{"id":1571,"date":"2008-09-20T13:18:05","date_gmt":"2008-09-20T16:18:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/09\/20\/ohne-titel\/"},"modified":"2008-09-22T11:45:10","modified_gmt":"2008-09-22T14:45:10","slug":"ohne-titel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/09\/20\/ohne-titel\/","title":{"rendered":"Ohne Titel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kunst von F\u00e9lix Gonz\u00e1lez-Torres wird im Malba pr\u00e4sentiert<\/p>\n<p><em>Von Diana H\u00f6rger<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1574\" alt=Feli3.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Feli3.jpg\" \/><br \/>\n<em>\u201eUntitled\u201c (Para un hombre en uniforme), 1991.<\/em><\/div>\n<p>Ein funkelndes Meer an silbern verpackten Bonbons erwartet den Besucher, wenn er sich seinen Weg durch den schweren glitzernden, den Eingang versperrenden T\u00fcrvorhang in den gro\u00dfen Saal im ersten Stock des Museums Malba gebahnt hat. Nicht mehr als ein riesiges teppichartiges Rechteck, das aus der Summe tausender Einzelteile hervorgeht. Aber auch nicht weniger als ein leuchtender Augenschmaus f\u00fcr den Betrachter. Viele der Werke des auf Kuba geborenen K\u00fcnstlers F\u00e9lix Gonz\u00e1lez-Torres erf\u00fcllen auf den ersten Blick scheinbar nur den Zweck, zu gefallen. Die meisten tragen den Namen \u201eUntitled\u201c, ohne Titel, verschweigen dem interessierten Besucher auch hier zun\u00e4chst ihre Botschaft. Erst in Klammern erf\u00e4hrt man, dass etwa das Bonbon-Beet den Untertitel \u201ePlacebo\u201c und damit einen bitteren Beigeschmack hat.<\/p>\n<p>Auch die anderen ausgew\u00e4hlten Plastiken und Fotografien der Werkschau in Buenos Aires erm\u00f6glichen jeweils zwei Lesarten. Der 1996 mit 38 Jahren in Miami verstorbene K\u00fcnstler ist bis heute besonders f\u00fcr jene Werke ber\u00fchmt, die gesellschaftskritisch sind oder das Verh\u00e4ltnis von Kunst und Betrachter auf die Probe stellen. So kann dann auch jeder der G\u00e4ste ein Bonbon, und damit einen Teil des Kunstwerks, an Ort und Stelle aufessen oder mit nach Hause nehmen. Auch Drucke etwa mit dem Schriftzug \u201eNowhere better than this Place\u201c (Nirgendwo besser als hier) darf der Besucher aus dem Museum mitnehmen, selber verorten, und somit selbst aktiver Teil des Prozesses werden. So l\u00f6st Gonz\u00e1lez-Torres das starre Verh\u00e4ltnis von Kunstwerk und Betrachter auf, bringt Variablen ins Spiel, macht seine Werke zu einem sich aufl\u00f6senden und immer wieder erneuerbaren Zeichen.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1572\" alt=Feli1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Feli1.jpg\" \/><br \/>\n<em>\u201eUntitled\u201c, Stellwand\/Bett, 1991, auf der Terrasse des Malba.<\/em><\/div>\n<p>Jeden Tag wird das Bonbonmeer aufgef\u00fcllt und die Posterstapel wieder auf H\u00f6he gebracht. Ein simpler und doch effektiver Gedanke, der als das Markenzeichen des K\u00fcnstlers gelten kann. Verdeckt und verspielt macht er auch auf Probleme aufmerksam, die sein Leben, das der homosexuellen Szene der USA und auch die der Weltbev\u00f6lkerung betreffen. 1992 wurden in Manhattan 24 gro\u00dfe Stellw\u00e4nde des K\u00fcnstlers verteilt, auf denen ein Foto eines leeren, durchw\u00fchlten Bettes zu sehen war. Gonz\u00e1lez-Torres spielt damit auf die Intimit\u00e4t eines jeden Liebespaares an und auf die Tatsache, dass dieses nat\u00fcrliche Privileg schwulen Paaren in den Vereinigten Staaten bis 1986 verwehrt blieb. Ein Gesetz erlaubte es dem Staat bis dahin, rechtm\u00e4\u00dfig in die H\u00e4user und damit in die Privatsph\u00e4re von homosexuellen Paaren einzubrechen. Das riesige leere Bett erinnert aber auch an den an Aids gestorbenen Lebensgef\u00e4hrten des K\u00fcnstlers und damit an den Tod. Eine dieser Stellw\u00e4nde findet man auf der Terrasse im Malba.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1573\" alt=Feli2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Feli2.jpg\" \/><br \/>\n<em>\u201eUntitled\u201c (Perfect Lovers), 1987-1990.<\/em><\/div>\n<p>Wenn man von dort einen Blick in den Museumsraum wirft, kann man die beiden unscheinbaren Uhren erkennen, die dicht nebeneinander die Zeit messen. W\u00e4ren sie sich auf dieser einsamen wei\u00dfen Fl\u00e4che gegen\u00fcber der Rolltreppe nicht so nahe, man k\u00f6nnte meinen, sie geh\u00f6rten einfach zum Museumsinventar. Aber auch diese Installation namens \u201eUntitled\u201c (Perfect Lovers) erinnert an den verstorbenen Geliebten und ist eine Hommage an perfektes und vielleicht unwirkliches Liebesgl\u00fcck: Zwei Herzen schlagen im gleichen Takt. In einem Interview sagte Gonz\u00e1lez-Torres einmal, es gefalle ihm, unterschwellig auf etwas hinzuweisen. Wie ein Spion, der kaum zu erkennen ist, wolle er Spuren hinterlassen, die gerade durch ihre Unscheinbarkeit wirkungsvoll sind. Der Betrachter denkt von nun an beim Anblick einer schwarzen Analoguhr vielleicht nicht mehr nur an die Zeit. Er denkt nach seinem Besuch im Malba m\u00f6glicherweise an Gonz\u00e1lez-Torres. Ganz sicher jedenfalls beim Anblick der mitgebrachten Poster.<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00e9lix Gonz\u00e1lez-Torres, Kuba\/USA 1957-1996, \u201eSomewhere\/Nowhere &#8211; Alg\u00fan lugar\/Ning\u00fan lugar\u201c. Bis zum 3. November im Malba, Saal 5 (2. Stock), Saal 3 (1. Stock) und Terrasse, Av. Figueroa Alcorta 3415. Do-Mo und feiertags 12-20 Uhr, Di geschlossen, Mi bis 21 Uhr, Eintritt frei. An den anderen Tagen: Eintritt 15 Pesos, Lehrer und \u00fcber 65-J\u00e4hrige 7,50 Pesos, Studenten, Kinder unter 12 Jahren und Behinderte gratis.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Erschienen im \u201eArgentinischen Tageblatt\u201c vom 20.09.08.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunst von F\u00e9lix Gonz\u00e1lez-Torres wird im Malba pr\u00e4sentiert Von Diana H\u00f6rger \u201eUntitled\u201c (Para un hombre en uniforme), 1991. Ein funkelndes Meer an silbern verpackten Bonbons erwartet den Besucher, wenn er sich seinen Weg durch den schweren glitzernden, den Eingang versperrenden T\u00fcrvorhang in den gro\u00dfen Saal im ersten Stock des Museums Malba gebahnt hat. 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