{"id":16596,"date":"2013-08-17T08:08:28","date_gmt":"2013-08-17T11:08:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=16596"},"modified":"2013-08-17T11:56:05","modified_gmt":"2013-08-17T14:56:05","slug":"aussenseiter-aus-leidenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/08\/17\/aussenseiter-aus-leidenschaft\/","title":{"rendered":"Au\u00dfenseiter aus Leidenschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Retrospektive des deutschen Filmemachers Werner Schroeter in Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Carlo-Johannes Schmid<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/w_schroeter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/w_schroeter.jpg\" alt=\"\" title=\"w_schroeter\" width=\"500\" height=\"297\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16602\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/w_schroeter.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/w_schroeter-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEr ist der gro\u00dfe Au\u00dfenseiter des deutschen Films und der Opern- und Theaterb\u00fchnen, einer, der konsequent die Sch\u00f6nheit, die Sinnlichkeit, das Schillernde und das Zerbrechliche gegen die Wirklichkeit verteidigte. Einer, der sich von den Kinorealisten heraushob wie kein Zweiter. Seine Filme waren weder kommerzielle Erfolge, noch wurden sie unter Kritikern frenetisch gefeiert. Er war dem breiten Publikum nie so bekannt wie seine Zeitgenossen Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder, dennoch ist die Bedeutung Werner Schroeters f\u00fcr den &#8220;Neuen Deutschen Film&#8221; enorm.<\/p>\n<p>Werner Schroeter ist im Jahr 2010 im Alter von 65 Jahren gestorben. In Buenos Aires bekommt man nun in einer umfangreichen Veranstaltungsreihe die Gelegenheit, diesen K\u00fcnstler besser kennenzulernen. Ab dem heutigen Samstag (und bis zum 1. September) werden 19 seiner Filme im Rahmen der vom Goethe-Institut Buenos Aires organisierten Werkschau &#8220;Die unertr\u00e4gliche Wirklichkeit \u00fcberwinden&#8221; im Lugones-Saal des Teatro San Mart\u00edn (Av. Corrientes 1530) gezeigt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/goldregen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/goldregen.jpg\" alt=\"\" title=\"goldregen\" width=\"250\" height=\"257\" class=\"alignright size-full wp-image-16606\" \/><\/a>In die Veranstaltungsreihe f\u00fchrte am gestrigen Freitag Schroeters Weggef\u00e4hrte, der Produzent Frieder Schlaich, ein, der in der Universidad del Cine den Vortrag &#8220;Produktion und Verleih innovativer Filme am Beispiel Werner Schroeter&#8221; hielt. Erg\u00e4nzt wird die Retrospektive auch von der Buchpr\u00e4sentation &#8220;Schroeter, una autobiograf\u00eda&#8221; (Verlag Mardulce), die am Dienstag, den 20. August, um 19.30 Uhr, bei freiem Eintritt im Lugones-Saal stattfinden wird.<\/p>\n<p>Schroeter selbst war mehrmals in Argentinien. 1983 folgte er einer Einladung des Goethe-Instituts, die auf Initiative von Marielouise Alemann ausgesprochen wurde. Er hielt ein Seminar \u00fcber Experimentalfilme und fing an, einen Film in den Elendsvierteln der Stadt zu drehen. Dabei interviewte er auch Vertreter von Menschenrechtsorganisationen. Zwischenzeitlich musste Schroeter das Projekt jedoch aufgrund von Drohungen rechtsextremer Gruppen abbrechen. Zwei Jahre sp\u00e4ter kam er zur\u00fcck und drehte den Film &#8220;De L\u2019Argentine&#8221; (1983-1985) mit Hilfe von Freunden und Sch\u00fclern zu Ende. Im Rahmen der nun stattfindenden Werkschau wird der Film erstmals in Argentinien gezeigt; das argentinische Filmteam, das Werner Schroeter damals begleitete, wird bei der Vorf\u00fchrung anwesend sein.<\/p>\n<p>H\u00f6rt man seine Weggef\u00e4hrten und Kollegen \u00fcber Werner Schroeter reden, bekommt man eine Ahnung von seiner kreativen Pers\u00f6nlichkeit und seinem bewegten Leben. So sagte Rainer Werner Fassbinder: &#8220;Werner Schroeter hat als einer der wenigen Menschen auf dieser Erde die Gabe des K\u00fcnstlerblicks und, wer wei\u00df, auch das seltene Privileg, in die Mysterien des Universums einzudringen.&#8221; Elfriede Jelinek nannte ihn gar einen Gott: &#8220;Ein Gott langweilt sich nie, denn auch sein Nichtstun ist Arbeit. So war Werner.&#8221;<\/p>\n<p>Doch letztendlich machte auch vor ihm der Tod nicht halt. Als er 2010 nach langer Krebskrankheit starb, ver\u00f6ffentlichte der &#8220;Spiegel&#8221; einen emotionalen Abschiedsbrief seines ehemaligen Geliebten Rosa von Praunheim, der einen sehr pers\u00f6nlichen Einblick in Schroeters Leben gibt. Darin beschreibt Praunheim Schroeter als einen &#8220;perversen Poeten, ein Zauberer des Lichts und der Sch\u00f6nheit&#8221;, als einen &#8220;rastlosen Wanderer, der mit seinem schwarzen Anzug und gro\u00dfem Hut und einer kleinen T\u00fcte um die Welt reiste&#8221;. Die Beiden hatten sich in den 60er Jahren auf dem Experimentalfilmfest im belgischen Knokke kennengelernt, einem Treffpunkt internationaler Undergroundfilmer &#8211; f\u00fcr Schroeter eine Initialz\u00fcndung. Er verstand sich fortan endg\u00fcltig als Filmemacher.