{"id":15560,"date":"2013-05-06T06:34:36","date_gmt":"2013-05-06T09:34:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=15560"},"modified":"2013-05-06T14:47:51","modified_gmt":"2013-05-06T17:47:51","slug":"die-neue-waffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/05\/06\/die-neue-waffe\/","title":{"rendered":"Die neue Waffe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wirtschaftliche St\u00e4rke als Machtmittel<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>In einer Schweizer Bank erscheint ein Unbekannter mit einem Koffer. Nachdem er sich vorsichtig nach allen Richtungen umgesehen hat, fragt er fl\u00fcsternd, ob man hier eine halbe Million deponieren k\u00f6nne. Darauf der Banker: &#8220;Sie k\u00f6nnen ruhig laut sprechen. Bei uns ist Armut keine Schande.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/gold.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/gold.jpg\" alt=\"\" title=\"gold\" width=\"250\" height=\"248\" class=\"alignright size-full wp-image-15575\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/gold.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/gold-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Zuerst waren es Keulen, dann Flitzeb\u00f6gen, dann Armbr\u00fcste, Musketen, dann Kanonen, Interkontinentalraketen und Drohnen. Dagegen oder daneben wurde immer auch wirtschaftliche St\u00e4rke als Machtmittel eingesetzt. Wer Salzstra\u00dfen, die Wege der Seide oder der Gew\u00fcrze kontrollierte, konnte sich Alliierte kaufen. Wer qua Sklavenarbeit oder Maschineneinsatz oder pfiffige Innovationen begehrte Produkte billiger als Andere vermarktete, hatte die Nase vorn im Wettbewerb der Gesellschaften. Er verdiente mehr Geld als Jene. Geld regiert die Welt.<\/p>\n<p>Geld ist eine besondere Ware. Fr\u00fcher konnte man es sehen, klingen h\u00f6ren, anfassen, hineinbei\u00dfen, um zu f\u00fchlen, ob es echt war. Man lagerte es im Tresor, im eigenen oder dem der Bank. Die Bank wusste, wem es geh\u00f6rte, und auch die Obrigkeit konnte es erforderlichenfalls erfahren. Dies galt auch noch, als das Geld seinen metallischen Charakter verloren hatte und, als bedrucktes Papier, zu einer sozusagen symbolischen Ware geworden war. Dann kam der Siegeszug der Elektronik. Die l\u00e4ngst nicht mehr in Tresoren, sondern in B\u00fcchern gestapelte Ware Geld konnte nun in Sekundenbruchteilen von einem Buch ins andere transportiert werden.<\/p>\n<p>Damit war Geld ein jederzeit universell einsetzbares Machtmittel geworden. Es fehlte aber noch etwas, um es zu einer Allzweckwaffe im Wettbewerb der Unternehmen und Nationen zu machen. Die beste Allzweckwaffe ist eine unsichtbare.<\/p>\n<p>Die Sichtbarkeit von Geld ist theoretisch eingeschr\u00e4nkt. Das Bankgeheimnis sch\u00fctzt vor unberechtigter Einsicht Dritter in Bankkonten. Dennoch k\u00f6nnen Steuerbeh\u00f6rden und Staatsanw\u00e4lte unter gewissen Voraussetzungen die Eigent\u00fcmer ermitteln. Das k\u00f6nnen sie in anst\u00e4ndigen L\u00e4ndern, wo die Rechtssicherheit eine gewisse Transparenz voraussetzt. Solche L\u00e4nder sind im Allgemeinen auch bereit, gegen\u00fcber den Heimatl\u00e4ndern ausl\u00e4ndischer Bankkunden in Kriminalf\u00e4llen das Bankgeheimnis \u2013 wenn auch widerwillig \u2013 etwas zu l\u00fcften.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere L\u00e4nder oder Rechtsbezirke. Dort lebt man davon, Geldeigent\u00fcmer zu verstecken. Das mag in etlichen F\u00e4llen moralische Berechtigung besitzen, etwa wenn es darum geht, die Ersparnisse ausl\u00e4ndischer Kunden davor zu sch\u00fctzen, von einer autorit\u00e4ren, b\u00f6swilligen heimatlichen Regierung geschm\u00e4lert oder gar enteignet zu werden, wie es in Nazideutschland der Fall war und mancherorts heute noch ist. In solchen &#8220;Steueroasen&#8221; werden Geldertr\u00e4ge kaum oder nicht besteuert. Man kann sich hinter Nummerkonten verstecken, hinter Strohm\u00e4nnern oder anonymen Gesellschaften mit wohlklingenden Namen. Anw\u00e4lte und Buchhalter dort sind seit Generationen darauf spezialisiert, Geld unsichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Davon profitieren nicht nur zu Hause von Enteignung bedrohte brave Sparer. Erheblich gr\u00f6\u00dfere Ums\u00e4tze werden von Steuerhinterziehern jeglicher Provenienz get\u00e4tigt; die Finanzminister der Kernl\u00e4nder k\u00f6nnen ein Lied davon singen. Und dann eignet sich das System vorz\u00fcglich zur Wei\u00dfwaschung hoch krimineller Gewinne der Mafia, des Drogen- und Menschenhandels. Selbst renommierte internationale Unternehmen benutzen es nachweislich, um schwarzes Geld zu schaffen und zu bewegen, das sie ben\u00f6tigen, um bei korrupten Auftraggebern anzukommen.