{"id":16664,"date":"2013-08-26T17:23:44","date_gmt":"2013-08-26T20:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=16664"},"modified":"2013-08-26T17:24:59","modified_gmt":"2013-08-26T20:24:59","slug":"die-pelztasse-und-andere-metamorphosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/08\/26\/die-pelztasse-und-andere-metamorphosen\/","title":{"rendered":"Die Pelztasse und andere Metamorphosen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anl\u00e4sslich ihres 100. Geburtstages w\u00fcrdigt der Berliner Martin-Gropius-Bau das faszinierende Werk der in Berlin geborenen Schweizer K\u00fcnstlerin Meret Oppenheim<br \/>\n<em><br \/>\nVon Nicole B\u00fcsing &#038; Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret2.jpg\" alt=\"\" title=\"meret2\" width=\"500\" height=\"656\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16713\" \/><\/a><br \/>\nNackt hinter dem gro\u00dfen Rad einer Druckerpresse stehend kennt sie fast jeder. Man Rays 1933 entstandenes Aktfoto der gerade einmal zwanzigj\u00e4hrigen Meret Oppenheim, entstanden f\u00fcr das surrealistische Avantgarde-Magazin &#8220;Minotaure&#8221;, geh\u00f6rt zu den Ikonen der Fotografie des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Kein gut sortierter Pariser Postkartenst\u00e4nder, an dem das ber\u00fchmte Motiv nicht erh\u00e4ltlich w\u00e4re. Die Aufnahme verfestigte aber auch das Klischeebild einer knabenhaft-androgynen jungen Frau, die den Surrealisten scheinbar in erster Linie als Muse diente. Meret Oppenheims eigenes, mindestens ebenso eigenwilliges Werk aber erfuhr lange Zeit nicht die ihm geb\u00fchrende Beachtung.<\/p>\n<p>Jetzt, zum 100. Geburtstag der 1913 in Berlin-Charlottenburg geborenen, jedoch in der Schweiz aufgewachsenen Tochter eines Hamburger Arztes und einer aus der Schweiz stammenden Mutter, wird ihr im Berliner Martin-Gropius-Bau erstmals eine gro\u00dfe postume Retrospektive in Deutschland gewidmet. Eine sp\u00e4te, aber umso wichtigere Neu- und Wiederentdeckung einer der wohl bedeutendsten und kompromisslosesten K\u00fcnstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind Bleistiftzeichnungen, Aquarelle, Gem\u00e4lde, bearbeitete Objet trouv\u00e9s und Fotografien, aber auch selbst entworfene Schmuckst\u00fccke, Kleider und B\u00fchnenkost\u00fcme.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret33.jpg\" alt=\"\" title=\"Meret OppenheimEichh\u00c3\u00b6rnchen, 1969Privatbesitz, BernFoto: Peter Lauri, Bern\" width=\"250\" height=\"310\" class=\"alignright size-full wp-image-16714\" \/><\/a>Meret Oppenheims Werk ist heterogen. Sie macht sich quasi alles, was ihr begegnet, auf ebenso experimentelle wie poetische Art und Weise verf\u00fcgbar. Abstraktion und Figuration l\u00f6sen einander immer wieder ab. Fundst\u00fccke aus der Natur werden mit profanen Alltagsgegenst\u00e4nden zu poetisch aufgeladenen Objekten kombiniert.<br \/>\nBereits mit 14 Jahren begann sie, beeinflusst durch C.G. Jungs Traumtheorie, ihre Tr\u00e4ume aufzuzeichnen. Ihr ganzes Leben lang bilden sie gewisserma\u00dfen die &#8220;Storyboards&#8221; zu ihrem Bildkosmos. Dar\u00fcber hinaus spielen Fabeln und Mythen, ihre Liebe zur Natur, deren Metamorphosen und Transformationen, ihr von der Basler Fasnacht beeinflusster Hang zur Maskerade sowie literarische Vorlagen eine wichtige Rolle f\u00fcr die Entstehung ihres Werks.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf in solch einer gro\u00dfen Retrospektive auch ihre ber\u00fchmteste Arbeit, die &#8220;Pelztasse&#8221;, nicht fehlen. Um sie rankt sich eine sch\u00f6ne K\u00fcnstler-Anekdote. Angeblich sa\u00df Oppenheim mit Picasso und dessen damaliger Geliebter Dora Maar im Pariser Caf\u00e9 de Flore, als dieser bemerkte, man k\u00f6nne alles mit Fell \u00fcberziehen, eben auch eine zuf\u00e4llig auf dem Tisch stehende Tasse. Meret Oppenheim z\u00f6gerte nicht lange. Sie tat es einfach. Sie \u00fcberzog Tasse, Untertasse und Teel\u00f6ffel mit dem edlen Fell einer chinesischen Gazelle und schuf so ein surrealistisches Objekt par excellence: dem urspr\u00fcnglichen Konsumzusammenhang entzogen, animalisch und gleichzeitig sexuell aufgeladen, zum Ber\u00fchren einladend und gleichzeitig abweisend.