{"id":15337,"date":"2013-04-21T10:09:26","date_gmt":"2013-04-21T13:09:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15337"},"modified":"2013-04-20T16:19:34","modified_gmt":"2013-04-20T19:19:34","slug":"die-krise-als-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/04\/21\/die-krise-als-chance\/","title":{"rendered":"Die Krise als Chance?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutscher Soziologe Ulrich Beck zu einem kosmopolitischen Europa<\/p>\n<p><em>Von Jessica Steglich<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/beck1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/beck1.jpg\" alt=\"\" title=\"beck\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15339\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/beck1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/beck1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nAm Dienstagabend veranstaltete die Fundaci\u00f3n OSDE in Zusammenarbeit mit der Universidad Nacional de San Mart\u00edn und der Universidad Diego Portales de Chile im Sheraton Hotel in Buenos Aires eine Konferenz zum Thema &#8220;La Crisis de Europa&#8221;. Als Ehrengast und Hauptredner war der renommierte deutsche Soziologe Prof. Dr. Ulrich Beck geladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem chilenischen Soziologen Ernesto Ottone. Beck, einer der meist zitierten Soziologen der heutigen Zeit, war bis 2009 Professor der Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen, und ist seither unter anderem Gastprofessor an der London School of Economics and Political Science.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Abends erl\u00e4uterte Professor Beck seinen soziologischen Ansatz im Kontext der aktuellen Krise in Europa. Seiner Ansicht nach erfordert die wissenschaftliche Diskussion \u00fcber diese Thematik neue Kategorien des Denkens, da der Nationalstaat als Akteur zwar noch existiere, aber in der heutigen globalisierten, transnational gewordenen Welt einen Bedeutungsverlust erfahren habe. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, von einem &#8220;methodologischen Nationalismus&#8221; zu einem &#8220;methodologischen Kosmopolitismus&#8221; \u00fcberzugehen. &#8220;Der Nationalismus ist heutzutage paradoxerweise zum Feind der Nationen geworden&#8221;, so Beck, und sieht die L\u00f6sung dieses Problems in einem &#8220;kosmopolitisierten Europa&#8221;.<\/p>\n<p>F\u00fcr Beck steht der Sinn eines geeinten Europas au\u00dfer Zweifel. Anhand von vier entscheidenden Punkten legitimierte er das Weiterbestehen des Staatenverbandes.<\/p>\n<p>Zum Ersten habe das vereinte Europa historisch gesehen erstmals dauerhaften Frieden nach Europa gebracht. Es verk\u00f6rpere damit den Gedanken des &#8220;Nie wieder&#8221; seiner Gr\u00fcnderv\u00e4ter und sei auch ein Symbol f\u00fcr den jahrzehntelangen Wohlstand der europ\u00e4ischen Nationen.<\/p>\n<p>Zweitens verhindere die Europ\u00e4ische Gemeinschaft den Bedeutungsverlust der Einzelstaaten. Diese seien in einer transnationalen, globalisierten Welt, dominiert von Wirtschaftsinteressen etablierter und aufsteigender Superm\u00e4chte, keineswegs in der Lage, ihre Interessen im Alleingang durchzusetzen. Als Beispiel f\u00fchrt Beck das Szenario eines m\u00f6glichen EU-Ausstiegs Gro\u00dfbritanniens an, der seiner Ansicht nach zum partiellen Verfall des Landes f\u00fchren k\u00f6nnte. W\u00e4hrend n\u00e4mlich die Waliser und Schotten sich um eine weitere Mitgliedschaft bem\u00fchen w\u00fcrden, k\u00f6nnte England als regional isolierter Akteur starke Einbu\u00dfen in seiner globalen Bedeutung erfahren, prophezeit Beck.