<\/p>\n<p>Aus seinen m\u00f6glicherweise ethisch gerechtfertigten Anf\u00e4ngen entwickelte sich das System zun\u00e4chst in ein augenzwinkernd geduldetes Versteck f\u00fcr Begeher von &#8220;Kavaliersdelikten&#8221;. Im Zuge der weltweit ungez\u00fcgelten Geldsch\u00f6pfung der j\u00fcngsten Vergangenheit, der Globalisierung sowie der rasenden Beschleunigung der Geldbewegung jedoch begann es, ein immer bedeutenderer Teil der internationalen Finanzwirtschaft zu werden.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4fts- und Investmentbanken \u2013 ja, auch staatliche \u2013 hatten nun riesiges Interesse, an die im immer tiefer grauen Bereich sich tummelnden Gelder heranzukommen. Sie gr\u00fcndeten Filialen oder Tochtergesellschaften in solchen Steueroasen. Sie verbandelten sich mit den dortigen professionellen Vertuschern und zeigten in vielen F\u00e4llen ihren Kunden Wege zum Versteck. Die dort eingehenden Betr\u00e4ge landeten nat\u00fcrlich in den Bankzentralen und dienten dort \u2013 na ja, in vielen F\u00e4llen zur Finanzierung gerade jener L\u00e4nder, an denen sie vorbeigegangen waren. Inzwischen machen die namenlosen Gelder einen wesentlichen Teil der in den Weltfinanzzentren verwalteten privaten Einlagen aus. Niemand kennt den genauen Betrag. Er wird aber auf \u00fcber US$ 20 Billionen (Millionen von Millionen) gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst f\u00fchrt er in die Irre, der Ausdruck &#8220;Steueroase&#8221;. Die Inselchen in der Karibik oder im Kanal oder die Zwergstaaten im Gebirge \u2013 es gibt heute nahezu 100 davon &#8211; sind nur die Peripherie des Systems, die Greifarme der Polypen. Ihre dort gesammelten Gelder landen im Herzen der Finanzwirtschaft, in erster Linie in London und New York.<\/p>\n<p>Man fragt sich, wie die Politik solche Zust\u00e4nde tolerieren kann. Hier muss man vor Augen haben, dass die traditionellen Industriel\u00e4nder in der Realwirtschaft l\u00e4ngst nicht mehr konkurrieren k\u00f6nnen mit den asiatischen Riesen und den neuen Schwellenl\u00e4ndern. Diese Waffe ist stumpf. Da sich zu Wahrung und Mehrung von Ruf und Wohlstand auch der Einsatz materieller Waffen gl\u00fccklicherweise verbietet, bleibt nur der Einsatz der Finanzhoheit.<\/p>\n<p>Die weltweiten Finanzstr\u00f6me werden immer noch weit \u00fcberwiegend in US$ abgewickelt. Auf solche Transaktionen sind seit Menschengedenken die westlichen Metropolen spezialisiert, wie gesagt, haupts\u00e4chlich London und New York. Dort kreuzen sich die globalen Zahlungen, landen die \u00dcbersch\u00fcsse der Exportl\u00e4nder, werden die Betr\u00e4ge f\u00fcr weltweite Megafinanzierungen geb\u00fcndelt. Dort sitzen auch die gr\u00f6\u00dften Investmentbanken und \u2013fonds, Devisen- und Derivateh\u00e4ndler sowie die erfahrensten Wirtschaftsberater und \u2013anw\u00e4lte. Ihre T\u00e4tigkeit schafft eine Gro\u00dfzahl von gut bezahlten Arbeitspl\u00e4tzen und ihre Steuern befeuern die nationalen Haushalte. Im Falle von Gro\u00dfbritannien steht die Finanzwirtschaft f\u00fcr \u00fcber ein Zehntel des Sozialprodukts.<\/p>\n<p>Wen wundert&#8217;s, dass man eine solche Waffe im internationalen Wettbewerb nicht aus der Hand geben will? So haben die Politiker der Westlichen Welt zwei Jahrzehnte lang die schwindelerregende Entwicklung ihrer Finanzsektoren nicht nur mit freundlicher Toleranz begleitet, sondern zielstrebig forciert. Alte weise Beschr\u00e4nkungen der Finanzwirtschaft wurden verw\u00e4ssert oder aufgehoben, in der Gesetzgebung dem Lobbyismus ein weites Tor ge\u00f6ffnet und die Kontrollen des Sektors mit der Linken gehandhabt.<\/p>\n<p>Seit Lehman Bros. versucht man nun gegenzusteuern. Besonders aus dem finanziell gebeutelten Euroland sind Initiativen zur B\u00e4ndigung des Finanzsektors gekommen und teilweise umgesetzt worden. Neuerdings stehen eine allgemeine Transaktionssteuer an und, endlich, eine Z\u00e4hmung des &#8220;Steueroasen&#8221;-Systems. Euroland ist aber nicht das Herz der Weltfinanzwirtschaft.<\/p>\n<p>Wird jenes sich die letzte Waffe zur Verteidigung seines Wohlstands sowie der Westlichen Vorherrschaft aus der Hand schlagen lassen? W\u00e4re das \u00fcberhaupt w\u00fcnschenswert? Oder nachhaltig erfolgversprechend?<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nFr\u00fcher konnte man hineinbei\u00dfen: Goldm\u00fcnze aus Indien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftliche St\u00e4rke als Machtmittel Von Friedbert W. B\u00f6hm In einer Schweizer Bank erscheint ein Unbekannter mit einem Koffer. Nachdem er sich vorsichtig nach allen Richtungen umgesehen hat, fragt er fl\u00fcsternd, ob man hier eine halbe Million deponieren k\u00f6nne. Darauf der Banker: &#8220;Sie k\u00f6nnen ruhig laut sprechen. 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