{"id":1793,"date":"2009-06-01T14:59:15","date_gmt":"2009-06-01T17:59:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/06\/01\/man-schutzt-nicht-was-man-nicht-liebt\/"},"modified":"2009-06-01T14:59:06","modified_gmt":"2009-06-01T17:59:06","slug":"man-schutzt-nicht-was-man-nicht-liebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/06\/01\/man-schutzt-nicht-was-man-nicht-liebt\/","title":{"rendered":"\u201cMan sch\u00fctzt nicht, was man nicht liebt\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachtwanderung in der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur<\/p>\n<p><em>Von Virginia Kirst<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1792\" alt=Res3.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/Res3.jpg\" \/><br \/>\n<em>In der Reserva Ecol\u00f3gica scheint der Mond fast so hell wie tags\u00fcber die Sonne.<br \/>\n(Foto: Virginia Kirst)<\/em><\/div>\n<p>Den Weg zum Eingang der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur sollte man lieber nicht alleine gehen. Es ist zwar 19.30 Uhr und der Vollmond geht gerade auf, aber es ist d\u00fcster, und d\u00fcster sind auch die Gestalten, die sich vor dem Eingang herumdr\u00fccken. 120 Personen d\u00fcrfen heute Abend an dem gef\u00fchrten n\u00e4chtlichen Besuch des Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur teilnehmen. Die Anmeldung jedoch birgt eine H\u00fcrde: Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt. Schon zwei Stunden nach Beginn der Anmeldefrist sind keine Pl\u00e4tze mehr frei. Die kostenlose F\u00fchrung, die ein Mal im Monat bei Vollmond stattfindet, scheint ebenso bekannt wie beliebt zu sein.<\/p>\n<p>Die Besucher werden in kleinere Gruppen von etwa 20 Personen eingeteilt. Jede Gruppe bekommt einen F\u00fchrer, und die Wanderung in die Dunkelheit beginnt. Hernando gibt den Teilnehmern seiner Gruppe die letzte M\u00f6glichkeit zum Umkehren: Der Ausflug ist vier Kilometer und drei Stunden lang. Niemand \u00e4ndert seine Meinung und es geht los. In der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur scheint der Mond fast so hell wie tags\u00fcber die Sonne. Auf den \u00f6ffentlichen Wegen f\u00fchrt Hernando die Gruppe tiefer ins Reservat und erkl\u00e4rt einiges zu Flora und Fauna.<\/p>\n<p>Interessant ist besonders die Entstehungsgeschichte des Gebiets: Von Anfang der 1970er Jahre stammt die Idee zu einem Landgewinnungsprojekt vor dem damaligen Balneario Costanera Sur. Balneario hei\u00dft Seebad, ein Name, der zu diesem Zeitpunkt schon \u00fcberholt ist, da das Baden im R\u00edo de la Plata seit den 1950er Jahren verboten war. Auf dem durch das Projekt neu gewonnenen, zentrumsnahen Boden sollten damals Regierungsgeb\u00e4ude errichtet werden. 1978 wurde begonnen, das Projekt zu realisieren. Schutt, der bei der Erneuerung der urbanen Autobahnen anfiel, wurde im Fluss aufgesch\u00fcttet. Mit diesen D\u00e4mmen wurden Teile des Flusses abgetrennt. Dazwischen entstand durch Sedimentablagerungen Land. Die Ma\u00dfnahmen wurden bis 1984 weitergef\u00fchrt, bis schlie\u00dflich, nicht zuletzt durch Geldmangel, das Projekt verworfen wurde.