<\/p>\n<p>Geboren am 7. April 1945 im th\u00fcringischen Georgenthal, wusste er jedoch schon fr\u00fcher, wohin ihn seine Reise f\u00fchren sollte. Mit f\u00fcnf Jahren \u00e4u\u00dferte er bereits den Wunsch, Filmregisseur zu werden.<\/p>\n<p>Werner Schroeter wuchs in Bielefeld und Heidelberg auf. Dort hatte er mit 13 Jahren am K\u00fcchentisch seiner Familie ein richtungweisendes Erlebnis: Er h\u00f6rte die Radio\u00fcbertragung einer Opernarie von Maria Callas. Das brachte ihn nicht nur zum ersten Mal mit dem Thema Oper in Ber\u00fchrung, fortan war die S\u00e4ngerin das einzige Idol seines Lebens. In Interviews bezeichnete er sie als Botin zwischen Gott und den Menschen. Auch einige seiner ersten Filme widmete er der Operndiva.<\/p>\n<p>Schroeter zog es dann schnell von zu Hause weg, er war ein Ausrei\u00dfer, der mit 14 Jahren alleine in Italien zur Schule ging, es sp\u00e4ter nur ein paar Wochen an der M\u00fcnchner Filmhochschule aushielt und daraufhin nach Berlin zog, um Filme zu machen. Das Handwerk brachte er sich selbst bei.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/nuitdechien_ossorio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/nuitdechien_ossorio.jpg\" alt=\"\" title=\"nuitdechien_ossorio\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16607\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/nuitdechien_ossorio.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/nuitdechien_ossorio-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nAngefangen mit einer 16-Millimeter-Kamera, die ihm seine Mutter schenkte, drehte er Ende der 60er Jahre immer wieder Low- und No-Budget Filme. Einen ersten Erfolg konnte er mit seinem zweist\u00fcndigen Experimentalfilm &#8220;Eika Katappa&#8221; verbuchen, er wurde von der Internationalen Filmwoche Mannheim 1969 mit dem Josef-von-Sternberg-Preis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Neben dem Film arbeitete Schroeter ab 1972 regelm\u00e4\u00dfig an Theater- und Operninszenierungen in verschiedenen St\u00e4dten der ganzen Welt mit. Dass ihn das Erlebnis in der K\u00fcche seiner Eltern nachhaltig gepr\u00e4gt hatte, merkte man nicht nur an seinem Schaffen auf der B\u00fchne, auch viele seiner Filme sind von der Liebe zur Oper gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Einen seiner gr\u00f6\u00dften Erfolge feierte Schroeter jedoch mit seinem ersten realistischen Film. F\u00fcr das Drama &#8220;Palermo oder Wolfsburg&#8221; gewann er 1980 den Goldenen B\u00e4ren bei den Berliner Filmfestspielen. An derselben Stelle, in Berlin, holte er sich auch seinen letzten Preis pers\u00f6nlich ab: Der Regisseur, der stets offen mit seiner Homosexualit\u00e4t umgegangen war, wurde 2010 f\u00fcr seinen Verdienst als &#8220;radikaler Experimentierer und gro\u00dfer Au\u00dfenseiter des Neuen Deutschen Films&#8221; mit dem schwul-lesbischen Teddy Award geehrt.<\/p>\n<p>So vertr\u00e4umt, schillernd und phantasievoll seine Werke sind und sein Leben war, so \u00fcberraschend n\u00fcchtern ging er mit seiner Krankheit und dem Tod um: &#8220;Sie geh\u00f6rt zum Leben dazu. Der Tod geh\u00f6rt zum Leben dazu.&#8221; Er hinterl\u00e4sst ein gro\u00dfes Werk, welches es f\u00fcr viele Menschen erst noch zu entdecken gilt. Von Praunheim dr\u00fcckte es so aus: &#8220;Ich bin aber sicher, es wird bald wieder eine Generation geben, die dein Werk, lieber Werner, wiederentdecken wird und sich absetzt von dem kommerziellen Schei\u00df, der bei uns im Moment das Sagen hat. Und man wird zur\u00fcckblicken auf dein poetisches Werk, mit dem du uns verzaubert hast.&#8221;<\/p>\n<p>Infos und Programm <em><a href=\"http:\/\/complejoteatral.gob.ar\/ver\/cine\">hier<\/a><\/em>.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nWerner Schroeter.<br \/>\n(\u00a9 Filmmuseum M\u00fcnchen)<\/p>\n<p>Werner Schroeter, &#8220;Isabelle Huppert, Goldregen&#8221;, Frankfurt, 2009.<br \/>\n(\u00a9 Werner Schroeter\/Christian Holzfuss Fine Arts &#038; Galerie VU)<\/p>\n<p>&#8220;Nuit de chien&#8221;, Filmszene.<br \/>\n(\u00a9 Filmmuseum M\u00fcnchen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Retrospektive des deutschen Filmemachers Werner Schroeter in Buenos Aires Von Carlo-Johannes Schmid Er ist der gro\u00dfe Au\u00dfenseiter des deutschen Films und der Opern- und Theaterb\u00fchnen, einer, der konsequent die Sch\u00f6nheit, die Sinnlichkeit, das Schillernde und das Zerbrechliche gegen die Wirklichkeit verteidigte. 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