{"id":17333,"date":"2013-10-26T11:28:45","date_gmt":"2013-10-26T14:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=17333"},"modified":"2013-10-26T11:47:31","modified_gmt":"2013-10-26T14:47:31","slug":"zutiefst-menschliche-komodie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/10\/26\/zutiefst-menschliche-komodie\/","title":{"rendered":"Zutiefst menschliche Kom\u00f6die &#8211; FIBA-Nachlese"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Interiors&#8221; der schottischen Gruppe &#8220;Vanishing Point&#8221; begeisterte das Publikum<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/interiors-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/interiors-3.jpg\" alt=\"interiors-3\" width=\"500\" height=\"556\" class=\"aligncenter size-full wp-image-17338\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/interiors-3.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/interiors-3-269x300.jpg 269w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEin hell erleuchtetes Fenster, dahinter ein f\u00fcr sieben Personen gedeckter Tisch. Es ist die l\u00e4ngste Nacht des Jahres, irgendwo oben im hohen Norden. An diesem Winterabend l\u00e4dt Peter jedes Jahr seine Freunde und Nachbarn zum Dinner ein. Gesch\u00e4ftigt rennt der alte Mann hin und her und trifft die letzten Vorbereitungen. Auch Ruby, seine Enkeltochter, ist da, obwohl sie mehr an ihrem Spiegelbild interessiert ist und an ihrer Unterw\u00e4sche zupft, wenn Peter in der K\u00fcche ist. Nach und nach treffen die G\u00e4ste ein, alle dick eingepackt und bewaffnet &#8211; drau\u00dfen scheint es gef\u00e4hrlich zu sein. Ann bringt einen Kuchen mit, Paul einen guten Wein, den Peter gleich im Schrank verschwinden l\u00e4sst. Der Abend nimmt seinen Lauf, man isst, trinkt eine Menge, singt, tanzt, erz\u00e4hlt Witze.<\/p>\n<p>Die Zuschauer sehen das alles &#8211; und h\u00f6ren 90 Minuten lang keinen einzigen Ton von den Darstellern. Der Abend wird von einer r\u00e4tselhaften Person, die sich ebenso wie die Zuschauer drau\u00dfen vor dem Fenster befindet, erz\u00e4hlt und halb liebevoll, halb sarkastisch kommentiert. Sie berichtet nicht nur, was die Personen tun, sondern wei\u00df auch, was sie denken. Teilweise f\u00fchrt der Gegensatz zwischen dem, was man sieht, und dem Einblick ins Innerste der Personen, zu so komischen Gegens\u00e4tzen, dass der gesamte Theatersaal vor Lachen erbebt.<\/p>\n<p>&#8220;Interiors&#8221; der schottischen Gruppe &#8220;Vanishing Point&#8221;, das am Wochenende des 18., 19. und 20. Oktober in Buenos Aires im Rahmen des 9. Internationalen Theaterfestivals FIBA gezeigt &#8211; und gefeiert &#8211; wurde, basiert auf &#8220;Int\u00e9rieur&#8221; (1895), einem Werk von Maurice Maeterlinck, in dem eine Familie durch ein Fenster beobachtet wird, w\u00e4hrend der Vater drau\u00dfen steht und \u00fcberlegt, wie er ihnen den Tod einer der T\u00f6chter mitteilen soll. Regisseur Matthew Lenton begeisterte sich f\u00fcr die Idee und probte mit den Darstellern zun\u00e4chst einen gesprochenen Text, dann dasselbe ohne Worte. Nach und nach entwickelte das Ensemble das Werk, in dem alle Darsteller unter ihren eigenen Namen auftreten.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine umwerfende Kom\u00f6die, die tiefsinnig und liebevoll die Schw\u00e4chen der Menschen aufs Korn nimmt. Regisseur Lenton erkl\u00e4rt, dass er mit seiner fast ausschlie\u00dflich visuellen Arbeit ein junges Publikum ansprechen will, das visuelle Codes sofort versteht, w\u00e4hrend &#8220;die \u00c4lteren&#8221; aufs H\u00f6ren fixiert seien. Vielleicht stimmt das &#8211; und vielleicht wirkt das &#8220;Gesehene&#8221; in dem Werk f\u00fcr die \u00c4lteren wie eine Vorstellung, etwa die, die man sich als Kind beim Lesen von den Figuren eines spannenden Buches machte, w\u00e4hrend die Stimme der Geheimnisvollen aus dem Totenreich der Text ist, den man im Kopf h\u00f6rte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Interiors&#8221; der schottischen Gruppe &#8220;Vanishing Point&#8221; begeisterte das Publikum Von Susanne Franz Ein hell erleuchtetes Fenster, dahinter ein f\u00fcr sieben Personen gedeckter Tisch. Es ist die l\u00e4ngste Nacht des Jahres, irgendwo oben im hohen Norden. An diesem Winterabend l\u00e4dt Peter jedes Jahr seine Freunde und Nachbarn zum Dinner ein. 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