{"id":15032,"date":"2013-03-21T15:42:54","date_gmt":"2013-03-21T18:42:54","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15032"},"modified":"2013-03-23T15:48:55","modified_gmt":"2013-03-23T18:48:55","slug":"jenseits-von-zeit-und-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/03\/21\/jenseits-von-zeit-und-raum\/","title":{"rendered":"Jenseits von Zeit und Raum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jos\u00e9 Mar\u00eda Muscaris &#8220;P\u00f3stumos&#8221; &#8211; Staraufgebot im Teatro Regio<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/postumos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/postumos.jpg\" alt=\"\" title=\"postumos\" width=\"500\" height=\"213\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15036\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/postumos.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/postumos-300x127.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nMax Berliner hat wei\u00dfe, buschige Augenbrauen, einen wei\u00dfen Schn\u00e4uzer und ein verschmitztes L\u00e4cheln, er ist d\u00fcnn und wirkt zerbrechlich. Doch der gro\u00dfe alte Mann des jiddischen Theaters von Buenos Aires tanzt noch immer geschmeidig und singt mit samtener Stimme, er wolle doch gar nicht viel &#8211; nur &#8220;ein bisschen Gl\u00fcck und ein bisschen Gl\u00fccklichsein&#8221;. Au\u00dferdem macht er den Damen unerm\u00fcdlich recht deutliche, anz\u00fcgliche Angebote. Berliner ist einer aus dem neunk\u00f6pfigen Ensemble von &#8220;P\u00f3stumos&#8221;, das zur Zeit im Teatro Regio, das zum Theaterhaus &#8220;Complejo Teatral de Buenos Aires&#8221; geh\u00f6rt, aufgef\u00fchrt wird und welches neben den &#8220;normalen&#8221; San Mart\u00edn-Theaterg\u00e4ngern auch ein ganz anderes Publikum anlockt &#8211; n\u00e4mlich eines, das einen oder mehrere der Stars, mit denen das St\u00fcck besetzt ist, verehrt oder einst verehrte und das sich vielleicht noch einmal in diese goldenen Theaterzeiten zur\u00fcckversetzen m\u00f6chte, als Edda D\u00edaz, Hilda Bernard, Nelly Prince, Erika Wallner, Gog\u00f3 Rojo. Luisa Albinoni, Tito Mendoza, Ricardo Bauleo und Berliner die Theaterplakate schm\u00fcckten und f\u00fcr Furore sorgten.<\/p>\n<p>Mit Charme, Charisma, Pers\u00f6nlichkeit und Talent verzaubern diese gro\u00dfartigen Mimen auch heute noch das Publikum und nehmen dabei sich selbst und ihr Alter auf die Schippe. &#8220;Zusammen sind wir doch so alt wie Methusalem&#8221;, sagt Hilda Bernard (geb. 1920) zu Max Berliner (geb. 1919). Die Satire geht jedoch niemals so weit, dass die W\u00fcrde der Schauspielveteranen angetastet w\u00fcrde, und auch bei melancholischen Szenen sind sie absolut souver\u00e4n. Immer wieder bekommt der eine oder die andere spontanen Applaus f\u00fcr eine besonders gelungene Leistung.<\/p>\n<p>Jos\u00e9 Mar\u00eda Muscari hat &#8220;P\u00f3stumos&#8221; erdacht. Der junge Dramaturg, Regisseur und Schauspieler, der genauso im Off-Theater zu Hause ist wie im Fernsehen breite Massen mobilisiert, wurde vom Tod des eigenen Vaters und den Tr\u00e4umen, die f\u00fcr diesen unerf\u00fcllt geblieben waren, zu dem St\u00fcck angeregt. Er sprach die Schauspieler an und fragte sie, welchen Traum sie sich gerne noch erf\u00fcllen w\u00fcrden, und so entstand &#8220;P\u00f3stumos&#8221; auch aus den Gespr\u00e4chen mit seinen Stars. Erika Wallners &#8220;Romeo und Julia&#8221;-Einlage geh\u00f6rt neben Luisa Albinonis Deb\u00fct als Rockstar ebenso zu den &#8220;letzten W\u00fcnschen&#8221; wie das Bar Mitzwa, das Max Berliner als Junge nicht feiern konnte und nun nachholt.<\/p>\n<p>Es steht noch ein weiterer Mann auf der B\u00fchne, Pablo Rinaldi, der weitgehend stumm agiert und wechselnde Rollen als Conferencier, Requisitentr\u00e4ger oder St\u00fctze seiner Co-Stars einnimmt. Die ordnende Pr\u00e4senz Rinaldis, das Licht (von Eli Sirlin) und das B\u00fchnenbild (Jorge Ferrari), das aus wei\u00dfen, durchbrochenen Lamellen besteht, tragen zu einer unwirklichen Atmosph\u00e4re bei &#8211; es ist, als seien die Schauspieler, die fast immer alle gemeinsam auf der B\u00fchne sind, in einer Art Raum zwischen Leben und Tod, wobei sie zugleich entr\u00fcckt und unglaublich lebendig wirken. Auch die originellen Kost\u00fcme von Renata Schussheim unterst\u00fctzen den \u00fcbernat\u00fcrlichen Effekt von &#8220;P\u00f3stumos&#8221;.<\/p>\n<p>Hilda Bernard w\u00fcrde sich w\u00fcnschen, dass die jungen Leute von heute mehr mit den Alten redeten. Denn diese k\u00f6nnten ihnen zeigen, wie man liebt. Bei einem der Jungen &#8211; Muscari &#8211; ist das gar nicht n\u00f6tig. Er r\u00fcckt diese alten Stars, die noch immer das Scheinwerferlicht suchen, in ein liebevolles Licht und gibt ihnen einen Rahmen, in dem sie ihr Talent noch einmal so richtig beweisen k\u00f6nnen. Das Publikum ist hoch erfreut, es spendet stehenden Applaus, und es gibt so gut wie keinen, der beim Hinausgehen nicht gl\u00fccklich aussieht.<\/p>\n<p>&#8220;P\u00f3stumos&#8221; wird donnerstags bis samstags um 20.30 Uhr und sonntags um 19.30 Uhr im Teatro Regio, C\u00f3rdoba 6056. Buenos Aires, gezeigt. Der Eintritt kostet 60 bzw. 40 Pesos und am Donnerstag, dem Publikumstag, 35 Pesos. Man kann die Karten auch im telefonischen Vorverkauf unter der Gratisnummer 0800-333-5254 erwerben.<\/p>\n<p>Weitere Informationen auf der <a href=\"http:\/\/complejoteatral.gob.ar\/\">Webseite des Complejo Teatral de Buenos Aires<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nEnsemble und Dramaturg\/Regisseur von &#8220;P\u00f3stumos&#8221;: oben (v.l.n.r.) Tito Mendoza, Ricardo Bauleo, Jos\u00e9 Mar\u00eda Muscari, Max Berliner und Pablo Rinaldi, unten (v.l.n.r.) Edda D\u00edaz, Erika Wallner, Hilda Bernard, Gog\u00f3 Rojo, Nelly Prince und Luisa Albinoni.<br \/>\n(Foto: Carlos Furman)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jos\u00e9 Mar\u00eda Muscaris &#8220;P\u00f3stumos&#8221; &#8211; Staraufgebot im Teatro Regio Von Susanne Franz Max Berliner hat wei\u00dfe, buschige Augenbrauen, einen wei\u00dfen Schn\u00e4uzer und ein verschmitztes L\u00e4cheln, er ist d\u00fcnn und wirkt zerbrechlich. 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