{"id":18094,"date":"2014-02-08T10:59:39","date_gmt":"2014-02-08T13:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18094"},"modified":"2014-02-11T16:27:34","modified_gmt":"2014-02-11T19:27:34","slug":"herr-der-giganten-und-zwerge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/02\/08\/herr-der-giganten-und-zwerge\/","title":{"rendered":"Herr der Giganten und Zwerge"},"content":{"rendered":"<p><strong>Skulpturen von Ron Mueck in der Fundaci\u00f3n Proa<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/mueck_skulptur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/mueck_skulptur.jpg\" alt=\"mueck_skulptur\" width=\"500\" height=\"280\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18096\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/mueck_skulptur.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/mueck_skulptur-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDie spannendste Ausstellung in Buenos Aires ist zur Zeit die Schau der hyperrealistischen Skulpturen des K\u00fcnstlers Ron Mueck in der <a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Fundaci\u00f3n Proa<\/a>, die am 16. November 2013 er\u00f6ffnet wurde und noch bis zum 23. Februar l\u00e4uft. Es ist die erste Exposition des Australiers in Lateinamerika. Das Publikumsinteresse ist gewaltig: Am 30. Januar meldete die Kunstgalerie im Stadtteil La Boca den 100.000. Besucher.<\/p>\n<p>F\u00fcr den eher kleinen Kunsttempel Proa ist es nicht einfach, die Massen unter Kontrolle zu halten; besonders an den Wochenenden bilden sich lange Schlangen auf der Explanade vor der Galerie. Drinnen herrscht dann gro\u00dfes Gedr\u00e4nge rund um die wenigen Skulpturen des Meisters Mueck, und im Auditorium, wo ein Dokumentarfilm \u00fcber die Arbeitsweise des K\u00fcnstlers gezeigt wird, findet man kaum ein Pl\u00e4tzchen und es herrscht ein st\u00e4ndiges Kommen und Gehen.<\/p>\n<p>Es empfiehlt sich, bevor man den Film anschaut, zun\u00e4chst einmal durch die Ausstellung zu gehen. Wenn man hereinkommt und das alte Paar am Strand unter dem Sonnenschirm sieht &#8211; beide im Riesenformat -, erinnert man sich urpl\u00f6tzlich, wie man sich als kleines Kind in der Gegenwart der riesigen Erwachsenen f\u00fchlte. Auch wenn dieser Effekt nur eine Sekunde anh\u00e4lt, ist es doch eine starke Bewusstseinsverschiebung, die man in gewisser Weise auch bei den anderen Menschenskulpturen Muecks &#8211; im Mini- oder &#8220;mittleren&#8221; Format &#8211; empfindet, oder angesichts eines \u00fcberdimensionalen, an den Beinen von der Decke h\u00e4ngenden Hahn-Kadavers, oder beim Betrachten einer blau gestrichenen Wand, an der eine Luftmatratze h\u00e4ngt, auf der ein kleiner Mann in Badehose und mit Sonnenbrille liegt. Schaut man aus einer bestimmten Entfernung auf diese Wand, hat man das Gef\u00fchl, in der Luft zu schweben und den Mann von oben zu betrachten, w\u00e4hrend man gleichzeitig die F\u00fc\u00dfe auf dem Boden sp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Das ist nur ein Beispiel daf\u00fcr, dass bei Ron Mueck jeder Millimeter stimmt, wenn es um die ins Riesenformat oder ins Kleinformat \u00fcbersetzten Dimensionen seiner Skulpturen geht, deshalb f\u00fchlt man sich durch seine Kunst auch nicht get\u00e4uscht, sondern eher \u00fcberrascht, und man ist geneigt, seine eigene Sicherheit \u00fcber den jedem &#8220;zustehenden&#8221; Platz in Raum und Zeit zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Der