{"id":15428,"date":"2013-04-26T14:15:48","date_gmt":"2013-04-26T17:15:48","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15428"},"modified":"2013-04-28T00:42:59","modified_gmt":"2013-04-28T03:42:59","slug":"kino-muss-ins-leben-wirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/04\/26\/kino-muss-ins-leben-wirken\/","title":{"rendered":"&#8220;Kino muss ins Leben wirken&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der deutsche Regisseur Christoph Hochh\u00e4usler ist ein Allrounder &#8211; in Buenos Aires war er auf dem 15. BAFICI zu Gast<\/p>\n<p><em>Von Jana M\u00fcnkel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/naves.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/naves.jpg\" alt=\"\" title=\"naves\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15431\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/naves.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/naves-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEr ist 1972 in M\u00fcnchen geboren, hat zun\u00e4chst eine Weile Architektur in Berlin studiert und kam schlie\u00dflich \u00fcber Umwege zum Filmstudium an die HFF M\u00fcnchen: Christoph Hochh\u00e4usler ist Regisseur aus Leidenschaft, wird zu der sogenannten &#8220;Berliner Schule&#8221; gez\u00e4hlt und hat mit Filmen wie &#8220;Unter dir die Stadt&#8221; (D 2010) oder &#8220;Dreileben &#8211; Eine Minute dunkel&#8221; (D 2011) viel Aufmerksamkeit und Anerkennung geerntet. Mit diesen Filmen war er auch zum diesj\u00e4hrigen BAFICI (Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente) eingeladen.<\/p>\n<p>An dem sonnigen Freitagnachmittag des zweiten Festivaltages kommt er entspannt zum Auditorium &#8220;El Aleph&#8221; im Centro Cultural Recoleta geschlendert, um eine neue argentinische Filmzeitschrift vorzustellen &#8211; und wirkt \u00fcberhaupt nicht wie jemand, der mit einer anstrengenden &#8220;Vierfachrolle&#8221; in Buenos Aires zu Gast ist. Der Regisseur weilt n\u00e4mlich nicht nur in Argentinien, um Zeitschriften vorzustellen oder seine Filme zu zeigen, sondern ist ebenso Jurymitglied. Er wird alle Filme der Sektion &#8220;cine argentino&#8221; sehen und mit seinen Jurykollegen diskutieren, um den besten argentinischen Film zu k\u00fcren. Dar\u00fcber hinaus ist er im &#8220;TalentCampus&#8221; eingebunden, um jungen Filmemachern etwas von seinem Wissen weiterzugeben. Begleiten wir ihn also ein bisschen und erleben einen Nachmittag im Leben des vielbesch\u00e4ftigten Festivalgasts.<\/p>\n<p><strong>Rebellisch auf dem Podium<\/strong><\/p>\n<p>Vor 15 Jahren ging Christoph Hochh\u00e4usler zusammen mit Kommilitonen der Filmhochschule M\u00fcnchen im wahrsten Sinne des Wortes auf Konfrontation und gr\u00fcndete die Kinozeitschrift &#8220;Revolver&#8221;. &#8220;Es war eine Art Notwehr und der Versuch, das, was uns interessiert, selber zu organisieren&#8221;, sagt er heute und beschreibt die Entt\u00e4uschung \u00fcber die HFF und die Notwendigkeit der Zeitschrift als &#8220;Startpunkt f\u00fcr ein neues Wir&#8221;. Deshalb freut es ihn umso mehr, einer neuen argentinischen Zeitschrift im Rahmen des BAFICI Starthilfe zu leisten. &#8220;Las naves&#8221; erscheint in Kooperation mit Revolver und wird herausgegeben von Juliana Mortati und Hern\u00e1n Rosselli.<\/p>\n<p>Bei der Begr\u00fc\u00dfung der Podiumsg\u00e4ste tut sich Moderator Roger Koza nicht ganz leicht mit der Aussprache von &#8220;Hochh\u00e4usler&#8221; &#8211; dieser nimmt\u2019s mit Gelassenheit und einem Grinsen und es entwickelt sich eine rege Diskussion \u00fcber das Kino im Allgemeinen und &#8220;las naves&#8221; im Besonderen. Es gibt einen direkten Austausch von Texten und Interviews zwischen &#8220;Revolver&#8221; und &#8220;las naves&#8221; und das wird deutlich in der ersten Ausgabe, zu der auch Hochh\u00e4usler ein kurzes Manifest beigesteuert hat.<\/p>\n<p>Auf dem Podium entbrennt unterdessen eine hitzige Diskussion zwischen Hochh\u00e4usler und dem argentinischen Regisseur, Produzenten und Schauspieler Mariano Llin\u00e1s. Letzterer prangert die &#8220;festivalgeile&#8221; Haltung junger Filmemacher an und beklagt ihre unpoetischen Filme, Hochh\u00e4usler dagegen springt f\u00fcr sie in die Bresche: &#8220;Man kann nicht von jedem ein \u201aKino der G\u00f6tter\u2018 erwarten, das ist zu schwer f\u00fcr ihre Schultern!&#8221; Die schlagfertigen Wortwechsel sorgen f\u00fcr allgemeine Heiterkeit und die \u00dcbersetzerin kommt zeitweise gar nicht hinterher. Doch die beiden verstehen sich auch so, schlie\u00dflich &#8220;vertragen&#8221; sie sich mit einem kr\u00e4ftigen Handschlag &#8211; der gilt in allen Sprachen!