{"id":16036,"date":"2013-06-23T15:56:25","date_gmt":"2013-06-23T18:56:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=16036"},"modified":"2013-06-23T16:10:36","modified_gmt":"2013-06-23T19:10:36","slug":"wolle-wachs-und-andere-wunderlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/06\/23\/wolle-wachs-und-andere-wunderlichkeiten\/","title":{"rendered":"Wolle, Wachs und andere Wunderlichkeiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verschiedene Ausstellungen wurden Anfang Juni im Museo de Arte Moderno von Buenos Aires er\u00f6ffnet<\/p>\n<p><em>Von Jana M\u00fcnkel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/installation20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/installation20.jpg\" alt=\"\" title=\"installation20\" width=\"250\" height=\"333\" class=\"alignright size-full wp-image-16039\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/installation20.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/installation20-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Bereits beim Bezahlen der Eintrittskarte im Foyer des Museums, das alle &#8220;Mamba&#8221; nennen und das mit vollem Namen &#8220;<a href=\"http:\/\/museos.buenosaires.gob.ar\/mam2.htm\">Museo de Arte Moderno de Buenos Aires<\/a>&#8221; hei\u00dft, vernimmt man unregelm\u00e4\u00dfige Glockenspielt\u00f6ne aus dem oberen Stockwerk. Neugierige steigen direkt hinauf, um der Klangquelle im &#8220;Raum f\u00fcr spezielle Projekte&#8221; auf den Grund zu gehen. In dem abgedunkelten Saal wird der Besucher selbst Teil der interessanten Installation &#8220;C\u00edrculos en movimiento&#8221;. Sch\u00f6pferin ist die Argentinierin Florencia Rodr\u00edguez Giles, die ihre Kunst selbst irgendwo zwischen Theater, Philosophie, Tanz, Mythologie und Musik einordnet.<\/p>\n<p>Je ein Besucher ist der &#8220;Klangerzeuger&#8221;, er wird angewiesen, die Schuhe auszuziehen, einen Stoffumhang umzulegen und, in kleine K\u00e4stchen tretend, den Weg zu einem Podest anzutreten. Dort angelangt, wartet eine komplexe Konstruktion, in deren Mitte ein Stuhl steht. Zwei lange St\u00e4be sind mit Xylophonschl\u00e4geln verbunden. Durch eine Drehbewegung seitens des Besuchers werden diese \u00fcber Fahrradketten auf die Instrumente geschlagen, von denen eines jeweils rechts und links angebracht ist. So entstehen, je nach Schnelligkeit des Drehens, sehr laute T\u00f6ne verschiedener H\u00f6he, die sich knallend ins Trommelfell bohren. Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich die musikmachenden Besucher mit der Situation umgehen. Der eine genie\u00dft es sichtlich, so unverhofft im Mittelpunkt zu stehen, der anderen ist es eher unangenehm, von den anderen Besuchern be\u00e4ugt zu werden. Bedingt durch diese Spannung zwischen produzierenden und zuschauenden Besuchern entsteht eine eigenartige, schwer beschreibbare Atmosph\u00e4re im Raum.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/subte20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/subte20.jpg\" alt=\"\" title=\"subte20\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16043\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/subte20.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/subte20-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nReichlich verwundert betritt so Mancher den Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Die bunten runden Kreise der Subte-Schilder, die einem Jeden durch die t\u00e4gliche U-Bahn-Fahrt so vertraut sind, stechen zuerst ins Auge. &#8220;Dise\u00f1\u00e1 tu mundo&#8221;, &#8220;Design&#8217; dir deine Welt&#8221;, nennt sich diese Ausstellung, welche die Arbeit von &#8220;Dise\u00f1o Shakespear&#8221;, einer vor 50 Jahren gegr\u00fcndeten Designagentur, zeigt. Man kommt sich ein bisschen so vor wie beim Spiel der beliebten Handy-App &#8220;Logo Quiz&#8221;, bei der ein Firmenlogo erscheint und man den richtigen Namen finden muss, um Punkte zu sammeln: Die W\u00e4nde des Saales sind \u00fcbers\u00e4t mit Schildern, Bank- und Firmenlogos &#8211; auch die ber\u00fchmten gelb-blauen Farben des Kultfu\u00dfballclubs La Boca kann man entdecken. Der urbane Raum ist voll von solchen Zeichen, die uns auf etwas hinweisen, jede Stadt hat ihren eigenen &#8220;Code&#8221;. Wenn diese Schilder nun pl\u00f6tzlich im Museum ausgestellt werden, mutet das zun\u00e4chst seltsam an, in etwa so, wie wenn Streetart von der Stra\u00dfe an wei\u00dfe Museumsw\u00e4nde verfrachtet wird. Doch dieser andere Kontext bietet eine spannende Perspektive auf die Frage, welchen Einfluss Designtes auf unsere Wahrnehmung der \u00d6ffentlichkeit, des &#8220;public space&#8221;, hat.<\/p>\n<p>Ein Leitspruch von Dise\u00f1o Shakespear, das von dem mittlerweile \u00fcber 70-j\u00e4hrigen Roberto Shakespear gegr\u00fcndet und heute von ihm und seinem Sohn Juan geleitet wird, lautet: &#8220;In der Theorie decken sich Theorie und Praxis. In der Praxis nicht.&#8221; Und genau deshalb wird alles bis ins letzte Detail durchdesignt, sogar der U-Bahn-Plan.