{"id":18243,"date":"2014-02-25T14:23:12","date_gmt":"2014-02-25T17:23:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18243"},"modified":"2014-02-25T14:23:12","modified_gmt":"2014-02-25T17:23:12","slug":"homo-sapiens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/02\/25\/homo-sapiens\/","title":{"rendered":"Homo Sapiens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der liebe Gott wird&#8217;s schon richten<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/gott.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/gott.jpg\" alt=\"gott\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-18247\" \/><\/a>Als der Homo Sapiens Selbsterkenntnis erreicht zu haben glaubte, artete diese unmittelbar in Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung aus. Er nannte sich fortan Mensch und bildete sich ein, die Krone einer &#8220;Sch\u00f6pfung&#8221; zu sein.<\/p>\n<p>Andere Lebewesen nehmen die Welt, wie sie ist. Man muss fressen und aufpassen, nicht gefressen zu werden. Wer erfolgreich ist, pflanzt sich fort; das macht Spa\u00df und bringt Ehre. Wer nicht, der lebt halt allein oder im Verliererkollektiv. Auch ein voller Magen oder eine \u00fcberstandene Gefahr zeitigen gl\u00fcckliche Momente. Und irgendwann sterben muss man allemal.<\/p>\n<p>Nicht so der sogenannte Mensch! Das bisschen Mehr an Gro\u00dfhirn, das ihn von Anderen unterscheidet, fl\u00fcstert ihm ein, privilegiert zu sein. Die Welt bestehe zu seinem Nutzen, sei f\u00fcr ihn geschaffen worden, meint er.<\/p>\n<p>Geschaffen? Kein anderes Lebewesen, so gro\u00dfhirnig es auch sei, k\u00e4me auf eine solch abstruse Idee. Die Welt ist einfach da, war es immer. Das sagt doch die primitivste Logik! Einfache Logik ist dem Menschen aber zuwider. Er ist doch die Krone seiner Welt und muss einer anderen Logik gehorchen!<\/p>\n<p>Seine Logik begr\u00fcndet der Mensch in sich selbst. Da er Werkzeuggebrauch und \u2013herstellung weiter entwickelt hat als andere Gro\u00dfhirner und st\u00e4ndig neue, im Rest der Welt unbekannte Dinge herstellt, sie schafft, h\u00e4lt er es f\u00fcr eing\u00e4ngig, dass die gesamte Welt geschaffen sei. &#8220;Sch\u00f6pfung&#8221; nennt er sie deshalb. Nie hat der Mensch den geringsten Beweis, nicht einmal ein Indiz, daf\u00fcr erbracht, dass diese Logik stimmt.<\/p>\n<p>Seine Logik zwang ihn aber von Anfang an, hinter der Sch\u00f6pfung Sch\u00f6pfer zu postulieren. Der oder die mussten irgendwie menschen\u00e4hnlich sein, denn au\u00dfer dem Homo Sapiens war weit und breit nichts zu sehen, was schaffte. Also schaffte der Mensch sich seinen Sch\u00f6pfer nach seinem Ebenbilde.<\/p>\n<p>Anfangs waren es mehrere Sch\u00f6pfer, entr\u00fcckte Ahnen, an deren Vollkommenheit oder Allm\u00e4chtigkeit niemand zweifelte, da niemand sich mehr an sie erinnern konnte. Sie wohnten auf unzug\u00e4nglichen Berggipfeln oder in der Sonne und es fiel ihnen kein Stein aus der Krone, wenn sie ab und zu herabstiegen, um ein paar Halbg\u00f6tter zu zeugen. Oder sie hatten den Anschein von \u00dcberm\u00fcttern \u2013 Gaia, Pacha Mama \u2013 die Fruchtbarkeit zu gew\u00e4hren versprachen. Man hatte ihnen Opfer zu bringen, denn wenn sie schlecht gestimmt waren, drohten Krankheiten, Missgeburten, Missernten. Die G\u00f6tter manifestierten sich durch Blitz und Donner, zweik\u00f6pfige K\u00e4lber und andere Naturerscheinungen. Das beeindruckte die Menschen und best\u00e4rkte sie im Glauben an ihre eigene Sch\u00f6pfung. Bereitwillig glaubten sie die G\u00f6tterm\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Irgendwann allerdings \u2013 sp\u00e4testens, als es g\u00f6ttliche Pharaonen und Kaiser gab \u2013 war kaum noch zu verheimlichen, dass die Menschenlogik mit der allgemeinen, wirklichen, immer weniger \u00fcbereinstimmte. Aus den vielen G\u00f6ttern wurde ein Gott \u2013 sozusagen eine Flurbereinigung. Dessen Existenz konnte nun allerdings blo\u00df noch durch althergebrachte \u00dcberlieferungen erkl\u00e4rt werden. Kaum jemand wollte dennoch an deren Wahrheitsgehalt zweifeln, denn: Wie k\u00f6nnte etwas unwahr sein, das so lange Zeit von so vielen gelehrten, ehrw\u00fcrdigen Chronisten bewahrt worden war? Und: War nicht die Vielf\u00e4ltigkeit und Herrlichkeit des irdischen Lebens und der die Erde umkreisenden Gestirne ein schl\u00fcssiger Beweis f\u00fcr die Existenz einer \u00fcberirdischen, intelligenten Macht? Dann gab es ja noch gelegentliche Wunder. Man hatte sie zwar nicht selbst erlebt oder beobachtet, aber wenn so viele Gottesm\u00e4nner und Gl\u00e4ubige sie best\u00e4tigten, w\u00e4re es wohl ketzerisch, sie in Zweifel zu ziehen.