{"id":17734,"date":"2013-12-08T12:01:51","date_gmt":"2013-12-08T15:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=17734"},"modified":"2013-12-08T12:01:51","modified_gmt":"2013-12-08T15:01:51","slug":"korruption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2013\/12\/08\/korruption\/","title":{"rendered":"Korruption"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das heimliche Gesch\u00e4ft<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/korruption.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/korruption.jpg\" alt=\"korruption\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-17738\" \/><\/a>Korruption ist die folgenreichste, am leichtesten zu begehende und am schwersten zu beweisende Straftat. Es sind ja immer zwei Schelme, beide Geber und Nehmer. Im einfachsten Fall gibt der Verkehrss\u00fcnder einige Scheinchen und nimmt den Verzicht auf Strafe f\u00fcr ein \u00fcberfahrenes Rotlicht entgegen. Der Polizist gibt ein zugedr\u00fccktes Auge und nimmt die Scheinchen. Beim ersten Mal haben beide ein schlechtes Gewissen. Der Verkehrss\u00fcnder beruhigt es damit, dass er ja eigentlich ein disziplinierter Fahrer ist und nur eben diesmal nicht aufgepasst hat, einmal ist keinmal. Und der Polizist sagt sich, dass die Kreuzung ja \u00fcbersichtlich und frei war, der Fahrer also niemanden in Gefahr brachte oder behinderte, und dass die Scheinchen gerade recht kamen, um seinem T\u00f6chterchen ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist einmal nicht keinmal. Die F\u00e4lle wiederholen und h\u00e4ufen sich. Dann gibt es keine Gewissenskonflikte mehr. Es machen doch Viele, beinahe Alle. Das wissen auch die Chefs der Polizisten. Es kann doch nicht sein, sagen diese, dass unsere Leute lukrative Nebeneinnahmen haben und wir nicht. Also werden diese Einnahmen im Revier heimlich besteuert. Die Besteuerung setzt sich durch \u00fcber die oberen R\u00e4nge bis in die lokale, regionale und nationale Administration.<\/p>\n<p>Jede Administration hat Geldsorgen. Ein Gro\u00dfteil (wenn nicht der gr\u00f6\u00dfte) der Ausgaben sind die Geh\u00e4lter. Warum nicht hier etwas sparen? Unsere Leute bekommen ja so viele Trinkgelder, dass sie nicht unbedingt auf gute Geh\u00e4lter angewiesen sein sollten. F\u00fcr die eingesparten Mittel werden wir schon eine Verwendung finden. Jetzt ist bei Verkehrss\u00fcndern und Polizisten von Gewissen gar keine Rede mehr. Im Gegenteil: Ist es nicht geradezu eine humanistische, patriotische Handlung, durch einige Scheinchen die menschenverachtende Lohnpolitik der Obrigkeit zu mildern?<\/p>\n<p>Die Polizisten m\u00f6gen dem Autor vergeben. Wenn hier von ihnen gesprochen wurde, so nur als Beispiel f\u00fcr die Situation aller \u00f6ffentlichen Angestellten. Schlie\u00dflich sind Polizeigeh\u00e4lter nur ein winziger Ausschnitt des gesamten \u00f6ffentlichen Lohnschemas. Wenn auch nur ein Schein von Gerechtigkeit gewahrt werden soll, k\u00f6nnen B\u00fcroangestellte, Z\u00f6llner, Lehrer, Fahrer, Stra\u00dfenfeger, Boten, Inspekteure und viele Andere kaum besser gestellt sein als die Wahrer der \u00f6ffentlichen Ordnung, welche diese schlie\u00dflich unter Hinhaltung ihrer Haut zu verteidigen haben.<\/p>\n<p>Also f\u00fchrt die immer schlechtere Besoldung einer Gruppe zu universell unzureichenden L\u00f6hnen und Geh\u00e4ltern im gesamten staatlichen Bereich. Dies hat mehrere mit der Zeit katastrophale Weiterungen:<\/p>\n<p>Je allgemeiner die tagt\u00e4gliche &#8220;kleine&#8221; Scheinchenkorruption wird, desto gr\u00f6\u00dfer sind ihre Auswirkungen in den oberen Etagen der Administration. Dort ist man ja auch irgendwie dem Gehaltsschema unterworfen und bezieht Eink\u00fcnfte, mit denen man sich auf keinem Golf- oder Poloplatz sehen lassen kann. Man ist aber doch ein bedeutender, sich aufopfender Staatsdiener, der mindestens Anrecht auf den Lebensstandard eines Wirtschaftskapit\u00e4ns hat. Niemand kann es einem also verwehren, sich durch Nepotismus, Provisionen auf Staatsauftr\u00e4ge oder auf sonstige Weise schadlos zu halten. Die im allgemeinen Gehaltsschema eingesparten Mittel erlauben das ja, und, wenn nicht, kann man den Haushalt ja durch die Notenbank auff\u00fcllen lassen.