{"id":1631,"date":"2008-11-01T08:51:42","date_gmt":"2008-11-01T11:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/11\/01\/visuelle-archaologen\/"},"modified":"2008-11-03T13:21:40","modified_gmt":"2008-11-03T16:21:40","slug":"visuelle-archaologen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2008\/11\/01\/visuelle-archaologen\/","title":{"rendered":"Visuelle Arch\u00e4ologen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausstellung \u201cArmar Armenia\u201d zeigt zeitgen\u00f6ssische armenische Videokunst<\/p>\n<p><em>Von Hanna Jochims<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1632\" alt=Count2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/Count2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Das Z\u00e4hlen von Granatapfelkernen &#8211; Ausschnitt aus dem Werk von Jean Marie Casbarian.<\/em><\/div>\n<p>In den Jahren 1915-1918 starben mindestens eine Million Armenier. Sie wurden im damaligen Osmanischen Reich, aus dem 1923 die T\u00fcrkei hervorging, verfolgt, deportiert und gezielt umgebracht. UNO und EU haben ebenso wie zahlreiche unabh\u00e4ngige Historiker und Organisationen das Verbrechen benannt, das am armenischen Volk begangen wurde: V\u00f6lkermord. Die T\u00fcrkei bestreitet dies. Seit Jahrzehnten lautet die offizielle Version, dass die Umsiedlung der Armenier eine \u201ckriegsbedingte Sicherheitsma\u00dfnahme\u201d gewesen sei. Ethnische S\u00e4uberungen, eine geplante Vernichtung habe es nicht gegeben.<\/p>\n<p>Wer die \u00fcber 90 Jahre zur\u00fcckliegenden Ereignisse als Genozid bewertet, bekommt den \u00c4rger der T\u00fcrkei zu sp\u00fcren. So zum Beispiel Frankreich. 2001 verabschiedete die Nationalversammlung eine Deklaration, die den V\u00f6lkermord offiziell anerkannte. Die Folge: vor\u00fcbergehender Abzug des t\u00fcrkischen Botschafters, Aufruf zum Boykott franz\u00f6sischer Produkte, Stornierung von Wirtschaftsauftr\u00e4gen an franz\u00f6sische Unternehmen in H\u00f6he von Hunderten Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Deutschland geht Unannehmlichkeiten aus dem Weg: Mit den USA und Israel geh\u00f6rt es zu den Staaten, f\u00fcr die es offiziell keinen V\u00f6lkermord gab und keine \u201cArmenier-L\u00fcge\u201d gibt.<\/p>\n<p>Innert\u00fcrkische Kritiker m\u00fcssen mit Verhaftungen und Strafandrohungen rechnen. Literaturnobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk sagte 2005 in einem Interview mit dem Z\u00fcrcher Tages-Anzeiger: \u201cMan hat hier 30.000 Kurden umgebracht. Und eine Million Armenier. Und fast niemand traut sich, das zu erw\u00e4hnen.\u201d F\u00fcr die t\u00fcrkische Presse war er ein \u201cVerr\u00e4ter\u201d. Pamuk und jene, die ihn verteidigten, erhielten Todesdrohungen. Er wurde wegen \u201cBeleidigung des T\u00fcrkentums\u201d angezeigt. Das Verfahren wurde 2006 eingestellt &#8211; aus formalen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Das Leben in der Diaspora bedeutete f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge aus dem Osmanischen Reich eine pl\u00f6tzliche Auseinandersetzung mit einer f\u00fcr sie meist v\u00f6llig fremden Kultur und Mentalit\u00e4t. Wie setzen sich ihre heute auf der ganzen Welt verstreut lebenden Nachkommen, wie setzt sich die dritte Generation nach dem V\u00f6lkermord mit ihrer Identit\u00e4t in der Diaspora auseinander?<\/p>\n<p>Eine k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung zeigt die Ausstellung \u201cArmar Armenia &#8211; Videoarte transnacional\u201d. Sieben K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler armenischer Abstammung aus Los Angeles, Toronto, Paris, Berlin, Eriwan und Buenos Aires zeigen ihre Werke vom 1. bis 15. November in der Asociaci\u00f3n Cultural Armenia (Armenia 1366) in Buenos Aires. Idee und Konzeption der Ausstellung stammen von Silvina Der-Meguerditchian. Die Argentinierin, deren Gro\u00dfeltern \u00dcberlebende der Deportationen waren, lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Videokunst wird ebenso zu sehen sein wie Werke von Achot Achot, Tina Bastajian, Jean Marie Casbarian, Archi Galentz, Karin\u00e9 Matsakian und Garine Torossian. Als \u201cvisuelle Arch\u00e4ologen oder Anthropologen\u201d suchen sie nach W\u00f6rtern, Bildern, Spuren der armenischen Kultur und erz\u00e4hlen vom Leben in der Diaspora.<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u201cArmar Armenia\u201d wird am heutigen Samstag, den 1. November, er\u00f6ffnet (18-20 Uhr) und kann dann bis zum 15. November t\u00e4glich von 14-19 Uhr besucht werden. Im Internet findet sich <a href=\"http:\/\/www.underconstructionhome.net\/\">eine Plattform der beteiligten K\u00fcnstler<\/a>. Mehr Infromationen zur Arbeit von Silvina Der-Meguerditchian <a href=\"http:\/\/www.silvina-der-meguerditchian.de\/\">auf ihrer Webseite<\/a>.<\/p>\n<p><em>Erschienen im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 01.11.08.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellung \u201cArmar Armenia\u201d zeigt zeitgen\u00f6ssische armenische Videokunst Von Hanna Jochims Das Z\u00e4hlen von Granatapfelkernen &#8211; Ausschnitt aus dem Werk von Jean Marie Casbarian. In den Jahren 1915-1918 starben mindestens eine Million Armenier. Sie wurden im damaligen Osmanischen Reich, aus dem 1923 die T\u00fcrkei hervorging, verfolgt, deportiert und gezielt umgebracht. 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