size-full wp-image-15062\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy771.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/kippy771-249x300.jpg 249w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Der Hauptteil der Ausstellung befindet sich in den Rieckhallen. Hier kann der Besucher sich auf einem Kilometer Wandl\u00e4nge mit den zentralen Werken Kippenbergers auseinandersetzen: vom skandaltr\u00e4chtigen Frosch am Kreuz, der gleich in vier Varianten zu sehen ist, bis zu seinen Selbstportr\u00e4ts aus den letzten Jahren vor seinem Tod, die den aufgedunsenen Maler in Altherrenunterhose in ungl\u00fccklichen Posen zeigen und den k\u00f6rperlichen Verfall Kippenbergers schonungslos und selbstironisch thematisieren. Alkohol und ein exzessives Leben hatten der Gesundheit des Anfangvierzigj\u00e4hrigen in seinen letzten Lebensjahren arg zugesetzt.<\/p>\n<p>Im ersten Stock des Hamburger Bahnhofs wird die geschlossene Werkgruppe der &#8220;Wei\u00dfen Bilder&#8221; gezeigt. Dies sind wei\u00dfe, in die Wand eingespachtelte Leinw\u00e4nde mit heller Schrift. Martin Kippenberger bat einen befreundeten, neunj\u00e4hrigen Jungen aus Graz, seine Kataloge beim Durchbl\u00e4ttern mit spontanen Kommentaren zu versehen. Diese kindlichen Texte brachte er dann auf die Leinwand mit allen Rechtschreibfehlern. Kippenberger f\u00fcgte selbstbewusst die Schulnote &#8220;very good&#8221; hinzu. Der Titel der Berliner Ausstellung &#8220;sehr gut | very good&#8221;, spielt auf diese Begebenheit ebenso an wie auf den Titel einer Zeitschrift, die Kippenberger 1979 mit Weggef\u00e4hrten herausgab.<\/p>\n<p>Martin Kippenberger wurde nur 44 Jahre alt. Trotz vieler kleinerer Ausstellungen und trotz seiner damaligen Omnipr\u00e4senz in Kunstszene-Lokalen wie dem Ratinger Hof in D\u00fcsseldorf, dem Vienna in Hamburg oder der Paris Bar in Berlin &#8211; die ganz gro\u00dfe Anerkennung f\u00fcr sein Werk kam erst postum. Mittlerweile werden seine Arbeiten f\u00fcr Millionensummen auf Auktionen gehandelt. Der Ruhm zu Lebzeiten in seiner zeitweiligen Wahlheimat Berlin, deren Subkultur er von 1978 bis 1981 bereicherte, aber war ausgeblieben. Insofern kommt die gro\u00dfe, am 23. Februar er\u00f6ffnete Ausstellung im Hamburger Bahnhof goldrichtig. Am 25. Februar 2013 w\u00e4re &#8220;Kippy&#8221;, wie ihn seine Freunde liebevoll nannten, 60 Jahre alt geworden.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Martin Kippenberger, &#8220;sehr gut | very good&#8221;<\/li>\n<li>Ort: Hamburger Bahnhof, Berlin<\/li>\n<li>Zeit: bis 18. August 2013, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr<\/li>\n<li>Katalog: Eine Publikation zu den &#8220;Wei\u00dfen Bildern&#8221; ist in Vorbereitung<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.hamburgerbahnhof.de\/text.php\">Internet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Martin Kippenberger: &#8220;Martin, ab in die Ecke und sch\u00e4m dich&#8221;, 1989.<br \/>\n(Foto: B\u00fcsing)<\/p>\n<p>Martin Kippenberger: Skulptur &#8220;Put your Freedom in the Corner, Save it for a Rainy Day&#8221;, 1990.<br \/>\n(Foto: B\u00fcsing)<\/p>\n<p>Martin Kippenberger: &#8220;Ohne Titel&#8221;, 1988, \u00d6l auf Leinwand, 241,2 x 201,8. Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof.<br \/>\n(\u00a9 Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, K\u00f6ln)<\/p>\n<p>Martin Kippenberger: &#8220;Zuerst die F\u00fc\u00dfe&#8221;, 1991, Holz, Autolack, Metall, 130 x 110 x 22 cm. Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof<br \/>\n(\u00a9 Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, K\u00f6ln)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung &#8220;sehr gut | very good&#8221; im Hamburger Bahnhof in Berlin widmet sich dem vielseitigen Werk des fr\u00fch verstorbenen deutschen K\u00fcnstlers Martin Kippenberger Von Nicole B\u00fcsing &#038; Heiko Klaas Berlin &#8211; &#8220;Martin, ab in die Ecke und sch\u00e4m dich&#8221;, lautet der Titel einer selbstironischen Arbeit von Martin Kippenberger aus dem Jahre 1989. 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