<\/p>\n<p>Nicht alle \u00f6ffentlichen Angestellten besitzen die M\u00f6glichkeit, sich einigerma\u00dfen stabile oder \u00fcberhaupt Nebeneink\u00fcnfte zu beschaffen. Die es nicht k\u00f6nnen, laufen st\u00e4ndig Gefahr, im Einkommen zur\u00fcckzufallen. Drohung und N\u00f6tigung sind ihre einzigen Mittel, diese Gefahr zu mindern. Sie arbeiten &#8220;a reglamento&#8221;, streiken, sperren Durchgangsstra\u00dfen oder besetzen \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Zehntausende von Mitb\u00fcrgern m\u00fcssen jeweils unter diesen Ma\u00dfnahmen leiden.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen sind die Staatsdiener permanent demotiviert, was sich in schludriger Arbeit \u00e4u\u00dfert und missmutiger Betreuung der B\u00fcrger. Ihre Produktivit\u00e4t sinkt. Das Manko wird durch Neueinstellungen kompensiert. Diese erh\u00f6hen die Gehaltsausgaben des Fiskus, wodurch die M\u00f6glichkeit einer ausreichenden Besoldung der Angestellten erneut verringert und deren Notwendigkeit f\u00fcr Nebeneinnahmen erneut erh\u00f6ht wird \u2013 ein Teufelskreis.<\/p>\n<p>Dass das Unrechtsbewusstsein bez\u00fcglich Korruption in der Gesellschaft rasch verschwindet, wurde schon angedeutet. Es verschwindet jedoch nicht nur in dieser Hinsicht. Wer beim Schmieren oder Geschmiertwerden keine Gewissensbisse mehr empfindet, wirft auch den Abfall auf die Stra\u00dfe, gibt dem sehschwachen Rentner das Wechselgeld falsch heraus, f\u00e4hrt als Taxifahrer den Touristen auf teuren Umwegen, l\u00fcgt bei Gericht, betr\u00fcgt die Steuerbeh\u00f6rde, seine Angestellten, seinen Arbeitgeber oder seine W\u00e4hler und betrachtet schlie\u00dflich jedes Versprechen, jeden Vertrag und jedes Gesetz als unverbindliche Empfehlung.<\/p>\n<p>Steht jemand unter Korruptionsverdacht, rauft er sich entr\u00fcstet die Haare und fordert eine gerichtliche Untersuchung. Er wei\u00df n\u00e4mlich ganz genau, dass, wenn \u00fcberhaupt, nur ganz dumme Korrupte je verurteilt werden. Korruption ist ein heimliches Bargesch\u00e4ft. Wo sollen die Beweise herkommen? Au\u00dferdem gibt es ja immer zwei Verd\u00e4chtige, den Aktiven und den Passiven (\u00fcbrigens eine wenig \u00fcberzeugende Unterscheidung, denn beide geben und nehmen). Sollen die sich etwa gegenseitig der Anstiftung bezichtigen? Und wenn es einen Zeugen gibt, steht seine Aussage immer gegen die zweier Leugner.<\/p>\n<p>Als die gro\u00dfe Choleraepidemie von 1892 das Hamburger Staatswesen korrumpiert hatte, nahm die Kriminalit\u00e4t \u00fcberhand, da die schlecht bezahlten Polizisten Wegschauhonorare kassierten. Sobald man ihnen die Geh\u00e4lter verdoppelt und klargemacht hatte, dass allein der Korruptionsverdacht ein Entlassungsgrund sein konnte, kam die Stadt wieder in Ordnung. Schon die alten R\u00f6mer wussten, dass die Gemahlin des Caesars nicht nur keusch sein musste. Sie musste es auch erscheinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das heimliche Gesch\u00e4ft Von Friedbert W. B\u00f6hm Korruption ist die folgenreichste, am leichtesten zu begehende und am schwersten zu beweisende Straftat. Es sind ja immer zwei Schelme, beide Geber und Nehmer. 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