{"id":15255,"date":"2013-04-12T12:54:22","date_gmt":"2013-04-12T15:54:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15255"},"modified":"2013-04-13T14:35:37","modified_gmt":"2013-04-13T17:35:37","slug":"mit-werbetricks-gegen-die-unterdruckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/04\/12\/mit-werbetricks-gegen-die-unterdruckung\/","title":{"rendered":"Mit Werbetricks gegen die Unterdr\u00fcckung"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;\u00a1No!&#8221; von Pablo Larra\u00edn er\u00f6ffnet das 15. BAFICI<\/p>\n<p><em>Von Jana M\u00fcnkel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/no_parque_centenario.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/no_parque_centenario.jpg\" alt=\"\" title=\"no_parque_centenario\" width=\"500\" height=\"331\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15256\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/no_parque_centenario.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/no_parque_centenario-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nIn und um die Recoleta Mall, dem cineastischen Brennpunkt von Buenos Aires, ist am fr\u00fchen Mittwochabend alles merklich f\u00fcr das BAFICI herausgeputzt. W\u00e4hrend immer mal wieder ein wichtig aussehender Wagen anrollt, liegt ein erwartungsvolles Flirren in der Luft. Das gleiche Flirren, das man so nur auf Festivals erleben kann, ist wenig sp\u00e4ter im Anfiteatro Centenario zu sp\u00fcren. Das riesige Open-Air-Theater ist bis zum letzten Platz besetzt; 1600 junge und alte Zuschauer warten gespannt auf den Beginn des 15. BAFICI (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente). Paola ist mit zwei Freundinnen gekommen. Sie sei sehr gespannt auf den Film, erz\u00e4hlt sie zwischen zwei Mateschlucken. P\u00fcnktlich zum Filmstart an diesem lauen Sp\u00e4tsommerabend beginnt es ein wenig zu tr\u00f6pfeln, doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch.<\/p>\n<p>Gastland des diesj\u00e4hrigen Festivals ist Chile und so verwundert es nicht, dass der Er\u00f6ffnungsfilm von eben dort kommt. Der Oscar-nominierte &#8220;\u00a1No!&#8221; von Pablo Larra\u00edn hat sogar Argentinien-Premiere und handelt von Chiles besonderem Weg zum Sturz der Milit\u00e4rdiktatur im Jahr 1988. F\u00fcr diesen Umbruch ist die Rolle der Medien au\u00dferordentlich wichtig. Das Fernsehen im Chile der 80er Jahre ist quasi das heutige Facebook im arabischen Fr\u00fchling: gebeutelt von Zensur oder Verbot und dennoch wirkungsvoller Kommunikationskanal, um viele zu erreichen. Die 15 Minuten Sendezeit, die der Opposition von der Milit\u00e4rdiktatur im Vorfeld der Wahl zugebilligt wurden, betragen einen Bruchteil von Pinochets propagandistischer Medienpr\u00e4senz. Damit ist eigentlich nicht viel anzufangen, doch wenn man sie clever nutzt, k\u00f6nnen sie ein ganzes Land umst\u00fclpen.<\/p>\n<p>Gael Garc\u00eda Bernal spielt den fiktiven und meist grimmig dreinschauenden Werbeexperten Ren\u00e9 Saavedra. Als talentierter und g\u00e4nzlich unpolitischer Werbefuzzi, der eindrucksvolle, aber leere Worth\u00fclsen von sich gibt, wird er f\u00fcr die \u00a1No!