Film im Auditorium der Fundaci\u00f3n Proa zeigt den Entstehensprozess einiger der Figuren in der Ausstellung &#8211; deshalb ist es interessant, auch nachher, mit dem neuen &#8220;Wissen&#8221;, noch einmal kurz durch die Ausstellungsr\u00e4ume zu gehen. Der Film ist in vielfacher Hinsicht faszinierend, nicht nur, weil man diesem wortkargen, konzentrierten, obsessiven K\u00fcnstler und seinen Assistenten bei der Arbeit zusehen kann, sondern auch, weil sie in der relativ kleinen Werkstatt von \u00e4u\u00dferst realistisch aussehenden K\u00f6rperteilen &#8211; Mini-Babyk\u00f6pfen und -h\u00e4ndchen, riesigen Oberk\u00f6rpern etc. &#8211; umgeben sind, was dem Ganzen den Anstrich einer Art Horrorkabinett gibt. Erkl\u00e4rende Worte w\u00fcrden da nur st\u00f6ren, deshalb ist der Film von Gautier Deblonde, in dem kaum gesprochen wird, ein kleines Meisterwerk in sich.<\/p>\n<p>Die Dokumentation hei\u00dft treffend &#8220;Still Life: Ron Mueck at work&#8221;. Deblonde, Fotograf und Filmemacher, hat daf\u00fcr \u00fcber 18 Monate hinweg jeden Tag Ron Mueck bei der Arbeit in seiner Werkstatt gefilmt, w\u00e4hrend Mueck f\u00fcr die Ausstellung in der Fondation Cartier in Paris die drei Werke &#8220;Young couple&#8221;, &#8220;Couple under umbrella&#8221; und &#8220;Woman with shopping&#8221; schuf. Schweigsam arbeitet Mueck mit zwei, manchmal drei Assistenten, mit unendlicher Geduld und Konzentration entwickelt er jedes Stadium bis zur Vollendung seiner Skulpturen. &#8220;Es ist eigentlich ein Film \u00fcber die Zeit&#8221;, sagt Deblonde. &#8220;\u00dcber die Zeit und dar\u00fcber, wie sehr Ron Mueck in seine Arbeit verwickelt ist.&#8221; Der Film dauert 48 Minuten und wird in Endlosschleife gezeigt.<\/p>\n<p>Ron Mueck wurde 1958 als Kind deutscher Einwanderer in Melbourne geboren. Seit 1983 lebt er in London. 2003 sagte der K\u00fcnstler dem &#8220;Kunstmagazin&#8221;: &#8220;Ich wollte etwas machen, dem ein Foto nicht gerecht werden w\u00fcrde. [\u2026] Obwohl ich viel Zeit mit der Oberfl\u00e4che verbringe, ist es doch das Innenleben, das ich einfangen m\u00f6chte. [\u2026] Meine Arbeiten sind mein Statement.&#8221;<\/p>\n<p>Die Ausstellung wurde von der Fondation Cartier in Paris organisiert und letztes Jahr auch in der franz\u00f6sischen Hauptstadt gezeigt. Kuratiert vom Direktor der Fondation Cartier, Herv\u00e9 Chand\u00e8s, sowie Grazia Quaroni, wandert die Schau nach ihrem Stopp in Buenos Aires weiter nach Brasilien ins &#8220;Museo de Arte Moderno&#8221; von Rio de Janeiro, wo sie von M\u00e4rz bis Juni 2014 zu sehen sein wird.<\/p>\n<ul>\n<li>Ron Mueck, Skulpturen.<\/li>\n<li>Fundaci\u00f3n Proa, Pedro de Mendoza 1929, La Boca, Buenos Aires.<\/li>\n<li>Ge\u00f6ffnet dienstags bis sonntags 11-19 Uhr, montags geschlossen.<\/li>\n<li>Eintritt 15 Pesos, Rentner 10 Pesos, Studenten 5 Pesos; dienstags gratis f\u00fcr Studenten.<\/li>\n<li>16.11.2013-23.2.2014.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">Webseite.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nRon Mueck (ganz links) mit einem Assistenten beim Aufbau von &#8220;Couple under umbrella&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skulpturen von Ron Mueck in der Fundaci\u00f3n Proa Von Susanne Franz Die spannendste Ausstellung in Buenos Aires ist zur Zeit die Schau der hyperrealistischen Skulpturen des K\u00fcnstlers Ron Mueck in der Fundaci\u00f3n Proa, die am 16. 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