{"id":1813,"date":"2009-06-20T10:09:16","date_gmt":"2009-06-20T13:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/06\/20\/die-stadt-mit-ihren-tausend-gesichtern\/"},"modified":"2009-06-24T13:50:11","modified_gmt":"2009-06-24T16:50:11","slug":"die-stadt-mit-ihren-tausend-gesichtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/06\/20\/die-stadt-mit-ihren-tausend-gesichtern\/","title":{"rendered":"Die Stadt mit ihren tausend Gesichtern"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcnf deutsche K\u00fcnstler stellen in der \u201eFundaci\u00f3n Proa\u201c zum Thema \u201eStadt\u201c aus<\/p>\n<p><em>Von Svenja Beller<\/em><\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1824\" alt=gur2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/gur2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Monumentalansichten \u00fcben eine Faszination auf Andreas Gursky aus, hier &#8220;Hongkong, Grand Hyatt Park&#8221; (1994).<\/em><\/div>\n<p>Das Oberthema ist \u201cUrbane R\u00e4ume\u201d, doch die Interpretationen k\u00f6nnten unterschiedlicher kaum sein. Man findet sich vor riesigen Menschenmengen, betritt Theater und Bibliotheken, blickt in menschenleere Stra\u00dfen oder bestaunt atemberaubende Panoramen. F\u00fcnf K\u00fcnstler &#8211; F\u00fcnf Blickwinkel. Eines haben sie alle gemeinsam: ihre Wurzeln. Die Fotografen, die hinter den Interpretationen stecken, sind alle f\u00fcnf ehemalige Sch\u00fcler von Bernd und Hilla Becher, sie lernten den \u00e4sthetischen Umgang mit der Kamera an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf. Heute haben sie sich alle einen Namen gemacht: Andreas Gursky, Candida H\u00f6fer, Axel H\u00fctte, Thomas Ruff und Thomas Struth. Die Kunststiftung \u201cProa\u201d lud die deutschen K\u00fcnstler nach La Boca ein, um dort gemeinsam auszustellen. Vom 30. Mai bis Ende Juli hauchen die Fotografien den Ausstellungsr\u00e4umen von \u201cProa\u201d urbanes Leben ein.<\/p>\n<p>Doch was lenkte den Blick der Porte\u00f1os den weiten Weg nach D\u00fcsseldorf? Genauer genommen war es der Blick von Kurator Luduvico Pratesi, der nach Deutschland schweifte. \u201cVor einigen Jahren begann ich mich f\u00fcr die Evolution der zeitgen\u00f6ssischen Fotografie in Deutschland zu interessieren\u201d, erkl\u00e4rt der Fotografie-Experte seine Idee zur Ausstellung in einem Interview mit \u201cProa\u201d. Da sei er auf die D\u00fcsseldorfer Akademie aufmerksam geworden, der Schritt zu den f\u00fcnf Fotografen lag nahe. Also lud er die ehemaligen Mitsch\u00fcler ein, die Evolution \u201cder Stadt\u201d durch eine Auswahl ihrer Werke zu analysieren. Aus einem gemeinsamen Dialog zwischen Deutschland und Buenos Aires entstand schlie\u00dflich die Auswahl von 45 Werken, die heute in der Stiftung in La Boca ausgestellt sind. Sie decken eine Zeitspanne von den achtziger Jahren bis heute ab, und zeigen so neben modernen Eindr\u00fccken auch l\u00e4ngst vergangene Einblicke in urbane Pl\u00e4tze. Es ist das erste Mal, dass die f\u00fcnf K\u00fcnstler gemeinsam zu einem Oberthema eingeladen sind, doch die Ausstellung zeigt: Es war eine gute Idee.<\/p>\n<p>In Saal 1 sind alle K\u00fcnstler vertreten, die Werke sind aus den Achtzigern, aus der Zeit, als die Fotografen noch Sch\u00fcler an der D\u00fcsseldorfer Akademie waren. Hier zeigen sich die verschiedenen Interpretationsans\u00e4tze des Themas \u201cUrbane R\u00e4ume\u201d. Zu Beginn \u00e4hnelten sich die K\u00fcnstler aber noch deutlich mehr in ihren Werken als in sp\u00e4teren Jahren, in denen jeder seinen eigenen Weg ging. Der Einfluss vom damaligen Professor Bernd Becher ist in ihren jungen Bildern noch am st\u00e4rksten zu sp\u00fcren, er wird sich sp\u00e4ter mehr und mehr verlieren und dem eigenen Stil des K\u00fcnstlers weichen.