<\/p>\n<p>1936, in einer Ausstellung surrealistischer Objektkunst, fiel die auch unter dem Titel &#8220;Le d\u00e9jeuner en fourrure&#8221; (Fr\u00fchst\u00fcck im Pelz) in die Kunstgeschichte eingegangene Tasse keinem Geringeren als Alfred H. Barr ins Auge, der sie f\u00fcr das Museum of Modern Art in New York erwarb und so unsterblich machte. F\u00fcr Meret Oppenheim allerdings folgte eine schwere Zeit der Krisen und Existenz\u00e4ngste. Als J\u00fcdin unmittelbar gef\u00e4hrdet, verlie\u00df sie Paris und zog sich in die sichere Schweiz zur\u00fcck. Erst 1967 gelang ihr mit einer gro\u00dfen Retrospektive im Stockholmer Moderna Museet der internationale Durchbruch. Ausstellungen in der Schweiz und Frankreich sowie ihre Teilnahme an der Documenta 7 in Kassel festigen in der Zeit danach ihren Ruhm.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret1.jpg\" alt=\"\" title=\"meret1\" width=\"500\" height=\"337\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16717\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/meret1-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nAm 15. November 1985 stirbt Meret Oppenheim im Alter von 72 Jahren in Basel. Freunden hatte sie am 6. Oktober, ihrem 72. Geburtstag, prophezeit, sie sterbe noch, ehe der erste Schnee falle. Einer ihrer Tr\u00e4ume hatte sie auch dieses Mal wieder eingeholt. Im Alter von 36 Jahren n\u00e4mlich hatte sie, wie sie schriftlich festhielt, von einer Heiligenstatue getr\u00e4umt, die eine Sanduhr mit der ihr bemessenen Lebenszeit umdreht. Daraus schloss sie, dass nun die H\u00e4lfte ihres Lebens vorbei war. Sie sollte Recht behalten.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Meret Oppenheim. Retrospektive<\/li>\n<li>Ort: Martin-Gropius-Bau, Berlin<\/li>\n<li>Zeit: 16. August bis 11. Dezember 2013<\/li>\n<li>Mi-Mo 10-19 Uhr. Di geschlossen<\/li>\n<li>Katalog: Hatje Cantz Verlag, 312 S., 264 Abb., 25 Euro (Museum), 39,80 Euro (Buchhandel)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/aktuell\/festivals\/gropiusbau\/ueber_uns_mgb\/aktuell_mgb\/start.php\">Internet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nMeret Oppenheim by Man Ray, Erotique voil\u00e9e-Serie, Paris 1933.<br \/>\n(Man Ray Trust, Paris)<\/p>\n<p>Meret Oppenheim, &#8220;Eichh\u00f6rnchen&#8221;, 1969. Privatsammlung, Montagnola.<br \/>\n(Peter Lauri)<\/p>\n<p>M.O. mit Sechs Wolken auf einer Br\u00fccke, 1977, Bern 1982.<br \/>\n(Margrit Baumann)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich ihres 100. Geburtstages w\u00fcrdigt der Berliner Martin-Gropius-Bau das faszinierende Werk der in Berlin geborenen Schweizer K\u00fcnstlerin Meret Oppenheim Von Nicole B\u00fcsing &#038; Heiko Klaas Nackt hinter dem gro\u00dfen Rad einer Druckerpresse stehend kennt sie fast jeder. Man Rays 1933 entstandenes Aktfoto der gerade einmal zwanzigj\u00e4hrigen Meret Oppenheim, entstanden f\u00fcr das surrealistische Avantgarde-Magazin &#8220;Minotaure&#8221;, geh\u00f6rt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,4],"tags":[],"class_list":["post-16664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kunstler-artistas","category-tipp-der-woche-recomendacion-de-la-semana"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16664"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16719,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16664\/revisions\/16719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}