{"id":16666,"date":"2013-08-23T16:07:43","date_gmt":"2013-08-23T19:07:43","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=16666"},"modified":"2013-08-24T16:14:03","modified_gmt":"2013-08-24T19:14:03","slug":"schweben-uber-dem-parkett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/08\/23\/schweben-uber-dem-parkett\/","title":{"rendered":"Schweben \u00fcber dem Parkett"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Tangostunde im Rahmen des Tangofestivals von Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Maren van Treel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tango_furman.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tango_furman.jpg\" alt=\"\" title=\"tango_furman\" width=\"500\" height=\"324\" class=\"aligncenter size-full wp-image-16686\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tango_furman.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tango_furman-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDie T\u00fcren des Centro de Exposici\u00f3nes werden geschlossen. Die Tangoklasse sei voll, ab jetzt komme man nicht mehr rein, erkl\u00e4rt das Personal. Leider stehe ich nicht an der Innenseite der T\u00fcr, sondern an der Au\u00dfenseite. Tangostunde ade! \u00c4rgerlich.<\/p>\n<p>Da aber keiner der Wartenden die Schlange verl\u00e4sst, entschlie\u00dfe ich mich, zu warten. Die Hoffnung scheint noch nicht verloren. Und tats\u00e4chlich: Die Menge f\u00e4ngt an, sich zu echauffieren. Wildes Gestikulieren, schnippische Kommentare und immer wieder Einreden auf die T\u00fcrsteher. Letztendlich bringt mir das argentinische Temperament doch noch meine erste Tangostunde. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck!<\/p>\n<p>Gesch\u00e4tzte vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden einen Kreis um die Tanzlehrerin. M\u00e4nner und Frauen meist mittleren Alters wollen eine Stunde lang in die Kunst des Tangotanzens eintauchen. Die Stunde findet im Rahmen des diesj\u00e4hrigen Tangofestivals von Buenos Aires statt und ist deshalb kostenlos.<\/p>\n<p>Zuerst w\u00e4rmen wir uns auf, indem wir die Beine lockern und mit den F\u00fc\u00dfen Kreise auf die Tanzfl\u00e4che zeichnen. Alles nat\u00fcrlich mit kerzengeradem R\u00fccken, schlie\u00dflich ist der Tango ein melancholischer, aber ein stolzer Tanz. Das ist jedoch manchmal gar nicht so leicht: eine stolze Haltung zu bewahren, wenn man sich bei dem ein oder anderen Schritt eigentlich etwas ungeschickt vorkommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Tangotanzen \u00fcber mehrere Jahre so auch die Pers\u00f6nlichkeit der T\u00e4nzer stolzer und selbstbewusster macht.<\/p>\n<p>Die erste Figur, die wir lernen, ist die Pivot, die im Wesentlichen aus Ochos besteht. Die Damen tanzen dabei eine liegende Acht vor dem Herrn. Kommuniziert werde \u00fcber die Arme, erkl\u00e4rt die Lehrerin. Bewegt werde sich aber nur h\u00fcftabw\u00e4rts. Leichter gesagt als getan, denn manchmal wollen die Beine anders als sie sollten.<\/p>\n<p>Manch einer emanzipierten Frau mag auch die strenge Rollenverteilung im Tango missfallen: die Herren f\u00fchren, die Damen f\u00fchren aus. Das ist aber der Preis, den frau zahlen muss, wenn sie Tango tanzen m\u00f6chte. Und schlie\u00dflich ist es bei jedem der Standard- und Gesellschaftst\u00e4nze so &#8211; und auch nur f\u00fcr die Zeit auf dem Parkett. Au\u00dferdem kann frau es auch von einer anderen Seite sehen: es geht um das Sich-Einlassen auf das Gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Dass die Herren f\u00fchren sollen, hei\u00dft allerdings auch nicht, dass sie es immer tun oder besonders gut k\u00f6nnen. Bei dem ein oder anderen Paar sieht die Rollenverteilung eher umgekehrt aus. Und so eng wird es dann auch nicht gesehen: Wenn sich kein freier Herr findet, tanzen eben zwei Damen zusammen. Dann merkt man allerdings, dass die feste Rollenverteilung durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung hat.<\/p>\n<p>Allerdings werden die Tanzpartner so oft gewechselt, dass es nicht weiter schlimm ist, wenn man mit dem F\u00fchrungsstil eines Herren nicht zurechtkommt oder die Kommunikation in den Armen nicht funktioniert. Schlie\u00dflich ist es auch auf dem Parkett nicht anders als im Leben: die Chemie muss stimmen und tut es nicht immer.<\/p>\n<p>Das Tanzen an sich ist eine sehr sch\u00f6ne Erfahrung, denn hat man den Dreh einmal heraus und stimmt die Chemie, f\u00fchlt man sich, als schwebe man \u00fcber das Parkett.<\/p>\n<p>Und auch wenn die Gesichter beim Tango normalerweise ernst bleiben, ist mir manchmal nach einem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Das Tangofestival dauert noch bis zum 27. August 2013, alle Veranstaltungen sind kostenlos, erfordern jedoch manchmal eine Reservierung. Infos <a href=\"http:\/\/festivales.buenosaires.gob.ar\/tango\/festivalymundial13\/web\/es\/index.html\"><em>hier<\/em><\/a>.<\/p>\n<p>(Foto von <a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/09\/01\/getanzte-leidenschaft-in-bildern\/\">Carlos Furman<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Tangostunde im Rahmen des Tangofestivals von Buenos Aires Von Maren van Treel Die T\u00fcren des Centro de Exposici\u00f3nes werden geschlossen. Die Tangoklasse sei voll, ab jetzt komme man nicht mehr rein, erkl\u00e4rt das Personal. Leider stehe ich nicht an der Innenseite der T\u00fcr, sondern an der Au\u00dfenseite. Tangostunde ade! \u00c4rgerlich. 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