{"id":1533,"date":"2008-08-14T14:18:48","date_gmt":"2008-08-14T17:18:48","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/08\/14\/soziale-asthetik\/"},"modified":"2008-08-14T14:18:48","modified_gmt":"2008-08-14T17:18:48","slug":"soziale-asthetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/08\/14\/soziale-asthetik\/","title":{"rendered":"Soziale \u00c4sthetik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Juan Carlos Castagnino im Museo Nacional de Bellas Artes<\/p>\n<p><em>Von Katharina Guderian<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1532\" alt=Castag22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/Castag22.jpg\" \/><br \/>\n<em>Aus der Serie \u201eCordobazo\u201c.<br \/>\n(Foto: Katharina Guderian)<\/em><\/div>\n<p>Unterschiedlicher k\u00f6nnten die Stilrichtungen kaum sein &#8211; farbenfrohe \u00d6lgem\u00e4lde, Acryl und Aquarelle, klare Tintenzeichungen, anatomische Zeichenstudien, Collagen mit Zeitungsausschnitten, Wandmalereien. Die Werke des argentinischen K\u00fcnstlers Juan Carlos Castagnino haben eine Bandbreite, die ihresgleichen sucht. Sie werden vereint nicht nur von dem \u00e4sthetischen Bed\u00fcrfnis des K\u00fcnstlers, sondern auch von seinem sozialen und politischen Anspruch. Die Ausstellung \u201eHumanismo, poes\u00eda y representaci\u00f3n\u201c im Museo Nacional de Bellas Artes zeigt bis zum 28. September etwa 100 Werke des am 18. November 1908 in Mar del Plata geborenen K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p>\u201eCastagninos Wandmalereien werden oft vergessen, f\u00fcr mich bilden sie aber das Herz dieser Ausstellung\u201c, betont Kuratorin Clelia Taricco. Nach Kunststudien am MEEBA (Escuela Superior de Bellas Artes) und Seminaren bei den Meistern Lino Eneo Spilimbergo und Ram\u00f3n G\u00f3mez Cornet wurde Castagnino im Alter von 25 Jahren von dem Mexikaner David A. Siqueiros in die Gruppe einberufen, welche die Wandmalerei in der Quinta von Natalio Botana in Don Torcuato gestalten sollte. Danach schuf er zahlreiche weitere Wandbilder an den unterschiedlichsten \u00f6ffentlichen und privaten Orten weltweit.<\/p>\n<p>Sein wahrscheinlich bedeutendstes Werk in Argentinien schuf er 1945 zusammen mit Antonio Berni, Spilimbergo, Demetrio Urruch\u00faa und Manuel Colmeiro Guimar\u00e1s in den Galer\u00edas Pac\u00edfico in Buenos Aires. Die Ausstellung im Bellas Artes zeigt Kohlestudien auf Pergament, die der K\u00fcnstler im Vorfeld f\u00fcr seine Wandmalereien fertigte, an welchen sich der Entstehungsprozess der Arbeiten nachvollziehen l\u00e4sst. Faszinierend ist die auf eine gro\u00dfe, wei\u00dfe Wand projizierte Diashow seiner Wandmalereien, die laut Taricco so zum allerersten Mal \u00fcberhaupt in einer Ausstellung gezeigt wird.<\/p>\n<p>Bei den Wandmalereien kommt Castagninos besondere Beziehung zu seinem Publikum am st\u00e4rksten zu tragen: \u201eEin Werk ist so lange nur ein potenzielles Kunstwerk, bis es seinen Betrachter trifft.\u201c Castagnino trieb die Wandmalerei in Argentinien voran und versuchte so, die Trennung zwischen der \u00d6ffentlichkeit und der Malerei zu bew\u00e4ltigen. Er spricht dem Betrachter eine wichtige Rolle zu, denn der Mensch vor dem Werk sieht, richtet, transformiert, ersinnt, liest und versteht. F\u00fcr Castagnino galt Kunst als soziale Gegebenheit. Somit flossen neben seinen \u00e4sthetischen Anspr\u00fcchen auch die politischen und sozialen Interessen in seine Produktion ein. Er wollte Visionen und \u00c4ngste der Personen im sozialen Umfeld seiner Zeit als Bild des ganzheitlichen Menschen einfangen. \u201eDie Kunst muss das Zeugnis unserer Welt sein, unserer Ideen und der sozialen Ph\u00e4nomene, in denen wir leben\u201c, lautete Castagninos Dogma.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler lernte 1939 bei einer Studienreise durch Europa unter anderem Braque, L\u00e9ger und Picasso kennen. Doch seine 40 Schaffensjahre sind am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt von einem tiefen humanistischen Gef\u00fchl. In der Ausstellung sind Castagninos Werke sowohl thematisch wie auch chronologisch angeordnet. Der Mensch ist das Leitmotiv seiner gesamten Produktion. In den 40ern schuf er eine Serie von expressiven Landschaftsbildern, in den 50ern konzentrierte er sich auf Landarbeiter und Fabriklandschaften. Auch der Kontrast zwischen Stadt und Land ist ein allgegenw\u00e4rtiges Thema seines Schaffens. Ende der 60er entstanden die Serien \u201eVietnam\u201c und \u201eCordobazo\u201c. Diese besch\u00e4ftigen sich mit der in den Medien gezeigten Gewalt. Die Collagen aus aufgeklebten Zeitungsausschnitten und schwunghaften Tuschezeichnungen schaffen verschiedene Bedeutungsebenen, die einen simultanen Dialog \u00fcber Wirklichkeit und Interpretation erm\u00f6glichen. Castagnino illustrierte au\u00dferdem eines der wichtigsten Werke argentinischer Literatur, die Gaucho-Gedichte \u201eMart\u00edn Fierro\u201c von Jos\u00e9 Hern\u00e1ndez.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem der Ehrenmedaille in Malerei des internationalen Kunstfestes in Br\u00fcssel (1958), dem gro\u00dfen Ehrenpreis des Sal\u00f3n Nacional (1959) und dem Sonderpreis f\u00fcr Zeichnungen bei der II. Biennale von Mexiko (1962). Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er zum Mitglied der Academia Nacional de Bellas Artes ernannt. Am 21. April 1972 verstarb er in Buenos Aires. Insbesondere seine Wandmalereien \u00fcberall auf der Welt, werden aber seinen Dialog mit den Menschen weiterf\u00fchren.<\/p>\n<ul>\n<li>Bis 28.9. im Museo Nacional de Bellas Artes, Av. del Libertador 1473. Di-Fr 12.30-19.30, Sa und So 9.30-19.30 Uhr. Eintritt frei.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Carlos Castagnino im Museo Nacional de Bellas Artes Von Katharina Guderian Aus der Serie \u201eCordobazo\u201c. (Foto: Katharina Guderian) Unterschiedlicher k\u00f6nnten die Stilrichtungen kaum sein &#8211; farbenfrohe \u00d6lgem\u00e4lde, Acryl und Aquarelle, klare Tintenzeichungen, anatomische Zeichenstudien, Collagen mit Zeitungsausschnitten, Wandmalereien. Die Werke des argentinischen K\u00fcnstlers Juan Carlos Castagnino haben eine Bandbreite, die ihresgleichen sucht. 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