-Kampagne angeworben. Mit seinem produktorientierten Denken st\u00f6\u00dft er auch in den eigenen Reihen zun\u00e4chst auf Widerstand. Schlie\u00dflich wird er zur Schl\u00fcsselfigur des No-Erfolgs, stellt die Freude als Ziel in den Mittelpunkt und mausert sich zum engagierten B\u00fcrger, dem die Zukunft seines Landes am Herzen liegt. Diese Entwicklung nimmt man ihm ohne zu Z\u00f6gern ab, Garc\u00eda Bernals darstellerischer Leistung geb\u00fchrt h\u00f6chster Respekt.<\/p>\n<p>Ein Drittel der Bilder bestehen aus Originalmaterial von 1988 und geben einen Einblick in die regenbogenbunte Kampagne. Neben witzigen, sp\u00f6ttischen und sarkastischen Spots stechen die Bilder von Verschleppung, Gewalt und Ungerechtigkeit umso st\u00e4rker hervor und verfehlen ihre beklemmende Wirkung auch heute nicht. Die Stimmung im Open-Air-Kino schl\u00e4gt denn auch, wie im Film, min\u00fctlich um zwischen der Euphorie, die die Kampagne durch Kreativit\u00e4t, Musik und Farben verspr\u00fcht und dem bitteren Ernst, wenn die Milit\u00e4rs nachts bedrohlich auflauern oder ihre Schlagst\u00f6cke einsetzen. Jeder hat im Hinterkopf, dass das in Wirklichkeit so geschehen ist.<\/p>\n<p>Der Film wird mit seinen 117 Minuten niemals langatmig, und auch ein kurzer Regenschauer kann die Blicke im Anfiteatro nicht von der Leinwand ablenken. Am Ende gibt es viel zu Feiern und zu Lachen (eigentlich schade, dass der Ausgang, historischen Fakten geschuldet, von vornherein klar ist) \u2013 und sogar \u00fcber Garc\u00eda Bernals Gesicht huscht endlich ein L\u00e4cheln. Mit diesem tollen Einstieg darf man sich auf ein lebendiges und buntes Festival freuen. Der Kartenverkauf l\u00e4uft weiterhin und es gibt viel zu entdecken. Dieses Jahr scheinen sich die Festivalbesucher besonders f\u00fcr Filme mit historischem Hintergrund zu interessieren: Alle drei Vorstellungen des deutschen Beitrags &#8220;Hannah Arendt&#8221;, der vom Eichmann-Prozess in Israel erz\u00e4hlt, sind beispielsweise schon ausverkauft.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck ins Open-Air-Kino: Nach einem langen Schlussapplaus machen sich Paola und ihre Freundinnen auf den Heimweg. Sie und die anderen BAFICI-Besucher singen und summen auch nach dem Abspann den Jingle der Kampagne weiter: &#8220;Chile, la alegr\u00eda ya viene&#8221; \u2013 &#8220;Chile, die Freude kommt bald&#8221;. Ein echter Ohrwurm. Vielleicht ist Pablo Larra\u00edn ja selbst heimlicher Werbeexperte? Opposition, Freiheit und Demokratie werden in &#8220;\u00a1No!&#8221; zum Produkt, das beworben werden will. Und ob man pers\u00f6nlich diesen materiellen Gedanken nun unterst\u00fctzt oder nicht \u2013 man bei\u00dft als Zuschauer freiwillig an und wird nur allzu gerne Kunde von der Idee eines demokratischen Chile.<\/p>\n<p>Das 15. BAFICI l\u00e4uft bis zum 21. April. Informationen und Programm <a href=\"http:\/\/festivales.buenosaires.gob.ar\/festivales\/v3\/web\/index.php\/index.html\"><em>hier<\/em><\/a>.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nGute Stimmung herrschte bei der Er\u00f6ffnung des Independent-Festivals BAFICI am Mittwochabend im Freilichtkino des Parque Centenario.<br \/>\n(Foto: BAFICI)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;\u00a1No!&#8221; von Pablo Larra\u00edn er\u00f6ffnet das 15. BAFICI Von Jana M\u00fcnkel In und um die Recoleta Mall, dem cineastischen Brennpunkt von Buenos Aires, ist am fr\u00fchen Mittwochabend alles merklich f\u00fcr das BAFICI herausgeputzt. 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