<\/p>\n<p><strong>Auf der Suche nach einem Gef\u00fchl<\/strong><\/p>\n<p>Eine lange Verschnaufpause hat Hochh\u00e4usler nach der Diskussion nicht, es geht direkt weiter zum Screening seines Films &#8220;Unter dir die Stadt&#8221; im Village Cines. Der Kinosaal ist gut gef\u00fcllt und das unterk\u00fchlte Bankerdrama aus der Chefetage einer Frankfurter Investmentbank wird begeistert aufgenommen; im Anschluss gibt es minutenlangen Applaus. Hochh\u00e4usler steht f\u00fcr ein &#8220;Questions and Answers&#8221; zur Verf\u00fcgung und gibt bereitwillig Auskunft. Wie er an das Thema herangegangen sei, m\u00f6chte eine Zuschauerin wissen. Er habe viele Interviews gef\u00fchrt, erz\u00e4hlt der M\u00fcnchner, allerdings seien diese nur \u00fcber Bekannte von Freunden zustande gekommen: &#8220;Von offizieller Seite war da keinerlei Kommunikation gew\u00fcnscht.&#8221; Vor allem die wenigen weiblichen Bankerinnen h\u00e4tten aufschlussreiche Dinge verraten.<\/p>\n<p>Der Film entstand vor der Krise, &#8220;Ahnungen von einem Crash wurden aber schon ge\u00e4u\u00dfert. Mit einer Krise diesen Ausma\u00dfes hatte allerdings keiner gerechnet.&#8221; Warum der Banker des Jahres im Film Drogenabh\u00e4ngigen beim Fixen zuschauen m\u00fcsse, lautet die Frage eines anderen Festivalbesuchers. Jeder sei getrieben von der Sehnsucht, etwas Wirkliches zu sp\u00fcren, so  Hochh\u00e4usler. Realit\u00e4ts-Feeling f\u00fcr die Abgeh\u00e4rteten also. Anschaulich vergleicht der Regisseur den Investmentbanker mit einem Bomberpiloten: &#8220;Auch der sieht nicht, wo seine Bombe niedergeht und was sie anrichtet.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Festivalskepsis und Kino als soziale Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter sitzt er, noch immer quietschfidel, in einem B\u00fcchercaf\u00e9 auf dem Festivalgel\u00e4nde und l\u00e4sst sich mit weiteren (Interview-)fragen l\u00f6chern. Mitten im Gespr\u00e4ch st\u00fcrmt eine Filmzuschauerin herbei, um mit ihm noch weiter \u00fcber seinen Film zu sprechen. Sie ist ganz aus dem H\u00e4uschen und er antwortet ihr geduldig &#8211; sogar auf Spanisch! &#8220;Das Publikum hier ist sehr interessiert am Kino und an der Debatte&#8221;, sagt Hochh\u00e4usler anerkennend mit einem kleinen Schmunzeln. Er freut sich, als Jurymitglied alle argentinischen Filme anzusehen, ist aber gleichzeitig \u00fcberzeugter Festivalkritiker: &#8220;Ganz allgemein ist das Festivalsystem ja so eine Art Krankheit, die die Welt des Kinos befallen hat und alles auffrisst. Ich w\u00fcnsche mir eigentlich ein Kino, das weit dar\u00fcber hinausgeht.&#8221; Was f\u00fcr ihn dann Kino sei? &#8220;Erst einmal eine soziale Praxis. Man kommt zusammen, um Filme zu sehen.&#8221; Aber auch der Diskurs dar\u00fcber sei unabdingbar, Kino m\u00fcsse ins Leben wirken.<\/p>\n<p>Christoph Hochh\u00e4usler n\u00e4hert sich dem Film jedoch nicht nur in dieser fast philosophischen Art und Weise an, er besch\u00e4ftigt sich selbstverst\u00e4ndlich auch praktisch mit &#8220;seinem&#8221; Medium. Es liegt ihm am Herzen, seine Erkenntnisse auch mit jungem Regienachwuchs zu teilen; seine Vorbildfunktion nimmt er sehr ernst. Im Rahmen des &#8220;TalentCampus&#8221; auf dem BAFICI, zu dem junge s\u00fcdamerikanische Filmemacher eingeladen sind, referiert er in der Universidad del Cine \u00fcber neue M\u00f6glichkeiten des Erz\u00e4hlens im Zeitalter des digitalen Wandels.<\/p>\n<p>Hat er selber Vorbilder? &#8220;Ganz ganz viele&#8221;, lacht er und beginnt, aufzuz\u00e4hlen: &#8220;Luchino Visconti, Alfred Hitchcock, Max Oph\u00fcls, Orson Welles, John Ford, Francis Coppola, Lucrecia Martel&#8230;&#8221; Als Christoph Hochh\u00e4usler nach dem interessanten Gespr\u00e4ch davonschlendert, wirkt er noch immer nicht wie einer mit vollem Terminkalender. Dabei wartet doch bereits der n\u00e4chste Empfang!<\/p>\n<p><strong>Foto<\/strong><br \/>\nFr\u00f6hliche Pr\u00e4sentation der ersten Ausgabe von &#8220;las naves&#8221; (v.l.n.r.): C. Hochh\u00e4usler, H. Rosselli, N. Prividera, Moderator R. Koza, J. Mortati, M. Llin\u00e1s, A. Di Tella.<br \/>\n(Foto: Roger Koza)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Regisseur Christoph Hochh\u00e4usler ist ein Allrounder &#8211; in Buenos Aires war er auf dem 15. BAFICI zu Gast Von Jana M\u00fcnkel Er ist 1972 in M\u00fcnchen geboren, hat zun\u00e4chst eine Weile Architektur in Berlin studiert und kam schlie\u00dflich \u00fcber Umwege zum Filmstudium an die HFF M\u00fcnchen: Christoph Hochh\u00e4usler ist Regisseur aus Leidenschaft, wird [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,2],"tags":[],"class_list":["post-15428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film-cine","category-kunstler-artistas"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15428"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15496,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15428\/revisions\/15496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}