<\/p>\n<p>Saal 2 teilen sich Thomas Struth und Andreas Gursky. Blickfang sind hier die zwei Menschenmengen \u201eMay Day 4\u201c und \u201eTote Hosen\u201c, aufgenommen von Gursky im Millennium-Jahr, ersteres geh\u00f6rt zu seinen ber\u00fchmtesten Werken. Er montierte mehrere Fotos nebeneinander und \u00fcberarbeitete die Farbgebung, um den monumentalen Eindruck zu erreichen. Im Fokus ist das Kollektiv, das Individuum als Teil einer enormen Masse. Die Werke Struths stehen in starkem Kontrast zu denen seines ehemaligen Mitsch\u00fclers: Geb\u00e4ude dominieren bei ihm die Bildfl\u00e4che. Lima, Paris, Las Vegas, Schanghai, Hongkong &#8211; eine fotografische Reise durch die Metropolen der Erde.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Saal geb\u00fchrt der einzigen Dame der Runde: Candida H\u00f6fer. Sie hatte als einzige Buenos Aires fotografisch eingefangen, deswegen schenkte \u201eProa\u201c der K\u00fcnstlerin einen Raum ganz f\u00fcr sich. Begeisterten sich ihre m\u00e4nnlichen Kollegen mehr f\u00fcr die Au\u00dfenansichten von Geb\u00e4uden und St\u00e4dten, so st\u00f6\u00dft sie die T\u00fcren auf zu Theatern, Museen, Kathedralen und Bibliotheken. Sie setzt vor allem auf Symmetrie, h\u00e4lt penibel aufgereihte Stuhlreihen und Gedecke fest. In Buenos Aires richtete sie ihre Linse unter anderem auf das Innere des Kongresses, des Regierungsgeb\u00e4udes \u201eCasa Rosada\u201c und des Theaters San Mart\u00edn.<\/p>\n<p>Im letzten Raum, Saal 4, h\u00e4ngen die Werke von Thomas Ruff und Axel H\u00fctte. Die Londoner Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen von H\u00fctte strahlen fast ein wenig Tristesse aus und zeigen ungewohnte Einblicke in die Hauptstadt Englands. Faszinierend magisch sind seine Nachtfotografien aus Las Vegas und Minneapolis. Er druckte die Bilder auf einen Spezialfilm und setzte sie vor eine reflektierende Oberfl\u00e4che, was eine unglaubliche Farbintensit\u00e4t und Tiefe zur Folge hat. Sein Kollege Ruff beeindruckt ebenfalls mit technischen Kniffen. Eine v\u00f6llig verpixelte Gartenaufnahme l\u00e4sst den Betrachter auf und ab laufen: von Nahem bunte Quader, von fern B\u00e4ume, Wiese und Pflanzen. Seine Collage \u201ePlakat 3\u201c aus den Jahren 1996\/97 thematisiert den Umzug Helmut Kohls von Bonn nach Berlin auf groteske Weise. Kopflos und mit den F\u00fc\u00dfen in der Luft steckt der ehemalige Bundeskanzler in der Skyline bedeutender Metropolen, ein politisch kritischer Tonfall ist schwer zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Fotografen zeigen die Vielseitigkeit der Stadt, und die verschiedenen M\u00f6glichkeiten, sich ihr anzun\u00e4hern.<\/p>\n<ul>\n<li>Fundaci\u00f3n Proa, Av. Pedro de Mendoza 1929. La Boca. Di-So 11-19 Uhr. Eintritt: 10 Pesos. Infos <em><a href=\"http:\/\/www.proa.org\/esp\/\">hier<\/a><\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Filmreihe \u201cStadt und Subjekivit\u00e4t\u201d<\/strong><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1812\" alt=proa2.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/proa2.jpg\" \/><br \/>\n<em>Ausblick von der Fundaci\u00f3n Proa.<\/em><\/div>\n<p>Anl\u00e4sslich der Ausstellung \u201cUrbane R\u00e4ume\u201d in der Fundaci\u00f3n Proa stellt die vom Goethe-Institut unter der Schirmherrschaft von Robert Bosch Argentina Industrial S.A. pr\u00e4sentierte Filmreihe \u201cStadt und Subjektivit\u00e4t\u201d eine Serie von subjektiven Betrachtungsweisen zur Stadt vor, von Fiktion bis hin zu Dokumentation und Experimentalfilm. Die von Rub\u00e9n Guzm\u00e1n koordinierte Filmreihe findet vom heutigen Samstag, 20. Juni, bis Sonntag, 19. Juli, samstags, sonntags und feiertags um 15.30 und 17.30 Uhr im Auditorium der Fundaci\u00f3n Proa, Av. Pedro de Mendoza 1929, La Boca, statt. Eintritt: 5 Pesos pro Vorstellung.