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/portraet20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/portraet20.jpg\" alt=\"\" title=\"portraet20\" width=\"250\" height=\"333\" class=\"alignright size-full wp-image-16040\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/portraet20.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/portraet20-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>&#8220;Grupo Mondongo&#8221; ist ein Kollektiv, das f\u00fcr seine Arbeiten mit unkonventionellen Materialien bekannt ist. Kekse oder Kaugummis kamen bei ihnen schon zum Einsatz, im Mamba sind es vornehmlich Wolle, Wachs und Knete. Nach f\u00fcnf Jahren stellt die Gruppe erstmals wieder aus und bekam daf\u00fcr sogar gleich zwei neue S\u00e4le des Museums zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Werke sind wirklich verbl\u00fcffend und lohnen einen Besuch. Sie zeichnen sich vor allem durch Gr\u00f6\u00dfe, Genauigkeit und Ideenreichtum aus. Im ersten Saal h\u00e4ngen \u00fcberlebensgro\u00dfe Portr\u00e4ts aus Wolle und Wachs. Das Gesicht der etwa achtj\u00e4hrigen &#8220;Francisca&#8221; schaut aus gro\u00dfen, braunen Augen nachdenklich auf die Besucher herab. Von weitem sieht das Portr\u00e4t t\u00e4uschend echt aus, geht man n\u00e4her heran, kann man an den einzelnen Wollf\u00e4den die unvorstellbare Arbeit erkennen, die hinter diesem und den weiteren Portr\u00e4ts gesteckt haben muss. Die Besucher scheinen mit den riesigen Gesichtern in einen Dialog treten zu k\u00f6nnen, viele verweilen lange, schauen und staunen.<\/p>\n<p>Im dritten Stock sind die W\u00e4nde rundherum mit insgesamt 15 Werken beh\u00e4ngt, jedes davon ist viereinhalb Meter lang und zwei Meter hoch. Alle Kunstwerke bilden gemeinsam eine fortlaufende, dichte Unterholzlandschaft, die sich langsam lichtet und schlie\u00dflich den Blick freigibt auf ein Seeufer. Die Bilder bestehen aus kneteartigem Material und sind mit einer unvorstellbaren Pr\u00e4zision modelliert. Man kann sich in die Mitte setzen und die Arbeit auf sich wirken lassen. Das Lichtspiel und die Genauigkeit, mit der \u00c4ste, kleine T\u00fcmpel und die Gr\u00fcn- und Braunfarben getroffen sind, lassen fast vergessen, dass man sich im Museum und nicht in einem dichten Wald befindet. Unvorstellbar, wie gro\u00df der Arbeitsaufwand f\u00fcr dieses Werk gewesen sein muss.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/knetlandschaft20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/knetlandschaft20.jpg\" alt=\"\" title=\"knetlandschaft20\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16038\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/knetlandschaft20.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/knetlandschaft20-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nKnete in einem ganz anderen Sinne gibt es ebenfalls im ersten Ausstellungsraum des K\u00fcnstlerkollektivs zu betrachten: Ein Gerippe aus mehr als 100.000 Centavos wird von LED-Lampen erleuchtet und tr\u00e4gt den Namen &#8220;Argentina&#8221;. Die Anspielung auf die \u00f6konomische Situation des Landes spricht dabei f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Wenn man nach diesen drei Ausstellungen noch aufnahmef\u00e4hig ist, lohnt es sich, einen Blick &#8211; oder besser: ein Ohr &#8211; ins zweite Untergeschoss des Museums zu werfen. Dort k\u00f6nnen Klanginstallationen des erfolgreichen italienischen K\u00fcnstlers Piero Mottola erh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Einige halb leere S\u00e4le im dritten Stock zeigen, dass sich das Mamba derzeit im (Wieder-)Aufbau befindet. Man darf gespannt sein, was noch so kommt. Und vor allem, aus welchem Material es besteht.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Mythisch-theatralisch-musikalische Installation.<\/p>\n<p>Ich versteh&#8217; nur Bahnhof: Subte im Museum?<\/p>\n<p>Dialog zwischen Kind und Bild.<\/p>\n<p>Knetiges Unterholz.<br \/>\n(Fotos: Jana M\u00fcnkel)<\/p>\n<p><strong>Infos:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/museos.buenosaires.gob.ar\/mam2.htm\">Museo de Arte Moderno de Buenos Aires<\/a> (MAMba), San Juan 350, Buenos Aires.<\/li>\n<li>Di-Fr 11-19, Sa, So und feiertags 11-20 Uhr. Montags geschlossen, au\u00dfer an Feiertagen.<\/li>\n<li>Eintritt 5 Pesos, dienstags gratis.<\/li>\n<li>F\u00fchrungen: Sa, So und feiertags 16 und 18 Uhr. Infos\/Reservierungen f\u00fcr Gruppen: mamba.visitasguiadas@gmail.com.<\/li>\n<li>2.6.-31.7.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Ausstellungen wurden Anfang Juni im Museo de Arte Moderno von Buenos Aires er\u00f6ffnet Von Jana M\u00fcnkel Bereits beim Bezahlen der Eintrittskarte im Foyer des Museums, das alle &#8220;Mamba&#8221; nennen und das mit vollem Namen &#8220;Museo de Arte Moderno de Buenos Aires&#8221; hei\u00dft, vernimmt man unregelm\u00e4\u00dfige Glockenspielt\u00f6ne aus dem oberen Stockwerk. 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