<\/p>\n<p>Auf dem gewonnenen Boden begannen sich einheimische Pflanzen auszubreiten, deren Samen in den Sedimenten des Flusses aus den unterschiedlichsten Regionen angeschwemmt worden waren. Andere Samen gelangten mit dem Wind oder Tieren in das Gebiet. Schon nach kurzer Zeit wurde die Region von den Einwohnern der Stadt entdeckt. Neben Joggern und Radfahrern kamen auch Biologiestudenten und vor allem Vogelbeobachter, um die neu entstandene Natur zu genie\u00dfen und zu untersuchen. Am 5. Juni 1984 wurde das Gebiet schlie\u00dflich von der Stadt unter Naturschutz gestellt. Dank dieses Gesetzes zum Schutz des 360 Hektar gro\u00dfen Naturreservats besteht es bis heute, und die Artenvielfalt entwickelt sich weiter.<\/p>\n<p>Hernandos Informationen sind zwar interessant, atemberaubend hingegen ist die Sicht, die einem die Natur hier bietet. In dieser Nacht hat sich eine Schicht von Nebel \u00fcber die tiefer gelegenen Regionen des Reservats gelegt. Der Nebel wird vom Vollmond angestrahlt und liegt wie ein wei\u00dfer, geheimnisvoller Mantel \u00fcber der Landschaft. Je weiter man sich von der Gro\u00dfstadt entfernt, desto leiser werden die allt\u00e4glichen Ger\u00e4usche. Der L\u00e4rm der Autos und des Hafens wird aber auf der Wanderung nie ganz verstummen. Langsam steigt der Mond h\u00f6her und leuchtet den Weg.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich bittet Hernando die Gruppe, eine Reihe zu bilden, und es wird spannend. Er verl\u00e4sst den \u00f6ffentlichen Weg und f\u00fchrt ins Unterholz. Der f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit verbotene Pfad kann nur in einer Ein-Mann-Reihe begangen werden und erf\u00fcllt die Erwartungen, die er suggeriert hatte. Er er\u00f6ffnet den eigentlichen Reiz des Besuches. Hier ist es dunkel und geheimnisvoll, das Pampasgras ist mannshoch und verdeckt den Mond. Sogar die Jugendlichen der Gruppe scheinen sich endlich alles erz\u00e4hlt zu haben. Langsam gew\u00f6hnt sich das Ohr an die Ger\u00e4usche der Natur. Hier und da schreckt direkt neben dem Weg ein Vogel auf und erschreckt die Besucher, so wie sie ihn erschreckt haben. In einem nahegelegenen W\u00e4ldchen legt die Gruppe dann einen lehrreichen Zwischenstopp ein. Hernando erl\u00e4utert weitere Merkmale der n\u00e4chtlichen Natur.<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck auf dem \u00f6ffentlichen Weg, gelangt die Gruppe an den R\u00edo de la Plata. Die Aussicht, auf das pechschwarze Wasser des R\u00edo, in welchem sich der Vollmond spiegelt, sowie auf die Stadt, die hinter den B\u00e4umen des Reservats leuchtet, ist beeindruckend.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg hat Hernando noch eine besondere \u00dcberraschung: Auf einem Steg, der \u00fcber Grasland ragt, spielt er mit seiner Ukulele Lieder. Die Lieder handeln &#8211; wovon auch sonst &#8211; von einigen heimischen Vogelarten.<\/p>\n<p>\u201cMan sch\u00fctzt nicht, was man nicht liebt, und man liebt nicht, was man nicht kennt\u201d, ist der Slogan der Internetseite der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur. Nach diesem Erlebnis versteht man dieses Motto. Die n\u00e4chtliche F\u00fchrung vermittelt einen hautnahen Eindruck von diesem St\u00fcck wiedergewonnener Natur. Das Naturreservat unmittelbar neben der Innenstadt von Buenos Aires ist ein ganz besonderer Ort und verdient Beachtung und Schutz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtwanderung in der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur Von Virginia Kirst In der Reserva Ecol\u00f3gica scheint der Mond fast so hell wie tags\u00fcber die Sonne. (Foto: Virginia Kirst) Den Weg zum Eingang der Reserva Ecol\u00f3gica Costanera Sur sollte man lieber nicht alleine gehen. 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