<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u201cUrbane R\u00e4ume\u201d versucht, die Entwicklung von Stadtkonzepten in der zeitgen\u00f6ssischen Kultur durch die Ideen und Bilder der f\u00fcnf Fotografen Thomas Struth, Axel H\u00fctte, Andreas Gursky, Thomas Ruff und Candida H\u00f6fer, die zu den einflussreichsten K\u00fcnstlern in Deutschland z\u00e4hlen, zu analysieren.<\/p>\n<p>Der begleitende Filmzyklus \u201cStadt und Subjektivit\u00e4t\u201d beinhaltet unter anderem Arbeiten von Guy Maddin, Alexander Kluge, Rosa von Praunheim, Peter Kahane und Mario Chierico. <\/p>\n<p>K\u00fcnstlergespr\u00e4che und Diskussionen im Beisein von Rub\u00e9n Guzm\u00e1n und einem der speziell hierzu eingeladenen deutschen Fotografen begleiten das Programm.<\/p>\n<p><strong>Juni<\/strong><br \/>\n20.6., 15:30 Uhr: Programm 4; 17.30 Uhr: Programm 5.<br \/>\n21.6., 15.30 Uhr: Programm 6; 17.30 Uhr: Programm 7.<br \/>\n27.6. 15.30 Uhr: Programm 3; 17.30 Uhr: Programm 4.<br \/>\n28.6.: keine Vorstellung wegen der Wahlen.<br \/>\n<strong>Juli<\/strong><br \/>\n4.7., 15.30 Uhr: Programm 5; 17.30 Uhr: Programm 1.<br \/>\n5.7., 15.30 Uhr: Programm 7; 17.30 Uhr: Programm 1.<br \/>\n9.7., 15.30 Uhr: Programm 1; 17.30 Uhr: Programm 3.<br \/>\n11.7., 15.30 Uhr: Programm 5; 17.30 Uhr: Programm 4.<br \/>\n12.7., 15.30 Uhr: Programm 6; 17.30 Uhr: Programm 3.<br \/>\n18.7., 15.30 Uhr: Programm 1; 17.30 Uhr: Programm 4.<br \/>\n19.7., 15.30 Uhr: Runder Tisch (Anmeldung erforderlich), danach Programm 2.<\/p>\n<p><strong>Programm 1:<\/strong> \u201cMi Winnipeg\u201d (My Winnipeg) von Guy Maddin, Kanada, 2007, 80 Min.<br \/>\n<strong>Programm 2:<\/strong> \u201cLa Plata: Arquitectura, Urbanidad\u201d von Mario Chierico, Argentinien, 1997, 9 Min.; \u201cCiudad Moderna\u201d von Terence Gower, Kanada, 2004, 6 Min.; \u201cVacante\u201d (Vacancy) von Matthias M\u00fcller, Deutschland, 1998, 14 Min.; \u201cEn Construcci\u00f3n\u201d (Under Construction) von Zhenchen Liu, Frankreich, 2007, 10 Min.; \u201cSin Da\u00f1o\u201d (No Damage) von Caspar Stracke, Deutschland, 2002, 13 Min.; \u201cSuburbio del Vac\u00edo\u201d (Banlieue du Vide) von Thomas K\u00f6ner, Deutschland, 2004, 12 Min.; \u201cDas Schlafende M\u00e4dchen\u201d (La Muchacha Durmiente) von Corina Schnitt, Deutschland, 2001, 9 Min.<br \/>\n<strong>Programm 3:<\/strong> \u201cHowrah Howrah\u201d von Till Passow, Deutschland\/Indien, 2001, 26 Min.; \u201cUn Mi\u00e9rcoles Noche en Tokio\u201d, von Jan Verbeek, Deutschland\/Japan, 2004, 6 Min.; \u201cMiradas Supervivientes\u201d (Sguardi Superstiti) von Marco Pasquini, Italien, 2007, 30 Min.<br \/>\n<strong>Programm 4:<\/strong> \u201cBerlin &#8211; Die Sinfonie der Gro\u00dfstadt\u201d (Berl\u00edn, Sinfon\u00eda de una Gran Ciudad) von Walter Ruttmann, Deutschland, 1927, 65 Min.<br \/>\n<strong>Programm 5:<\/strong> \u201cBrutalit\u00e4t in Stein\u201d (Brutalidad en Piedra) von Alexander Kluge, Deutschland, 1960, 12 Min.; \u201cDie Mauer\u201d (El Muro) von J\u00fcrgen B\u00f6ttcher, Deutschland, 1990, 96 Min.<br \/>\n<strong>Programm 6:<\/strong> \u201cDie Architekten\u201d (Los arquitectos) von Peter Kahane, Deutschland, 1990, 97 Min.<br \/>\n<strong>Programm 7:<\/strong> \u201c\u00dcberleben in New York\u201d (Sobrevivir en Nueva York) von Rosa von Praunheim, Deutschland, 1989, 90 Min.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf deutsche K\u00fcnstler stellen in der \u201eFundaci\u00f3n Proa\u201c zum Thema \u201eStadt\u201c aus Von Svenja Beller Monumentalansichten \u00fcben eine Faszination auf Andreas Gursky aus, hier &#8220;Hongkong, Grand Hyatt Park&#8221; (1994). 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