{"id":15424,"date":"2013-04-25T14:05:35","date_gmt":"2013-04-25T17:05:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15424"},"modified":"2013-04-27T14:11:03","modified_gmt":"2013-04-27T17:11:03","slug":"lasst-uns-fur-eine-minute-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/04\/25\/lasst-uns-fur-eine-minute-schweigen\/","title":{"rendered":"&#8220;Lasst uns f\u00fcr eine Minute schweigen&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto<\/p>\n<p><em>Von Jana M\u00fcnkel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/avruj.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/avruj.jpg\" alt=\"\" title=\"avruj\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15425\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/avruj.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/avruj-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDie vielen Sitzpl\u00e4tze im Gew\u00f6lbefoyer des Holocaustmuseums reichen gar nicht aus, so viele Menschen sind am Dienstagabend gekommen, um gemeinsam den Opfern der Shoah zu gedenken. Vor allem \u00e4ltere Besucher hat es zu der Veranstaltung gezogen. Leise, melancholische Fl\u00f6tent\u00f6ne, gespielt von Liliana Iciksonas, bahnen sich ihren Weg durch das Stimmengewirr und sorgen f\u00fcr and\u00e4chtige Ruhe. Nach der Begr\u00fc\u00dfung spricht David Galante. Er ist Auschwitz\u00fcberlebender, verlor bis auf einen seiner Br\u00fcder die gesamte Familie. Mit br\u00fcchiger Stimme spricht er von seinen Erlebnissen, von dem, was seine Augen niemals vergessen k\u00f6nnen, wie er sagt. &#8220;Und deshalb sind wir heute hier: Um zu erz\u00e4hlen, was wir erlebt haben.&#8221;<\/p>\n<p>Im Fokus steht an diesem Abend der Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto, der sich am 19. April zum 70. Mal j\u00e4hrte. Die dort gefangenen Juden lehnten sich mit allem, was sie an Waffen\u00e4hnlichem zur Verf\u00fcgung hatten, gegen ihre Deportation auf. Als die Nazis in das Ghetto einmarschierten, wurden sie von j\u00fcdischen Widerstandsk\u00e4mpfern unter der Leitung von Mordecai Anielewicz angegriffen und aufgehalten. Etwa vier Wochen dauerten die erbitterten K\u00e4mpfe an. Um den Widerst\u00e4ndlern sowie allen get\u00f6teten und \u00fcberlebenden Juden zu gedenken, entz\u00fcnden Pers\u00f6nlichkeiten aus dem j\u00fcdischen Leben in Argentinien sechs Kerzen an einem Leuchter. Gefolgt wird dieser symbolische Augenblick von einer Schweigeminute und einem gemeinsamen Gebet, ein bewegender Moment f\u00fcr alle Anwesenden.<\/p>\n<p>In seiner anschlie\u00dfenden Rede erinnert der Rabbi und Rektor des lateinamerikanischen Rabbinerseminars Dr. Abraham Skorka an den &#8220;Horror der Shoah&#8221; und die &#8220;schreckliche Stille in Auschwitz&#8221;. Ein eindringliches Pl\u00e4doyer f\u00fcr die gekonnte Balance zwischen Freiheit und Recht h\u00e4lt im Anschluss Dr. Luis Alberto Romero, Professor f\u00fcr Geschichte an der philosophischen und geisteswissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universidad de Buenos Aires: &#8220;Wenn das Gesetz bedroht ist, ist die Freiheit in Gefahr.&#8221;<\/p>\n<p>Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wird ebenso der neue Aufsichtsrat vorgestellt, der bis 2015 in dieser Zusammensetzung arbeiten wird. Unter mehrfachem Zwischenapplaus h\u00e4lt der neue Museumspr\u00e4sident Claudio Avruj seine Antrittsrede. Feurig und \u00fcberzeugend spricht er von der Wichtigkeit des Holocaustmuseums als Institution, die seit 20 Jahren einzigartig in Lateinamerika sei, und bedankt sich bei allen Unterst\u00fctzern. Es sei zudem ein enormes Privileg, noch mit \u00dcberlebenden sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch in Buenos Aires leben einige Zeitzeugen, die regelm\u00e4\u00dfig ihre Erlebnisse schildern, Avruj honoriert ihren Einsatz gegen das Vergessen. Er gedenkt vor allem der M\u00e4rtyrer und Helden des Ghettoaufstands vor 70 Jahren und fordert dazu auf, sich nicht nur zu erinnern, sondern nach den Gr\u00fcnden der Shoah zu suchen. &#8220;Das Museum soll eine laute Stimme sein, die Geist und Verstand anregt, eine bessere Gesellschaft zu schaffen.&#8221;<\/p>\n<p>Nach seiner Rede wird Avruj von vielen Seiten begl\u00fcckw\u00fcnscht. Zum Abschluss der Veranstaltung gibt es ein besonderes musikalisches Ereignis. Gemeinsam mit einer russischen \u00dcberlebenden singen alle Anwesenden die jiddische &#8220;Partisanenhymne&#8221;, die auch im Warschauer Ghetto oft zu h\u00f6ren war. Viele k\u00f6nnen auswendig aus voller Kehle mitsingen: &#8220;Dos lid geschribn is mit blut un nischt mit blej&#8221; &#8211; auch im Holocaustmuseum an diesem Dienstagabend h\u00f6rt man noch die Entschlossenheit heraus, die hinter diesem Vers steckt.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDer neue Museumsdirektor Claudio Avruj bei seiner Ansprache.<br \/>\n(Foto: Jana M\u00fcnkel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto Von Jana M\u00fcnkel Die vielen Sitzpl\u00e4tze im Gew\u00f6lbefoyer des Holocaustmuseums reichen gar nicht aus, so viele Menschen sind am Dienstagabend gekommen, um gemeinsam den Opfern der Shoah zu gedenken. Vor allem \u00e4ltere Besucher hat es zu der Veranstaltung gezogen. 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