<\/p>\n<p>Es ist kaum zu glauben, wie z\u00e4h die anthropozentrische Vorstellung von dieser angeblichen \u00fcberirdischen \u2013 inzwischen \u00fcberweltlichen \u2013 Macht jeder wirklichen Logik, jeder Erfahrung und jeder Wissenschaft widersteht. Sie \u00fcberlebte Aristoteles, Kopernikus, Galilei, Darwin und Einstein, die Entr\u00e4tselung der Gestirnsbewegungen, des Wettergeschehens, des atomaren Aufbaus der Materie und des molekularen Lebens sowie dessen historischer Entwicklung, und nicht einmal die neurologischen Erkenntnisse \u00fcber die Beschr\u00e4nktheit des menschlichen Gehirns k\u00f6nnen ihr anscheinend etwas anhaben. W\u00e4hrend die Sagen des Altertums und mittelalterlichen M\u00e4rchen heute m\u00fcdes L\u00e4cheln erzeugen, gilt ein Gottesbild als unangreifbar, das, von greisen M\u00e4nnern vor Tausenden von Jahren erfunden, tausendmal tradiert, interpretiert, durch theologische B\u00fcrokraten nach Gusto modifiziert, sein \u00dcberleben allein dem Umstand verdankt, dass es gegen jedes bessere Wissen von machtvollen Organisationen aufrecht erhalten wird.<\/p>\n<p>&#8220;Ohne Gott keine Moral&#8221; predigen diese. Aber wo war denn diese Moral w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge und Hexenverfolgungen, der Pogrome, der Inquisition, der Conquista, des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges, also in den Zeiten gr\u00f6\u00dfter Gottesfurcht? Und wo ist sie heute, da Selbstmordattent\u00e4ter im Namen der Religion Tausende Unschuldiger morden und sich als tief religi\u00f6s bezeichnende Staatsm\u00e4nner sinnlose Kriege beginnen? Ein etwas tieferer Blick in die Geschichte lehrt doch, dass die angebliche \u00fcberirdische Macht nie mehr war als ein Vorwand machtgieriger Menschen, ihresgleichen zu beherrschen!<\/p>\n<p>Dass man zu K\u00f6nig Knuts Zeiten als Vertreter des Donnergottes analphabetische Leibeigene beeindrucken konnte, ist verst\u00e4ndlich. Aber heute hat der Mensch bald 100 Generationen Aufkl\u00e4rung hinter sich. In der Regel besitzt er Schulbildung, liest Zeitung, h\u00f6rt Radio, navigiert im Internet und reist in fremde L\u00e4nder. Kommt es ihm eigentlich nicht in den Sinn, dass sein kindlicher Glaube an eine \u00fcberweltliche Macht v\u00f6llig wirklichkeitsfremd ist und, vor allem, widerspr\u00fcchlich? Wie ertr\u00e4gt es ein ehrlicher Gebildeter, sich einerseits f\u00fcr das au\u00dferordentlichste Wesen zu halten, das die Welt je hervorgebracht hat, zum anderen aber hilfloses Objekt zu sein einer unerfahrbaren, gestaltlosen Macht, deren Wahrheitsgehalt das H\u00f6rensagen ist?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich kommt ihm der Widerspruch schon in den Sinn. Es ist aber weit bequemer, solche Erkenntnis zu verdr\u00e4ngen, als sich den aus ihr resultierenden Notwendigkeiten zu stellen, welche, das ahnt er, m\u00fchsam und unerfreulich w\u00e4ren. Der liebe Gott wird schon alles richten, denkt der Mensch, er hat uns ja auch bisher durchgebracht und mir ein alles in allem ganz ertr\u00e4gliches Leben beschert. Er wird schon daf\u00fcr sorgen, dass die Menschheit Techniken und Methoden findet, um den Klimawandel zu stoppen, unendliche, schadstofffreie Energiequellen zu erschlie\u00dfen, Krebs und Aids zu eliminieren, den Hunger eines Drittels der Erdbewohner &#8211; sowie der Milliarden, die demn\u00e4chst dazukommen &#8211; zu stillen und ein wenig unber\u00fchrte Natur \u00fcbrig zu lassen.<\/p>\n<p>Und so etwas nennt sich Mensch? Krone der &#8220;Sch\u00f6pfung&#8221;? Ein Wesen, das sein privilegiertes Gro\u00dfhirn dazu benutzt, alle anderen Lebensformen zu unterwerfen, zu dezimieren, auszurotten, das wider jede Logik einen Planeten denaturiert und damit seine eigene Daseinsgrundlage zerst\u00f6rt? Das seine werkm\u00e4chtigen H\u00e4nde in den Scho\u00df legt und die Verantwortung f\u00fcr sein Tun einer fiktiven Macht \u00fcbertr\u00e4gt, von der er, da er sie selbst erdacht hat, wissen m\u00fcsste, dass sie ungegenw\u00e4rtig, unwissend und ohnm\u00e4chtig ist?<\/p>\n<p>Sapiens?<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDer kindliche Glaube an eine \u00fcberirdische Macht widersteht jeder wirklichen Logik, jeder Erfahrung und jeder Wissenschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der liebe Gott wird&#8217;s schon richten Von Friedbert W. B\u00f6hm Als der Homo Sapiens Selbsterkenntnis erreicht zu haben glaubte, artete diese unmittelbar in Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung aus. Er nannte sich fortan Mensch und bildete sich ein, die Krone einer &#8220;Sch\u00f6pfung&#8221; zu sein. Andere Lebewesen nehmen die Welt, wie sie ist. Man muss fressen und aufpassen, nicht gefressen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-18243","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18243"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18249,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions\/18249"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}