<\/p>\n<p>Ein weiterer Zweck der europ\u00e4ischen Union k\u00f6nne in der Neuerfindung der Moderne liegen. Das System des &#8220;selbstm\u00f6rderischen Finanzkapitalismus&#8221;, so Beck, welcher sich von Europa aus \u00fcber die ganze Welt ausgebreitet und verheerende Auswirkungen nach sich gezogen habe, m\u00fcsse weiterentwickelt, sozusagen repariert werden. Diese Aufgabe k\u00f6nne Europa in Zusammenarbeit mit anderen L\u00e4ndern und der internationalen Gemeinschaft angehen.<\/p>\n<p>Der vierte m\u00f6gliche Sinn einer europ\u00e4ischen Union k\u00f6nnte nach Beck die Neuinterpretation des Nationalismus-Begriffs sein. Entgegen der Angst vieler Einzelstaaten, Europa w\u00fcrde ihre nationale Autonomie und Autorit\u00e4t unterminieren, schl\u00e4gt Beck vor, vom Gedanken eines einzigen &#8220;europ\u00e4ischen Demos&#8221; abzur\u00fccken. Vielmehr k\u00f6nne die Vorstellung einer Vielzahl an &#8220;Demoi&#8221;, also verschiedener europ\u00e4ischer V\u00f6lker, die gemeinsam im europ\u00e4ischen Projekt ihre Zukunft gestalten, den Schutz der nationalen Identit\u00e4ten garantieren.<\/p>\n<p>Der Soziologe \u00e4u\u00dferte sich auch zur neuen F\u00fchrungsrolle Deutschlands innerhalb der Europ\u00e4ischen Union. Dabei benutzte er den Begriff &#8220;Merkiavelli&#8221;, eine Anspielung auf Merkels machtpolitisches Kalk\u00fcl im Sinne des Politikphilosophen Niccol\u00f2 Machiavelli. Beck sieht diese neue Rolle Deutschlands kritisch, da die deutsche Regierung versuche, ihre eigene Sparpolitik der EU \u00fcberzust\u00fclpen, und damit Unmut und Ressentiments innerhalb der Gemeinschaft sch\u00fcre. Allerdings sei Deutschland ganz ungewollt in der europ\u00e4ischen Hierarchie aufgestiegen und zu einer m\u00e4chtigen F\u00fchrungsnation avanciert, eine Rolle, vor der 1953 bereits Thomas Mann gewarnt habe.<\/p>\n<p>Beck zufolge m\u00fcssten die L\u00e4nder dieser Erde lernen, sich mit den Augen der Anderen zu betrachten. So gesehen h\u00e4lt er sein Konzept auch f\u00fcr \u00fcbertragbar auf andere Regionen. Allerdings wirft ein Publikumbeitrag zur Bedeutung von &#8220;Patria&#8221; in diesem Kontext die Frage auf, ob es historisch bedingt unterschiedliche Auffassungen von Heimat und Herkunft gibt. Insofern bleibt diskutierbar, ob andere Kulturkreise sich mit diesem Konzept ebenso identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Zahl der Konferenzteilnehmer offenbarte jedenfalls das gro\u00dfe Interesse, mit welchem man auch hierzulande die Entwicklungen der Krise in Europa beobachtet.<\/p>\n<p>Am Ende seiner Ansprache und nach der Beantwortung einiger Publikumsfragen bedankte sich Dr. Beck bei seinem Publikum und den Veranstaltern, und stellte sich im Anschluss f\u00fcr Fotos und Autogramme zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nProf. Dr. Ulrich Beck weilte auf Einladung der Fundaci\u00f3n Osde und der UNSAM in Argentinien.<br \/>\n(Foto: Jessica Steglich)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutscher Soziologe Ulrich Beck zu einem kosmopolitischen Europa Von Jessica Steglich Am Dienstagabend veranstaltete die Fundaci\u00f3n OSDE in Zusammenarbeit mit der Universidad Nacional de San Mart\u00edn und der Universidad Diego Portales de Chile im Sheraton Hotel in Buenos Aires eine Konferenz zum Thema &#8220;La Crisis de Europa&#8221;. 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