{"id":1541,"date":"2008-08-23T14:02:39","date_gmt":"2008-08-23T17:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/08\/20\/der-akt-des-zeichnens\/"},"modified":"2008-08-27T20:42:26","modified_gmt":"2008-08-27T23:42:26","slug":"der-akt-des-zeichnens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/08\/23\/der-akt-des-zeichnens\/","title":{"rendered":"Der Akt des Zeichnens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werke von Alejandro Scasso bei &#8220;Niundiasinunalinea&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1542\" alt=Ale22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/Ale22.jpg\" \/><br \/>\n<em>Alejandro Scasso am Er\u00f6ffnungabend vor einem seiner Werke.<br \/>\n(Foto: Susanne Franz)<\/em><\/div>\n<p>&#8220;Niundiasinunalinea&#8221; &#8211; etwa: &#8220;Kein-Tag-ohne-einen-Strich&#8221; &#8211; ist ein Projekt von (bislang) 10 K\u00fcnstlern, die jeden Tag eine Zeichnung anfertigen und diese ins Internet stellen. Die Idee entstand im Jahr 2006, und eines der drei Gr\u00fcndungsmitglieder des Projekts war Alejandro Scasso, ein argentinischer K\u00fcnstler, der seit 17 Jahren in Deutschland, genauer gesagt in K\u00f6ln lebt. Alejandro ist eigentlich Maler und verdient seine Br\u00f6tchen in wieder einem anderen Beruf in einem der zahlreichen K\u00f6lner Filmstudios. Zu Hause in Buenos Aires ist er lange nicht mehr gewesen, aber nun hat es ihn doch einmal wieder an den R\u00edo de la Plata verschlagen. Eine Ausstellung wollte er eigentlich gar nicht machen, doch die Freunde von &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; \u00fcberredeten ihn &#8211; einer stellte ihm auch sein Atelier zur Verf\u00fcgung. So wurde am 15. August (und bis zum 29.) eine Schau mit Alejandro Scassos in den letzten drei Wochen eigens geschaffenen Zeichnungen er\u00f6ffnet &#8211; in der Galerie &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; in San Telno (Defensa 1455), die die Freunde seit November 2007 erfolgreich betreiben.<\/p>\n<p>Omar Estela und Pablo Engel sind zwei von ihnen. Auch sie &#8211; und alle beteiligten K\u00fcnstler &#8211; sind von Haus aus keine Zeichner. &#8220;Wir leben alle von etwas anderem, und die meisten von uns sind auf anderen k\u00fcnstlerischen Gebieten t\u00e4tig, als Architekten, Graphiker, Bildhauer oder Maler&#8221;, sagt Omar. &#8220;Aber uns liegt daran, der Zeichnung zu einer neuen Wertsch\u00e4tzung zu verhelfen&#8221;, f\u00fcgt Pablo hinzu. Den Akt des Zeichnens &#8211; das nur wenige Striche erfordernde Entstehen von Etwas aus dem Nichts &#8211; wollen die K\u00fcnstler in ein neues Licht r\u00fccken, u.a. auch, indem sie in der Galerie immer wieder einmal live zeichnen. Dieser &#8220;Performance&#8221; kann der Zuschauer in der Galerie selbst beiwohnen, oder er kann sie von au\u00dfen durch die gro\u00dfen Fenster auf eine Leinwand projiziert sehen.<\/p>\n<p>Die Galerie hat hohe, wei\u00df gestrichene W\u00e4nde, auch die sehr gute Beleuchtung l\u00e4sst die Werke gut zur Geltung kommen. An einer Wand steht ein kleiner Schreibtisch mit Computer, und daneben der &#8220;Galerienschatz&#8221; &#8211; ein Archivschrank, in dem die bisher geschaffenen Originalwerke unter den Namen der jeweiligen K\u00fcnstler abgelegt sind. &#8220;Wenn jemand eines der Originalwerke kauft, bekommt er nicht nur eine CD mit allen anderen Werken des Projekts dazu, sondern auch die Gewissheit, einen Baustein eines sich in einem lebendigen Prozess befindlichen Gesamtkunstwerks zu erwerben&#8221;, sagt Omar Estela.<\/p>\n<p>Alejandro Scasso hat unterdessen viele H\u00e4nde zu sch\u00fctteln. Auch sein Lehrer, der renommierte argentinische K\u00fcnstler Ernesto Pesce, ist unter den vielen G\u00e4sten. Alejandro hat nicht viel Zeit, \u00fcber seine Werke zu sprechen. &#8220;Mich interessiert die menschliche Geste&#8221;, sagt er, &#8220;der urspr\u00fcngliche kreative Z\u00fcndfunke, der aus dem Bauch kommt, der aber dann durch die Gedanken eine neue Dimension bekommt.&#8221; Alejandro synthetisiert die Verflechtung von Gef\u00fchls- und intellektueller Welt in seinen Arbeiten, indem er seine spontanen, &#8220;un-bewussten&#8221; Zeichengesten kopiert und diese Kopien wiederum in seine Werke \u00fcbertr\u00e4gt. &#8220;Die Wiederholung, das Erstarren der Geste&#8221; will er so zum Ausdruck bringen. &#8220;Eigentlich komme ich von der expressionistischen Malerei&#8221;, sagt er. &#8220;Aber ich habe so viel davon in Deutschland gesehen, dass ich \u00fcbers\u00e4ttigt war.&#8221; Der heutigen technologisierten Welt und Gesellschaft m\u00fcsse man auch mit anderen k\u00fcnstlerischen Mitteln gerecht werden.<\/p>\n<p>In der Mitte der Galerie steht ein kleiner Tisch mit ein paar Flaschen Rotwein und etwas zum Knabbern. Ein wenig f\u00fchlt man sich hier wie bei Freunden im Wohnzimmer. Das Projekt &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; ist ein bisschen anders, &#8220;an der Peripherie des Marktes&#8221;, wie Omar Estela es ausdr\u00fcckt. Doch bei allem Wohlf\u00fchl-Bonus wird auch deutlich, dass es sich dabei um eine bewusste, durchdachte Entscheidung handelt, die Erfolg zeitigt.<\/p>\n<p><em>An dem Projekt &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; sind folgende K\u00fcnstler beteiligt: Javier Bernasconi, Cecilia Coppo, Pablo Engel, Omar Estela, Tom\u00e1s Fracchia, Lux Lindner, H\u00e9ctor Meana, Marcela Oliva, Alfonso Platini und Alejandro Scasso. Die Galerie in der Stra\u00dfe Defensa 1455 ist dienstags bis sonntags von 15,30-20.30 Uhr ge\u00f6ffnet; jeden Nachmittag trifft man einen der beteiligten K\u00fcnstler in der Galerie an. <a href=\"http:\/\/www.niundiasinunalinea.com.ar\/\">Das Projekt ist auch im Internet zu finden.<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Erschienen im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 23.08.09.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werke von Alejandro Scasso bei &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; Von Susanne Franz Alejandro Scasso am Er\u00f6ffnungabend vor einem seiner Werke. (Foto: Susanne Franz) &#8220;Niundiasinunalinea&#8221; &#8211; etwa: &#8220;Kein-Tag-ohne-einen-Strich&#8221; &#8211; ist ein Projekt von (bislang) 10 K\u00fcnstlern, die jeden Tag eine Zeichnung anfertigen und diese ins Internet stellen. 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